Handel ist Wandel – das gilt vor allem für den Schuhhandel. Und es bewahrheitete sich auch im vergangenen Jahr in dramatischer Deutlichkeit: 2023 mussten einige Händler Insolvenz anmelden, darunter teils sehr große Unternehmen und auch solche, die der ANWR-Group angehörten. „Das Geschäftsjahr 2023 war erneut ein sehr herausforderndes“, blickte Frank Schuffelen, der Vorstandsvorsitzende der ANWR Group, während der Generalversammlung am 5. Juni zurück. Zugleich machte er den Händlerinnen und Händlern Mut: Wandel und Transformation begleiteten den Schuhhandel bereits seit Jahren, ja, sogar Jahrzehnten. „Wir sind es gewohnt, uns gegen Herausforderungen zu stemmen. Wir sind es gewohnt, durchzuhalten“, so Schuffelen. Deshalb sei es Händlern immer wieder gelungen, trotz aller Veränderungen den richtigen Rhythmus für ihre Geschäft zu finden. „Die Notwendigkeit zur Veränderung wird weitergehen. Datenverfügbarkeit und künstliche Intelligenz tun ihr nötigstes dazu“, kündigte der Vorstandsvorsitzende an. Widerstands- und Anpassungsfähigkeit seien wichtige Eigenschaften, um damit umzugehen. Um Händlerinnen und Händlern Wege für eine erfolgreiche Zukunft aufzuzeigen, organisierte die ANWR neben der Generalversammlung das „Retail Beats“-Zukunftsfestival, das aktuelle Themen rund um den Handel der Sparten Schuhe, Sport und Lederwaren behandelt (mehr dazu in schuhkurier Ausgabe 25).
Die Ertragslage des ANWR-Konzerns war nach den Worten Schuffelens im vergangenen Geschäftsjahr von einer „robusten Entwicklung“ geprägt. Man habe ein gutes Ergebnis erreichen können. „Die hohe Stabilität gibt gerade in unruhigen Zeiten Sicherheit. Trotz leicht rückläufiger Umsatzerlöse konnten wir das Ergebnis vor Steuern steigern.“ Das Geheimnis der Stabilität liege in der hohen Vielfalt, die das Geschäftsmodell der ANWR erfolgreich mache.
Die Umsatzerlöse erreichten im vergangenen Jahr 664 Mio. Euro (-8%), der Rohertrag lag bei 182 Mio. Euro (-3%). Das Ergebnis vor Steuern beläuft sich auf 10,6 Mio. Euro (+27,5%.). „Zu Beginn des Jahres 2023 haben wir ein solch gutes Ergebnis nicht erwartet“, betonte Schuffelen.
Von den gesamten Umsatzerlösen entfallen 234 Mio. Euro (35%) auf Provisionserlöse aus dem Zentralregulierungsgeschäft. Dies ist nach wie vor die größte Einnahmequelle der Gruppe; sie enthält auch die Erlöse aus dem Factoring und DZB Payment. Zugleich hat die ANWR die Abhängigkeit von dieser Einnahmequelle in den letzten zehn Jahren reduzieren können.
Basis für die Provisionserlöse ist der Wareneinkauf der Händler aus den verschiedenen Branchen, die über die beiden Banken der ANWR Group (DZB Bank und Aktivbank) zentralreguliert werden – das so genannte Abrechnungs- oder ZR-Volumen, das sich auf insgesamt 20,7 Mrd. Euro beläuft. Davon entfallen 2,9 Mrd. Euro auf die Kernbereiche Schuhe, Sport und Lederwaren. „Dies entspricht exakt dem Vor-Corona-Niveau aus dem Jahr 2019. An das Rekordjahr 2022 konnten wir nicht anknüpfen“, so Schuffelen. Der Rückgang betrug -9,1%. „Diese Entwicklung spiegelt das vorsichtige Einkaufsverhalten der Händler wider. Die Wirtschaft und der Einzelhandel haben mit den Folgen aus der gesamtwirtschaftlichen und geopolitischen Lage zu kämpfen. Wer Sorge um seine Umsätze hat, weil die Inflation die Verunsicherung der Verbraucher fördert, kauft infolgedessen vorsichtiger ein“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende.
Weitere Details zur Generalversammlung der ANWR Group lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 24.