Neuausrichtungen beim Sulinger Schuhhersteller

Lloyd Shoes: Raus aus der Schublade

Lloyd-Geschäftsführer Andreas Schaller (Foto: Lloyd)
Lloyd-Geschäftsführer Andreas Schaller (Foto: Lloyd)

2020 war die „absolute Katastrophe“ und 2021 ist ein „Übergangsjahr“, so fasst Lloyd-Geschäftsführer Andreas Schaller die Auswirkungen der Corona-Krise zusammen. Mit schuhkurier sprach er darüber, welche Schlussfolgerungen man in Sulingen aus der Situation gezogen hat.

Nicht unbedingt rosige Aussichten: Die Umsatzentwicklung im laufenden Jahr werde sich nicht deutlich gegenüber dem Vorjahr verbessern, ist Andreas Schaller, Sprecher der Geschäftsführung beim Schuhhersteller Lloyd, überzeugt. Daran sei auch der fünf Monate dauernde Lockdown schuld. „Wenn unsere Geschäfte zu sind, wirkt sich das in unseren Umsätzen aus. Und wenn unsere Kunden zusätzlich keine Nachsortierungen vornehmen, schlägt sich das ebenfalls nieder.“ Man habe aber im vergangenen Jahr an der Kostenstruktur gearbeitet und einige Stellschrauben justiert. Nun gelte es, sich vor den Herausforderungen nicht wegzuducken: „Wir brauchen positive Energie und Aufbruchsstimmung. Die Vergangenheit beweinen nützt nichts – wir wollen vielmehr die Zukunft gestalten“, so Schaller.

 

Selektiver Vertrieb

Intensiv habe das Lloyd-Team in den zurückliegenden Monaten an einem Strategiekonzept gearbeitet, das unter anderem Maßnahmen im Marketing und in der Kollektionsentwicklung umfasst. So wurde etwa an einer Selektierung von Kollektion und Kundengruppen gearbeitet (Herrenschuhbereich: Basic und Premium sowie on Top das Segment „Image“; der Damenschuhbereich ist ausschließlich selektiv organisiert). Bereits in der neuen F/S 2022-Herrenkollektion bildet sich die Segmentierung ab. Ziel soll eine Stärkung der Marke insgesamt, aber auch eine deutlichere Positionierung im Premium-Segment sein. Um letztere sicherzustellen, habe das Produktmanagement, so Schaller, in den Kollektionen für Damen und Herren neue Impulse gesetzt. Für H/W 2022 sind Vereinbarungen mit den Kunden im Handel geplant, die die künftige Zusammenarbeit regeln sollen. Während der Basic-Bereich der Kollektion weiterhin allen Händlern zur Verfügung stehen soll, wünscht man sich im Premium-Segment ein gewisses Commitment der Händler, das auch vertraglich vereinbart wird. Die Veränderung in der Distribution sei, die „einzige Chance“, um den Premium-Charakter der Marke dem Konsumenten gegenüber zu erhalten. „Die Konsumentenorientierung steht bei uns an oberster Stelle. Wir müssen wissen, wie der Konsument tickt. Und wir wollen gemeinsam mit unseren Einzelhandelspartnern daran arbeiten“, erklärt Andreas Schaller. Die Frage, ob sich Lloyd mit der neuen Strategie nicht vielmehr vom Fachhandel unabhängig machen will, beantwortet der Geschäftsführer mit einem klaren „Nein! Wir wollen uns mit unseren Partnern aus Schubladen heraus begeben, in denen wir stecken und in denen wir uns nicht so recht wohlfühlen.“
Auch schon vor Corona sei Lloyd auf die Schublade „Business formell“ festgelegt gewesen. „Wir müssen aber durchgängig und langfristig funktionieren. Das bedeutet, dass wir die Kollektion anders ausrichten – in einer Form, wie man sie von Lloyd bisher nicht erwartet hat. Davon möchten wir unsere Fachhandelspartner überzeugen. Dabei helfen uns unsere eigenen Stores, denn die Erfahrungen, die wir dort sammeln, können wir im Austausch mit den Kunden nutzen. Wir wollen zudem alles daransetzen, den Wert unserer Schuhe auch in Richtung Endverbraucher verlässlich zu transportieren. Das kann bedeuten, dass in Zukunft nicht mehr alle Kunden mit allen Lloyd-Produkten beliefert werden.“ Er wolle verhindern, so Schaller, dass die Marke immer mehr „ausgesaugt“ werde, nur um damit Umsätze zu generieren.

 

Online-Business „auf Kurs“

Das Online-Geschäft von Lloyd hat sich nach Angaben von Andreas Schaller in den zurückliegenden Saisons sehr gut entwickelt. Aktuell sei auch stationär ein positiver Kurs erkennbar. Auf Basis von 2019 sehe man sich auch bei den eigenen Stores „auf einem guten Weg.“ Allerdings fielen einige Eröffnungen in den Lockdown, etwa am neuen Flughafen in Berlin im November 2020 oder in Wien im April 2021. „Da mussten wir durch“, sagt Schaller. Mit weiterhin schwierigen Bedingungen sei insbesondere an den Flughäfen zu rechnen. „Erst in fünf, sechs Jahren werden wir, so unsere Einschätzung, wieder Passagierzahlen auf dem Niveau der Vor-Corona-Zeit verzeichnen.“ Wichtig würden diese Standorte aus internationaler Sicht jedoch trotzdem bleiben. Spürbar sei zurzeit, dass die Nachsortierung vor allem aus dem Textilhandel merklich zunehme. Die Corona-bedingten Einbußen im Segment „Business“ und „Anlass“ hätten „wehgetan“, berichtet der Lloyd-Geschäftsführer. Vor allem im Textilhandel steige derzeit auch die Nachfrage nach diesen Produktgruppen. „Darauf setzen wir sehr“, betont Schaller.

Damenschuhe mit „deutlich mehr Kunden“

Im Damenschuhbereich freut sich der Sulinger Hersteller über positive Ergebnisse, wenngleich Corona einen gewissen „Bremseffekt“ verursacht habe. Man habe aber sowohl national als auch international „deutlich mehr Kunden“ für dieses Segment gewinnen können. Die neue Kollektion umfasst etwa 40 Modelle und 120 Varianten. Das Spektrum reicht von klassischen Loafern über neue Ballerinas bis hin zu Sneakern in diversen Ausführungen. Als neues Konzept präsentiert Lloyd zudem einen Schnürschuh/Sneaker-Hybriden mit Nullsohle und Fußbett. Abgerundet wird die Kollektion durch Espadrilles und Sandalenvarianten.

Herrenschuhe mit Innovationen

Im Herrenschuhsegment wartet das Unternehmen mit 55 bis 60 Modellen und bis zu 140 Varianten auf. Das Kreativteam setze alles daran, dass der Handel Carry-Over-Sortimente „wohltuend“ ergänzen könne, erklärt der Lloyd-Chef. Citygruppen präsentiert Lloyd vor diesem Hintergrund auch in neuen, sommerlichen Farben. Klassische Loafer werden neu und lässig interpretiert. Zahlreiche Sneaker-Varianten, darunter neue Cupsole-Modelle und Typen mit gestricktem Upper, runden das Kollektionsspektrum ab. Mit „FLX-TEC“ präsentiert das Unternehmen zudem eine nach eigenen Angaben „völlig neue Konstruktion“ mit sehr weichem Boden und etwas feinerer Sneaker-Silhouette. Neu sind in den Lloyd-Kollektionen vegane Kapseln sowie Produktgruppen unter dem Schlagwort „Sustainable“. Verarbeitet wird dabei unter anderem Seaqual, das aus Ozeanplastik gewonnen wird.

Herausfordernde Order F/S 2022

Die Orderrunde für F/S 2022 ist extrem herausfordernd, daran lässt der Chef des Sulinger Schuhherstellers keinen Zweifel. Dass Händler bei der Erstorder vorsichtig sind, könne er nachvollziehen und sagt, er rechne mit 20% Vororder-Minus: „Aber über die Nachsortierungen werden wir hoffentlich wieder einigermaßen vernünftige Umsätze erreichen.“ Darauf sei man vorbereitet, „denn es wäre fatal, wenn wir nicht liefern können, wenn der Kunde dies von uns erwartet.“ Mit dem neuen Move-Programm soll es möglich sein, jeweils 20 Damen- und zehn Herrenvarianten kurzfristig nachzuziehen. Zwar habe man sich keine fertigen Schuhe ans Lager gelegt, erläutert der Lloyd-Geschäftsführer. Jedoch habe man in großen Mengen Materialien eingekauft. Über die eigenen Produktionsstätten und optimierte Prozesse sei es möglich, schnell nachzusteuern und zu reagieren.

Revival für Business

Besonders formelle Ware sei derzeit nicht mehr stark im Markt vertreten – hier rechne er mit einer steigenden Nachfrage, erklärt Schaller. „Es wurde ja nichts mehr nachgekauft, obwohl immer ein wenig abgeflossen ist. Ich setze auf die Erkenntnis im Schuhhandel, dass hier nachgelegt werden muss. Der Nachholbedarf bei den Konsumenten ist deutlich spürbar, und er wird sicherlich noch bis Ende 2022 andauern.“ Das bedeute allerdings keine Rückkehr zu formeller Ware in dem Ausmaß, wie es vor Corona noch gewünscht war. „Business muss anders definiert und positioniert werden. Daran werden wir mit Hochdruck arbeiten. Wir stehen auch in Zukunft für Businessschuhe. Aber der Marktanteil wird nicht mehr so hoch sein.“ Diese Entwicklung habe schon vor Jahren begonnen, und man habe sich auch bei Lloyd zunächst schwergetan, die richtigen Antworten darauf zu finden. Personelle Veränderungen im Produktmanagement bei Damen und Herren und auch ein Generationswechsel in der Produktion hätten nun dazu geführt, dass die Kollektionen besser am Markt orientiert sein – aber: „Es stimmt, wir hätten schon viel früher in diese Richtung agieren müssen – aber besser spät als zu spät“.

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Christopher Mastalerz / 03.09.2021 - 13:00 Uhr

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