Von der neuen Bundesregierung erwarten der HDS/L und die Unternehmen der Schuh- und Lederwarenindustrie vor allem Wachstumsimpulse und, dass nun zügig die drängenden Reformen angepackt werden. Zudem ist gerade in einem international unsicheren Umfeld im Außenhandel und Zollbereich Planungssicherheit bei inländischen Rahmenbedingungen erforderlich, um wieder die Investitionsbereitschaft in den Standort Deutschland zu fördern. Auch beim lang versprochenen Bürokratieabbau müssen endlich Taten folgen. Bürokratiebelastungen sind für unsere Mitgliedsunternehmen jeden Tag spürbar. Die Erfüllung von bürokratischen Berichts-, Informations- oder Dokumentationspflichten bindet immer mehr Ressourcen und beansprucht Zeit, die zur Erfüllung des Kerngeschäfts fehlt. Die Unternehmen aller Größen sind auf einen effizienten, übersichtlichen und möglichst einheitlichen Rechtsrahmen angewiesen, denn unnötige Bürokratie kostet Zeit und Geld, hemmt Innovationen und wirkt als Standortnachteil. Hierfür ist es auch notwendig, viele
schon in der Vergangenheit gestellte Forderungen endlich umzusetzen. Dies gilt ebenso für Vorhaben der letzten Bundesregierung, die eine Entlastung i. H. v. 10 Mrd. Euro versprochen hätten, vom Bundestag jedoch nicht mehr verabschiedet wurden. Die neue Bundesregierung muss zügig handeln und den Bürokratieabbau entschlossen vorantreiben. Es ist zu begrüßen, dass sich im Koalitionsvertrag von Union und SPD zahlreiche Vorschläge finden, wie diese Belastung zu reduzieren ist.
Die deutsche Schuhindustrie ist auf einen regelbasierten Welthandel angewiesen. Deswegen braucht es dringend Freihandelsabkommen. Auch für die USA braucht es eine Lösung, um einen Zollkrieg der EU mit den USA abzuwenden. Neben der dringenden Verbesserung und dem Ausbau der Infrastruktur, sowohl der analogen wie der digitalen, sind auch Reformen der Sozialsysteme überfällig. Dazu gehören Anreize für längere Beschäftigung, Betonung des Subsidiaritätsprinzips und ordnungspolitisch keine staatliche Lohnfestsetzung. Das Aushandeln von Löhnen und Gehältern sollte wieder den Tarifpar-
teien überlassen werden. Wettbewerbsverzerrungen durch den Direktversand über Anbieter aus Nicht-EU-Staaten, wie Temu und Shein, die im Jahr 2024 über 4 Mrd. Pakete aus China direkt an Verbraucher in Deutschland und der EU versandt haben, gefährden unsere Unternehmen und schaden den Verbrauchern.
Diese versandten Produkte erfüllen oft nicht die europäischen Anforderungen an Produktsicherheit, Verbraucherrechte sowie menschenrechtliche und ökologische Sorgfalt und sind laut EU-Kommission zu zwei Dritteln zollrechtlich falsch deklariert. Der Zoll ist mit der Flut von Paketen überfordert. Untersuchungen zeigen, dass der Großteil der gelieferten Produkte gegen das Chemikalienrecht verstoßen. Dies offenbart massive Defizite bei der Durchsetzung geltenden Rechts. Es ist dringend notwendig, wieder gleiche Wettbewerbsbedingungen herzustellen sowie den Verbraucher- und Umweltschutz zu gewährleisten. Dies erfordert eine konsequente Rechtsdurchsetzung und Maßnahmen zur Kontrolle der Importe.