Die Zahl muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. An einem einzigen Tag, dem 12. Juli 2016, verkaufte der Online-Gigant Amazon 275.000 Paar Schuhe. Drei Paar pro Sekunde. Warum? Es war
Prime Day, und Amazon warb mit Rabatten ohne Ende, produktgruppenübergreifend. Prime-Mitglieder konnten an diesem Tag CDs zum Schnäppchenpreis kaufen, drastisch reduzierte elektrische Zahnbürsten, wenn sie wollten, vielleicht auch die Tefal Edelstahl-Pfanne by Jamie Oliver. Und eben – Schuhe.
Am bislang erfolgreichsten Prime Day in Deutschland gingen insgesamt mehr als 7 Mio. Produkte über die virtuelle Ladentheke; mehr als an den ebenfalls berühmt-berüchtigten Schnäppchen-Schlachten Cyber Monday und Black Friday. Und immerhin 1,6 Mio. Produkte mehr als beim letzten Prime Day im
Dezember 2015.
Die beeindruckende Zahl an Schuhen, die allein an diesem Tag von deutschen Prime-Kunden gekauft wurde, legt den Schluss nahe, dass es hierzulande um die Kauflust hinsichtlich neuer Fußbekleidung ganz so schlecht nicht stehen kann. Es gibt also durchaus Interesse am neuen Schuh. Allein – kräftig reduziert muss er sein. Ganz offensichtlich erzielen die allseits bekannten „20% auf alles“-Lockrufe, die auch in diesem Jahr wieder seit Wochen auf den Schaufenstern prangen, nicht mehr die erwünschte Wirkung. Wenn der deutsche Kunde Schuhe kauft, dann müssen also schon 50 bis 70% Preisnachlass drin sein.
Satte Rabatte wirken
Selbstverständlich muss der Vollständigkeit halber erwähnt werden, dass es zwar beim Prime Day Reduzierungen von bis zu 70% gab, letztlich jedoch bei weitem nicht alle Produkte mit derart starken Nachlässen verkauft wurden. Gleichwohl dürfte allein die Idee vom Paar Schuhe für die Hälfte des regulären Preises ihre verlockende Wirkung bei den Verbrauchern gehabt haben.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang noch eine weitere Information. Laut Amazon haben noch nie so viele Händler am Aktionstag teilgenommen wie an diesem 12. Juli – mehr als doppelt so viele wie vor einem Jahr. Sie alle haben Anteil an den 275.000 Paar. Und damit ihre Bestände womöglich erheblich reduziert. Was in Zeiten rückläufiger Frequenz allemal ein erstrebenswerter Effekt ist.
Jetzt könnte man trefflich darüber spekulieren, wie profitabel das Prime Day Geschäft für die beteiligten Händler war. Auch Überlegungen hinsichtlich der zu erwartenden Retourenquote kann man anstellen. Und womöglich auch darüber nachdenken, ob die veröffentlichte Verkaufszahl überhaupt stimmt. Fest steht: Die Kunden, die sich beim Schnäppchentag des Online Pure Players mit neuen Pumps und Sandalen eindeckten, werden demnnächst vermutlich nicht durch die Schuhgeschäfte in deutschen Städten flanieren – Stichwort Frequenz. Und der nächste Prime Day, das ist
sicher, kommt bestimmt.
Kommentar aus schuhkurier 29/2016