Ist Tageslicht ein Muss?
Früher waren viele Wände ausschlaggebend, um dem Warendruck Stand zu halten. Heute geht es nicht mehr um die Unterbringung großer Produktmengen, sondern um Inszenierung. Da man das Stadtbild, die Jahreszeiten und den Tageszeitwechsel dabei idealerweise einbezieht, ist Tageslicht ein wichtiges Element. Berühmte Vorbilder sind hier übrigens die großen französischen Warenhäuser wie La Samaritaine.
Wie beurteilen Sie Farbe im Store Design?
Natürlich gibt es tolle farbliche Konzepte – beim Modehaus Garhammer in Waldkirchen haben wir beim jüngsten Umbau beispielsweise auf kraftvolle Farben gesetzt. Doch Farbe allein ist meiner Meinung nach kein Erkennungsmerkmal. Es geht um das Zusammenspiel von Form, Farbe und Material. Wir entwickeln oft Konzepte, bei denen viele Naturmaterialien zum Einsatz kommen und wir bewusst auf Brüche setzen, wenn wir etwa glattgeschliffene Edelstahlflächen mit Naturstein konfrontieren.
Nachhaltigkeit, Upcycling, Integration von Bestand, digitale Aufladung, inklusive Inszenierung – die Themen, die Sie bisher ansprachen, haben eher mit Bewusstsein als mit Dekoration zu tun. Ist die Zeit vorbei, da sich das Storedesign an Inspirationsthemen wie zum Beispiel „Wohnzimmer“ orientierte?
Im Moment beobachte ich, dass alles eher ein bisschen überdesignt und überdekoriert ist. Manchmal überwältigt mich der visuelle Eindruck im ersten Moment. Dann stelle ich mir die Frage, wie lange kann und möchte ich das tatsächlich anschauen? Wir sind Verfechter klarer Strukturen und Designaussagen und arbeiten situativ mit Teppichen, Sitzgruppen und ähnlichem. Ich finde, es kommt auf den richtigen Mix von Elementen an, die beständig sind, und jenen, die dem Wandel unterliegen.
Wie findet man zum richtigen Design-Konzept in der richtigen Ausprägung?
Wir halten es für essenziell, dass ein Haus die DNA des Unternehmens eindeutig verkörpert. Um hier unsere Bauherren optimal zu unterstützen, haben wir mit der Design Strategy einen neuen Bereich aufgebaut. Blocher Partners Sens entwickelt mit allen Nutzern zusammen in einem co-kreativen Prozess im Grunde das Briefing, weshalb wir hier auch von Leistungsphase Null sprechen. Worauf es in unseren Augen künftig ankommt? Das ist, sich abzuheben und gleichzeitig sich selbst treu zu bleiben. Das wird die große Aufgabe sein.