Im Streit um die Trassenführung der geplanten Drei-Städte-Tram im Großraum Nürnberg hat sich Adidas offenbar durchgesetzt. Wie der zuständige Zweckverband mitteilte, wird der ursprünglich beschlossene Streckenverlauf geändert. Hintergrund ist die Kritik des Unternehmens, dass die bisherige Planung den Adidas-Campus in Herzogenaurach durchschnitten hätte.
Adidas werde die weitere Planung unterstützen und sich an den Investitions- und Betriebskosten der geänderten Streckenführung „maßgeblich“ beteiligen, hieß es vom Zweckverband. Konzernchef Björn Gulden wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert: „Wir haben gemeinsam eine sehr gute Lösung gefunden. Der einzigartige adidas Campus bleibt erhalten.“
Zuvor hatte es Berichte über ein angespanntes Schlichtungsgespräch gegeben, an dem unter anderem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Gulden teilgenommen haben sollen. Demnach sei es zu einem Eklat gekommen, in dessen Verlauf Gulden mit einer Verlagerung von Teilen der Konzernzentrale gedroht habe. Adidas wies diese Darstellung als „nicht korrekt“ zurück.
Die Stadt-Umland-Bahn (StUB) soll Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach verbinden. Ein Baubeginn ist frühestens für 2028 vorgesehen. Die Kosten des Projekts werden auf rund 640 Mio. Euro geschätzt, 90 % davon tragen Bund und Land. Für Herzogenaurach als Sitz der international tätigen Unternehmen Adidas, Puma und Schaeffler bedeutet die Anbindung einen infrastrukturellen Meilenstein – bislang ist die Stadt lediglich über Buslinien angebunden.
Das Großprojekt ist seit Jahren umstritten. In einem Bürgerentscheid in Erlangen stimmten 2024 52,4 % für den Bau, 47,6 % dagegen. Die knappe Entscheidung spiegelt die intensive Debatte um das Infrastrukturvorhaben wider, das als wichtiger Impuls für die wirtschaftliche Entwicklung der Metropolregion gilt. Neben dem Adidas-Campus soll auch der Siemens-Campus im Erlanger Süden angebunden werden, wo bereits rund 15.000 Menschen arbeiten.