Schuhhersteller aus Pirmasens

Stefan Frank: „Wir müssen gemeinsam kämpfen!“

Stefan Frank (Foto: Redaktion)
Stefan Frank (Foto: Redaktion)

Der Pirmasenser Schuhhersteller kämpft mit der Corona-Krise. Geschäftsführer Stefan Frank erklärt, wo die größten Probleme liegen. 

schuhkurier: Herr Frank, die Corona-Krise hat uns fest im Griff. Seit zwei Wochen sind die Läden zu. Wie erleben Sie die Situation?

Stefan Frank: Es ist völlig surreal, wir sind bei voller Fahrt ausgebremst worden und zum Stillstand gezwungen. Das betrifft unsere Firma, aber auch das Leben in der Stadt ist zum Erliegen gekommen und die Atmosphäre ist eine Mischung aus persönlichen Ängsten vor dem neuartigen Virus und großer Ungewissheit, wie sich das alles weiterentwickeln wird.

Eine ganze Reihe an Problemen und Herausforderungen brechen derzeit über die Branche herein. Welche Aspekte sind für Sie die schwierigsten?

Die große Ungewissheit, wie lange das alles andauern wird! Wenn mir jemand sagen würde: „Pass auf, du musst das jetzt drei Wochen durchhalten, dann geht es weiter“, dann könnte man damit besser umgehen. Die Ungewissheit aber, die lähmt alle Akteure und macht es fast unmöglich, Entscheidungen zu treffen. Man kann einfach keine Antworten geben, weil man diese vielleicht am nächsten Tag schon wieder korrigieren muss. Mitarbeiter einplanen, Dispositionen, Liquidität, alles ist ungewiss.

Was kann Peter Kaiser tun, um den Handel zu unterstützen – und was nicht?

Wir schaffen es leider nicht, den Handel finanziell so zu unterstützen, wie das vielleicht große finanzstarke Unternehmen können. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen mit fast 95% eigener Produktion unter anderem in Deutschland, und es ist für uns nicht einfach. Wir müssen auch unsere Liquidität im Auge behalten und leider ist ein Hersteller von Schuhen – und das auch noch in Deutschland – aus Bankensicht nicht gerade ein Wunschkunde. Was wir machen können, ist, unseren Kunden weiterhin ein erstklassiges Produkt mit einer überdurchschnittlichen Marke zu bieten, die echte "Heritage" hat und außergewöhnliches Know-How in der Entwicklung und  Produktion von Schuhen. Wir haben viele Konzepte zur Unterstützung des Handels und dessen Liquiditätssicherung entwickelt, wie z.B. unser ausgeweitetes NOS-Programnm oder unsere Dressy Wall, bei der wir dem Handel die Schuhe in einem Depotkonzept zur Verfügung stellen. 

Wie wird unsere Branche in sechs Monaten aussehen?

Ich bin „zum Glück“ kein Hellseher, aber ich befürchte, wir werden uns in einer Branche mit deutlich weniger Marktteilnehmern wiedersehen.

Was wünschen Sie sich von Ihren Partnern im Handel?

Dass wir weiterhin gemeinsam kämpfen und dass auch unsere Partner Verständnis für unseren schwierigen Kampf haben. Wir haben ca. 500 Mitarbeiter in eigener Produktion, die aktuell nicht produzieren können.

 
Petra Steinke / 01.04.2020 - 10:32 Uhr

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