Herausforderungen wurden an dieser Stelle schon reichlich besprochen. Es mangelt nicht an Aufgaben für jedes einzelne Unternehmen unserer Branche. Vielleicht die größte ist ein frappierender Mangel an Planungssicherheit, der jeden einzelnen Player im Markt betrifft, sei es der kleinere Händler mit Platzhirsch-Charakter oder der große Filialist.
Der Mönchengladbacher Schuhhändler Heinz W. Siemes stand unserer Redaktion Ende letzten Jahres für ein Interview zur Verfügung. Und auch er sprach davon, dass es „Planungshorizonte von fünf oder gar zehn Jahren“ heute schlichtweg nicht mehr gebe. Man müsse sich also für verschiedene Szenarien wappnen. Und das wiederum muss man sich leisten können.
Eine Branche fährt auf Sicht und startet in ein neues Jahr, das allerlei Unwägbarkeiten bereithalten dürfte. Und die ersten Hürden sind schon in den nächsten Wochen zu nehmen. In Riva fällt der offizielle Startschuss für die neue Orderrunde und eine der großen Fragen wird sein, wie innovativ sich die neuen Angebote der Industrie präsentieren. Haben die Lieferanten den Mut für echte Neuentwicklungen? Darauf folgt die nächste Frage: Wird der Handel diese Angebote annehmen und neue Themen aufgreifen? Falls ja, hätte die Industrie bereits ein Stück Planungssicherheit gewonnen, während der Handel die Bewährungsprobe noch vor sich hat: Dann nämlich, wenn die Saison H/W 2019/20 startet und der Verbraucher quasi mit den Füßen darüber abstimmen wird, ob die neue Ware in den Geschäften seinen Wünschen und Ansprüchen entspricht oder nicht. Und vor dem Winter kommt noch der Sommer, dessen Dauer, wie wir inzwischen wissen, von quälender Länge sein kann. Neben der zunehmend schwindenden Planungssicherheit beklagt Heinz W. Siemes im Interview mit schuhkurier auch eine steigende Unzuverlässigkeit in unserem Business. Wahrscheinlich gehören beide Aspekte sogar zusammen. Je höher der Druck, desto mehr Wege sucht man, um ihm zu entgehen. Zur Not auch auf Kosten des Geschäftspartners. Da werden Absprachen, die für lange Zeit galten, über Bord geworfen und einfach mal neue Regeln aufgestellt – die dann nicht immer im Sinne einer gleichberechtigten Zusammenarbeit sind. Ganz nach dem Motto: Was soll’s – wir müssen schließlich an uns selber denken. So führt die Verunsicherung über die künftige Entwicklung des Geschäfts unweigerlich zu einem Verlust an Vertrauen zwischen den Beteiligten. Kann das sein? Und vor allem: Darf das sein? Müsste nicht gerade jetzt ein deutliches Zusammenrücken spürbar sein? Wann, wenn nicht jetzt? Vielleicht ein Aspekt, der zu Beginn des neuen Jahres durchdacht werden sollte. Von allen, die in dieser Branche tätig sind.