American Tourister (AT) gehört bereits seit 1993 zum Samsonite-Konzern. Doch während die Marke in Asien schon lange eine bedeutende Rolle spielt, wurde sie in Europa erst vor kurzem aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Im vergangenen Jahr setzte Samsonite mit AT in dieser Region knapp 64 Mio. US-Dollar um – ein Plus von 88 Prozent. Allein in Deutschland verfünffachte sich der Umsatz. Als Einstiegsmarke im Fachhandel positioniert, sieht Dirk Schmidinger, General Manager Samsonite Deutschland, Potenzial für weiteres Wachstum.
“Wer die Marke führt, hebt besonders den frischen Wind für eine jüngere Zielgruppe hervor.” Für Dirk Schmidinger steht daher außer Frage, dass American Tourister beim Kampf um die begehrten Reisegepäck-Flächen im Fachhandel Chancen hat. Derzeit führen rund 350 Kunden die Marke in Deutschland. Knapp 40 Händler präsentieren sie innerhalb eines Shop-Systems, das Samsonite im vergangenen Jahr vorgestellt hat. Einen Platz im Sortiment sieht Schmidinger bei insgesamt bei rund 500 Händlern.
American Tourister: Kampf mit der Geschichte
AT leidet in Europa und vor allem in Deutschland unter seiner Vergangenheit. Die Marke wurde über die Großfläche distribuiert. Vor allem in Frankreich seien die in den Hypermarkets erzielten Umsätze zwar “nicht so schlecht” gewesen, führt Schmidinger aus. “Aber aus dem Fachhandel war der Name komplett verschwunden. Wir kämpfen daher ein wenig mit unserer Geschichte.” In Asien dagegen habe sich American Tourister als Marke für die dort wachsende Mittelschicht etabliert. Der Unterschied: “In Europa kann sich diese Kundengruppe Samsonite leisten.”
American Tourister wird hierzulande daher als “Einstiegsmarke” speziell auch für junge Leute positioniert. “Der Preispunkt zwischen 80 und 150 Euro für eine Marke ist im Handel offen und in der Regel mit No Names und Eigenimporten besetzt”, ist Schmidinger überzeugt. In dieser Strategie spielt die Optik eine herausgehobene Rolle. Charakteristisch für die Marke sind Linien, die oft in vielen Knallfarben angeboten werden. Schmidinger: “AT ist jung und frisch. Es sind zum Teil Produkte, die einen Fashion Touch vermitteln sollen.”Dass junge Kunden ihren Koffer automatisch im Internet bestellen, bezweifelt Schmidinger im Übrigen. Seine Überlegung: “Wann kaufen sich Kunden überhaupt erstmals selbst einen Koffer? Mit 25 Jahren? Und machen sie das dann direkt online? Oder geht man dafür nicht doch lieber ins Geschäft?”
Doch Schmidinger räumt nicht nur etwaige Befürchtungen vor der Internet-Konkurrenz unter damit verbundenen Sorgen um die Marge aus dem Weg. “Der Handel reagiert im unteren Preisbereich generell zu sensibel auf zehn Euro Preisunterschied”, erläutert der Samsonite-Chef. “Lieber verkauft er einen günstigeren Koffer, der zugegebenermaßen funktional ebenso viel kann wie das teurere Modell. Dabei werden allerdings Marke und Design als Mehrwerte für den Kunden völlig außer Acht gelassen.”
American Tourister mit Radiowerbung
Um American Tourister als Marke zu stärken, startet im Mai daher auch eine Marketing-Kampagne im siebenstelligen Bereich. Sie umfasst neben Außenplakaten oder Social-Media-Aktivitäten erstmals auch Radiowerbung. Schmidinger ist auf die Resonanz gespannt: “Mal sehen, wie sich die Frequenz im Handel entwickelt.”