Mücke bleibt also. Für den vom ANWR-Vorstand skizzierten Entwicklungsrahmen der Mücke-Gruppe als Tochterunternehmen der Verbundgruppe gab es anlässlich der Generalversammlung in Rotterdam 197 Stimmen. Mit „Nein“ stimmten 49 Genossen. Damit bleibt der bayerische Filialist zu 100% Bestandteil des ANWR-Verbundes.
Vorausgegangen war der Entscheidung ein umfassender Bericht des Vorstandsmitglieds Frank Schuffelen, der zugleich auch Mitglied der Mücke-Geschäftsführung ist.
Absichtserklärungen „weit hinter unseren Erwartungen“
Schuffelen verwies in seinen Ausführungen darauf, dass die erforderliche 74,9%-ige Beteiligung der ANWR-Mitglieder nicht zustande gekommen war. Mitglieder im In- und Ausland waren nach ihrer Beteiligungsabsicht gefragt worden. „Das Ergebnis der Rückmeldung lag bedauerlicherweise weit hinter unseren Erwartungen zurück“, so Schuffelen.
Von den fast 1.000 deutschen Mitgliedern hatten 56% keinerlei Erklärung abgegeben. 19% sprachen sich explizit gegen eine Beteiligung aus. Lediglich 25% äußerten die Absicht, Aktien an der Mücke-Gruppe zeichnen zu wollen. Auf diese Rückmeldungen entfallen rund 2.300 Stammaktien und 1.000 Vorzugsaktien zu je 1.000 Euro. Schuffelen: „Damit liegen Zeichnungsabsichten für Aktien im Gegenwert von etwas mehr als 3 Mio. Euro vor“ – was einer Beteiligungsquote von unter 10% entsprochen hätte.
Die Mitgliedsunternehmen haben nach Angaben Schuffelens mit unterschiedlichen Begründungen von einer Zeichnung Abstand genommen. Vorstand und Aufsichtsrat hätten im Anschluss Anfang Mai über Konsequenzen und Optionen beraten. Man sei zu dem Ergebnis gekommen, dass „ein Verbleib der Mücke-Gruppe im ANWR-Verbund (…) den Mitgliedern und der ANWR deutlich mehr Chancen als Risiken (bietet).“
Aus diesen Überlegungen entstand ein umfangreicher Entwicklungsrahmen, innerhalb dessen der Kulmbacher Filialist als Bestandteil der ANWR fortgeführt werden soll. Bis 2020 soll der Vorstand dadurch die Möglichkeit haben, das Unternehmen weiter zu entwickeln und verschiedene technische Möglichkeiten zu testen, die späterhin den ANWR-Mitgliedern bereitgestellt werden sollen.
Diskussion über die Ziele der Verbundgruppe
Zahlreiche Händler nutzten im Rahmen der Generalversammlung die Gelegenheit, Fragen zum Thema zu stellen und Anmerkungen zu machen.
Dabei interessierte die Händler unter anderem die Frage, inwieweit eine Expansion von Mücke vorgesehen ist. Hierzu gab es kritische Stimmen. Eine Expansion in großem Rahmen ist nach Angaben des ANWR-Vorstands nicht geplant, wohl aber sei es erforderlich, auf bestimmte Bedingungen flexibel reagieren zu können, etwa, wenn in der Nachbarschaft eines Standortes eine weitere Fläche angeboten werde. Günter Althaus: „Unser Ziel bei Mücke ist nicht die Expansion. Wir brauchen aber Beinfreiheit und müssen beweglich sein.“ Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Jürgen Robers unterstrich: „Wir haben uns gemeinsam bewusst gegen eine Expansion entschieden. Es sind keine weiteren Filialen vorgesehen.“
Auch die Hauspreispolitik von Mücke stand zur Diskussion. Mücke bietet ein dreigleisiges Angebot: Ein Teil des Sortiments wird zu UVP verkauft, ein weiterer Teil mit der so genannten ’Sockenzugabe‘. Die dritte Säule sind die Hauspreise, die um etwa 10 bis 15% unter den üblichen Preisen liegen. Man habe, so Frank Schuffelen, einige Fabrikate aus dem Hauspreis-Bereich in die UVP überführt, jedoch festgestellt: „Das kostet Ertrag!“ Das bestehende Preismodell von Mücke sei ein wesentliches Element für den Erfolg. Daher soll es laut Schuffelen beibehalten werden – auch im Internet sollen die Preise von Mücke entsprechend dargestellt werden.
Aus dem Kreis der Genossen kam auch die Frage, ob ein Mitglieder-Beirat gegründet werden könne, der die Maßnahmen der Mücke-Geschäftsführung begleitet. Diesem Ansinnen wurde seitens des Vorstandes allerdings eine Absage erteilt. Man habe diese Frage diskutiert, so Althaus. Jedoch sei man der Meinung, dass die Informationsdichte durch einen Beirat nicht höher werde. Man lege großen Wert darauf, dass die Mitgliedsunternehmen über die Entwicklung von Mücke regelmäßig und ausführlich während der Generalversammlungen informiert werden. Zugleich sollen die Vorteile, die man sich auf dem Weg in die Digitalisierung speziell von Mücke verspricht, für die ANWR-Mitglieder bereits nutzbar werden. Zudem soll im Jahr 2020 detailliert rekapituliert werden, welche Schritte das Unternehmen vollzogen hat. Dann soll über die weitere Zukunft wieder neu entschieden werden.
Die Mitglieder interessierten sich auch für die Frage, wie lange Thomas Mücke noch in der Verantwortung für den Filialisten bleibt. Frank Schuffelen erläuterte, dass Mücke zum Ende dieses Jahres aus der Unternehmensführung ausscheiden werde. Bereits seit dem 1. Januar 2015 verstärkt Inge Schardt mit Verantwortung für den Einkauf die Geschäftsführung. Frank Schuffelen ist für den Finanzbereich verantwortlich. Man habe sich in den zurückliegenden Jahren sukzessive auf das Ausscheiden von Thomas Mücke vorbereitet, so Frank Schuffelen. Zunehmend sei in den von Mücke verantworteten Bereichen Einkauf, Filialentwicklung und Expansion neue Kompetenzen nachgerückt. Auch in der Ebene unterhalb der Geschäftsführung gebe es inzwischen drei Prokuristen, die weitere Funktionen übernehmen sollen.
Weitere Informationen zum Thema sowie die wichigsten Fragen und Antworten zur Mücke-Thematik lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 25.