„Haben bereits harten Lockdown in Innenstädten“

Stefan Genth spricht Klartext bei Markus Lanz

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth zu Gast bei Markus Lanz (Sendung vom 9. Dezember 2020)
HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth zu Gast bei Markus Lanz (Sendung vom 9. Dezember 2020)

In der ZDF-Sendung Markus Lanz am 9. Dezember erläuterte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth, was ein erneuter harter Lockdown für den innerstädtischen Non-Food-Handel bedeuten würde. 

In einem Rückblick schilderte der HDE-Hauptgeschäftsführer die Situation des Einzelhandels im Frühjahr 2020: „Wir haben einen echten Lockdown im März gehabt. Wir hatten keine Masken, weder beim Einkaufen noch sonst irgendwo. Trotzdem sind die Erkranktenzahlen im Lebensmitteleinzelhandel nicht nach oben gegangen. Das ist eine tolle Story, Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln haben funktioniert.“

Wenn über einen aktuell geltenden „Lockdown Light“ gesprochen wird, bildet das laut Genth die Realität nicht vollständig ab: ,,Wir haben einen harten Lockdown in vielen Innenstädten. Wir haben über 60% weniger Kunden in den Einkaufsstraßen und auch in den Geschäften sind deutlich weniger Kunden. Die kaufen wenigstens, weil sie Bedarfskäufe tätigen. Aber ein Shoppingerlebnis findet nicht mehr statt.“

Man könne diese Situation als „Sonderopfer“ deklarieren. Jedoch sei der Einzelhandel bislang nicht entschädigt worden, auch nicht mit den Überbrückungshilfen. „Es werden Milliardenhilfen genannt, aber nach den Soforthilfen im Frühjahr – 50 Mrd. wurden zur Verfügung gestellt und 14 Mrd. an alle Wirtschaftszweige ausgereicht – kamen die Überbrückungshilfen in Höhe von 25 Mrd. Euro. Deren Zugangsvoraussetzungen sind so hart, dass davon bislang weniger als 10% geflossen sind“, so Genth. Fakt sei, dass Unterstützung durch Geld bislang noch nicht im Einzelhandel angekommen sei.

Der Umsatz im Bekleidungshandel liegt laut Genth aktuell um 40 bis 60% unter dem Vorjahr. Seit März erlebten die Unternehmen „unwiederbringliche“ Umsatzeinbrüche. Eindringlich warnte Genth vor den Folgen eines harten Lockdowns nach Weihnachten: „Die Zeit von Weihnachten bis Neujahr ist mittlerweile die umsatzstärkste im Jahr für viele Händler. Die Leute sind zuhause, viele haben Geldgeschenke bekommen, es sind Ferien. Einkaufen ist da ein Freizeiterlebnis. Wenn man die Branche zumacht, hat das verheerende Folgen. Der Handel hat 3 Mio. Beschäftigte. Die Hälfte arbeitet nicht im Lebensmittelhandel.“ Man werde daher zu Beginn des kommenden Jahres Insolvenzen erleben und die Innenstädte werden, so Genth, dramatisch anders aussehen.   

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Petra Steinke / 10.12.2020 - 12:23 Uhr

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