Der Schuhfachhandel in Deutschland steht vor tiefgreifenden Umbrüchen – und in vielen Fällen vor dem Aus. Davon ist Lloyd-Geschäftsführer Andreas Schaller überzeugt. Im Podcast der Trendakademie spricht er über strukturelle Schwächen der Branche und und mahnt Veränderungen an: „Wenn das nicht gelingt, gibt es in fünf Jahren den Schuhfachhandel bis auf ganz wenige Ausnahmen in Deutschland nicht mehr.“
Ein zentrales Problem sieht Schaller in der jahrzehntelang vernachlässigten Preisstrategie. „Viele in der Branche, insbesondere der Handel, haben nie ein aktives Preismanagement betrieben“, sagt er. Statt nachhaltiger Margenoptimierung habe der Fokus lange auf Mengenwachstum gelegen – ein Modell, das spätestens mit dem Aufstieg des Onlinehandels nicht mehr funktioniere. Die Folge: sinkende Renditen, fehlende Investitionskraft und eine schwindende Wertigkeit des Produkts Schuh beim Konsumenten.
Gleichzeitig fordert Schaller ein Umdenken beim Geschäftsmodell. Reine Schuhgeschäfte hätten an Relevanz verloren. „Ich bin der festen Überzeugung, dass Schuhe alleine einfach nicht mehr die Relevanz und die Sexyness entwickeln, wie das in der Vergangenheit der Fall war.“ Die Zukunft liege in ganzheitlichen Konzepten, bei denen Schuhe im Kontext von Mode präsentiert werden.
Lloyd selbst reagiert auf diese Entwicklung mit einer strategischen Neuausrichtung. Das Unternehmen will sich vom klassischen Schuhanbieter hin zu einer Lifestyle-Marke mit Textilien und einem emotional aufgeladenen Markenbild verändern. Mit dem Claim „Own the Moments“ soll die Marke international stärker positioniert werden. Ein neues Store-Konzept, das auch Bekleidung für Damen und Herren integriert, startet im September in der Mall of Berlin. Eine weitere Neueröffnung ist für den März 2027 in Frankfurt geplant. Dort wird ein 220 qm großer Store am Roßmarkt eröffnet.
Neben Sortiment und Markenführung sieht Schaller auch im stationären Handel selbst erheblichen Handlungsbedarf. Kundenservice und Einkaufserlebnis würden künftig über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. „Wenn es nur um Bedarfsdeckung geht, macht das der Kunde daheim im Wohnzimmer.“ Der stationäre Handel müsse daher mit Emotion, kompetentem Personal und echter Beratung überzeugen – auch wenn dies mit hohen Kosten verbunden sei.
Für die Branche bedeutet das: Ohne konsequente Transformation bei Preisgestaltung, Sortiment und Retail-Konzept droht laut dem Lloyd-Geschäftsführer ein weiterer Bedeutungsverlust. Oder, wie Schaller es formuliert: „Das Kind ist im Brunnen. Und der Brunnen ist tief.“