Es sah nicht gut aus. Nicht wenige hatten das Ende vor den Augen. Die zurückliegende GDS könnte die letzte sein, wurde schon Wochen vor der Veranstaltung gemunkelt. Und so waren die Erwartungen, als am 26. Juli die GDS ihre Pforten öffnete, durchweg gering. Es kam dann auch wie befürchtet. Unterm Strich stand nach drei Tagen eine ernüchternde Zahl: Nur 12.500 Besucher kamen, um sich über die neuen Kollektionen zu informieren. Der Messebeirat hatte die wenig erbauliche Aufgabe darüber zu befinden, ob damit das Glas noch halb voll oder doch schon halb leer ist. Weiter machen wie bisher oder den Stecker ziehen? Keine Alternativen mit hohem Spaßfaktor. Was also tun?
In dieser eher trostlosen Gemengelage zwischen Ratlosigkeit, Frust und Resignation baute sich am letzten GDS-Tag allerdings eine interessante Gegenbewegung auf. Deren Grundrauschen war auch im schuhkurier-Messeabschlussgespräch mit Händlern und Ausstellern deutlich spürbar. ’Wir brauchen eine Branchenplattform‘, so der Tenor dieser Bewegung. Ganz gleich wie – die GDS muss erhalten werden, darin herrschte unter den Gesprächsteilnehmern Einigkeit.
Einigkeit? Allein das ist schon bemerkenswert. Denn zu denen, die sich da im Sinne der GDS zusammengefunden hatten, gehören etliche, die die Veranstaltung im Vorfeld ganz emotionslos schon vor dem Ende gesehen hatten. Nun aber entstand als Ergebnis vieler Gespräche die Überzeugung, dass man gemeinsam daran arbeiten muss, eine überregionale, verbundgruppenneutrale, professionelle und moderne Plattform für die gesamte Branche erhalten muss – als Basis für den Informationsaustausch, als Messe für die neuen Kollektionen, vielleicht außerdem auch als begleitender Workshop für Verkäuferinnen, als Kongress mit Vorträgen – kurzum als Event mit allen Facetten, die für unsere Branche wichtig sind.
Wem angesichts dieses neu gefundenen Konsens der Gedanke durch den Kopf geht, all dies doch schon vor einigen Saisons erlebt zu haben, als die Messe mit neuem Termin und neuem Konzept an den Start ging, der liegt nicht ganz falsch. Vielleicht war die Kraftanstrengung für den Erhalt der GDS seinerzeit noch nicht groß genug. Vielleicht musste das Ende erst greifbar sein, um wirklich an einem neuen Anfang zu arbeiten. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass keiner der Branchenteilnehmer, die sich jetzt über ein neues Konzept für die Messe Gedanken machen, ein unrealistischer Träumer ist. An den Überlegungen beteiligt sind ausschließlich Geschäftsleute und Experten, die sehr wohl wissen, wann eine Idee nicht funktioniert und wann ein Konzept nicht tragbar ist. Gleichwohl verdient es Anerkennung, dass hier gemeinsam nach einem neuen Weg gesucht wird, um die GDS wieder mit Leben zu füllen. In wenigen Wochen sollen konkrete Maßnahmen beschlossen und verkündet werden. Schon zur nächsten Messe soll sich zeigen, ob dieser Weg richtig ist.
Wenn man ganz unten ist, geht es nur noch aufwärts. Vielleicht trifft das auch auf die Schuhmesse in Düsseldorf zu. Wir werden sehen.
Kommentar aus schuhkurier Ausgabe 31/2016