Aktuell gibt es große Probleme bei der Beschaffung von Schuhen aus Fernost. Ist das eine Chance für Lieferanten mit Produktion in Portugal?
Friedrich Lüning: Apple of Eden hat sehr früh erkannt, dass eine Produktion in Europa stark an Bedeutung gewinnen wird. Trotzdem sind europäische Hersteller natürlich ebenso von den Lieferketten der Materialien und Komponenten abhängig.
Nelson Gomes: Momentan gibt es eine steigende Produktionsnachfrage in Portugal von Marken, die vorher in Vietnam oder Indien aktiv waren. Als langjähriger und zuverlässiger Partner unserer Hersteller befinden wir uns in einer guten Situation. Täglich vor Ort zu arbeiten und die gleiche Sprache zu sprechen, sind große Wettbewerbsvorteile – insbesondere wenn es um kurzfristige Nachliefermöglichkeiten geht.
Stichwort Nachorder: Werden die Themen Geschwindigkeit und Nachlieferfähigkeit in Zukunft noch wichtiger?
Friedrich Lüning: Für Apple of Eden war das schon immer ein wichtiger Baustein. Service steht bei uns ganz weit oben auf der Agenda. Wir raten unseren Kunden zu einer moderaten Erstorder zu einem frühen Liefertermin, um dann die guten Artikel nachbestellen zu können. Das Ergebnis sind gute Zahlen am Saisonende. Wir halten nichts von kontraproduktiven Frühorderrabatten, die sich oft als Fehlinvestition am Saisonende herausstellen, weil sie nicht erfolgreich waren und sich der anfängliche Vorteil zum Nachteil in der Kalkulation entwickelt hat.
Muss sich der Schuhhandel neu erfinden?
Friedrich Lüning: Es würde dem Schuhhandel sehr gut tun, nicht da weiterzumachen, wo er vor der Pandemie gestanden hat. Allerdings ist die Hoffnung nicht allzu groß, dass das wirklich gelingen kann. Das fängt an beim Ladenbau: Wer glaubt, mit vollgestellten Regalen die Kundinnen anlocken und Lust auf Schuhe machen zu können, irrt. Ambiente darf aber nicht nur in der Gastronomie oder Hotellerie stattfinden. Coole Schuhgeschäfte findet man eher selten. Der Schuhhandel hat in puncto Atmosphäre viel nachzuholen. Eine Veränderung ist zumindest bis heute nicht feststellbar.
Welches Fazit können Sie für die Orderrunde F/S 2022 ziehen?
Friedrich Lüning: Wir sind mit den Ergebnissen hoch zufrieden. Unter Berücksichtigung der pandemiebedingten Lagerbestände im Schuhhandel hatten wir keine Umsatzsteigerung zu F/S 2021 geplant. Wir sind aber der Vergleichssaison schon sehr Nahe gekommen und erwarten noch Nachbestellungen, welche uns in der F/S 21-Saison gefehlt haben. Erfreulich ist die Zunahme von Neukunden aus dem Schuh- und Textilhandel. Der Bekanntheitsgrad von Apple of Eden hat während der Pandemie doch deutlich zugenommen.
Was sind die nächsten Schritte für Apple of Eden?
Nelson Gomes: Wir wollen unseren Traum weiterverfolgen, Schuhe zu gestalten, denen unsere Kundinnen nicht widerstehen können. Daran arbeitet das gesamte Team in der Zentrale und vor Ort jeden Tag aufs Neue. Unser Ziel ist es, Schritt für Schritt neue Märkte zu erschließen und Apple of Eden nicht nur in Europa bekannter zu machen. Mit unserem stetigen Wachstum werden die Ansprüche an die Marke größer. Deshalb bauen wir das Team kontinuierlich aus. Wir wollen jeden Tag besser werden, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden.
Wie wird sich die Kollektion modisch weiterentwickeln?
Friedrich Lüning: Die letzten Monate machen uns Mut, noch modischer und eigenständiger zu werden. Natürlich wird es nicht leichter, sich abzusetzen, wenn man im Mainstream-Markt aktiv ist. Wir sind mit unseren Ideen oft weiter als die Endverbraucherinnen oder Kundinnen. Einiges entwickelt sich erst in späteren Saisons zu Bestsellern. Wenn wir an eine Richtung glauben, bleiben wir aber dabei und geben nicht so schnell auf. Der Markt bietet momentan Möglichkeiten, weil einige bekannte Marken den Schuhhandel nicht mehr mit den Artikeln beliefern wollen, die dieser gerne haben möchte. Da gibt es Chancen, sich mit einer Marke abzusetzen, die nicht in jedem Schaufenster im Umkreis zu sehen ist.