Sie schildern, dass das Online-Business für Sie besser läuft als das stationäre. Lässt sich das so interpretieren, dass Sie die derzeit herrschende Konsumzurückhaltung weniger stark wahrnehmen, weil die Frauen zwar nicht unbedingt in die Stadt gehen, aber dennoch – eben online – kaufen?
Ich glaube, das Thema ist weniger finanzieller als emotionaler Natur. Unsere Kundin kann sich nach wie vor ein Paar Schuhe für 300 Euro leisten. Aber sie wird permanent mit negativen Nachrichten konfrontiert, und das beeinflusst ihr Kaufverhalten. Sie konsumiert insgesamt etwas weniger Mode. Gleichzeitig sehen wir eine Verlagerung in Richtung Onlinehandel. Die Frequenzen in den Innenstäd-ten sind deutlich schwächer als früher. Online investieren wir gezielt in Marketing und erzielen damit Wachstum. Deshalb glaube ich langfristig an eine weitere Verschiebung hin zum Onlinegeschäft. Und in dieser Hinsicht tun sich Hersteller leichter als Händler. Wir können ausschließlich in unsere Marke investieren, das ist einfacher als die Situation eines Multibrand-Handlers. In jedem Fall ist es aber mit erheblichen Investitionen verbunden.
Sehen Sie im Hinblick auf den Konsum ein Licht am Ende des Tunnels?
Nein, das sehe ich derzeit nicht. Wir müssen weiter auf Sicht fahren. Es wäre falsch, sich einfach hinzusetzen und darauf zu hoffen, dass alles von selbst wieder besser wird. Jedes Unternehmen muss sich vielmehr überlegen, welche Maßnahmen notwendig sind, um sich weiterzuentwickeln und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Verändert der sinkende Wholesale-Anteil auch Ihre Messestrategie?
Grundsätzlich bleiben wir unserer Strategie treu. Während der Düsseldorfer Fashion Week zeigen wir die Kollektion im eigenen Showroom, anschließend sind wir auf der Supreme in München vertreten. International setzen wir weiterhin auf die Micam, die White in Mailand sowie Paris. Außerdem stellen wir wieder in New York aus. Das ist zwar ein großes Investment, aber notwendig. Wenn wir dort nicht präsent sind, verlieren wir Sichtbarkeit und Kontakte. Gerade in anspruchsvollen Zeiten müssen wir aktiv bleiben.
Woran liegt es denn bei Kennel & Schmenger, dass das Onlinegeschäft so gut funktioniert? Haben Sie viele Stammkundinnen und ist die Passform der Schuhe besonders gut?
Man muss akzeptieren, dass Schuhe online mit einer gewissen Retourenquote verbunden sind. Wir liegen knapp unter 50 %, was für ein modisches Produkt absolut im Rahmen ist. Wir bedienen in ers-ter Linie eine Stammkundin. Wer einmal Kennel & Schmenger gekauft hat, kauft häufig wieder. Aber trotzdem bestellt die Kundin zwei oder drei Paar und retourniert einen Teil. Damit muss man rechnen. Ich glaube nicht, dass wir Passform besser können als andere. Wir können nicht jeden Fuß bedienen. Aber für unsere Kundin bieten wir ein verlässliches Produkt mit hohem Wiedererkennungswert.
Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus der positiven Entwicklung online für Ihr Filialnetz?
Wir überprüfen unsere Standorte laufend. Wo wir keine Entwicklung sehen, müssen wir Konsequenzen ziehen. Von Augsburg und Aachen haben wir uns leider vor Kurzem verabschieden müssen. Gleichzeitig investieren wir weiter in funktionierende Standorte und modernisieren sie. Zuletzt haben wir Wiesbaden komplett neu gestaltet, aktuell wird ein Outlet in Radolfzell modernisiert. Wir eröffnen keine neuen Filialen, investieren aber gezielt in die bestehenden.
Welche Märkte entwickeln sich im Moment gut?
Ganz ehrlich: keiner. Früher konnte man schwächere Märkte durch stärkere kompensieren. Heute erleben wir eine globale Krise. Es gibt aktuell keinen einfachen Markt. Das ist sehr bedauerlich, aber wir müssen damit umgehen. Wir arbeiten mit großem Einsatz daran, neue Möglichkeiten zu finden und Umsätze zu generieren. Wir geben nicht auf. Der Aufwand wird aber eher größer als kleiner.