"Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Sozialstandards in den Lieferländern ist ein langwieriger Prozess, in dem nur viele kleine Schritte zum Erfolg führen werden", erklärt der Hauptgeschäftsführer der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE), Jan Eggert. "Ein Prozess, den vor allem auch die Verantwortlichen vor Ort mitgehen müssen, wenn er erfolgreich sein soll".
In diesem Sinne habe die Regierung in Bangladesch eine Reihe von Textilfabriken aufgrund von Verstößen gegen Brand- und Sicherheitsvorschriften geschlossen. Zudem wurde laut AVE im Sommer 2013 ein neues Arbeitsgesetzt von der Regierung verabschiedet, das den besseren Schutz der Arbeitnehmer gewährleisten soll. „Entscheidend ist nun, dass die entsprechenden Gesetzte und Vorhaben aber auch konsequent umgesetzt werden“, so Eggert weiter.
Um diesen Prozess zu fördern, führt die Initiative des europäischen Einzelhandel zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Lieferländern, „Business Social Compliance Initiative“ (BSCI), seit Anfang 2014 auch unangekündigte Audits in den Produktionsstätten durch, heißt es von Seiten der AVE. Zudem soll die BSCI ihren Schwerpunkt auf Gesundheits- und Sicherheitskriterien gerichtet haben. Parallel dazu werden spezielle Trainings- und Fortbildungsmaßnahmen zum Thema Brandschutz und Gebäudesicherheit angeboten.
Entschädigungen für die Opfer von Rana Plaza längst überfällig
Dass die Beseitigung der Missstände in den Fabriken nur in kleinen Schritten vollzogen wird, verdeutlicht ein aktueller Bericht aus der „Zeit“. Wie das Blatt berichtet, versucht eine kleine Gruppe von Gewerkschaftern, Aktivisten und Experten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) seit September 2013 Geld für die Opfer der "Rana Plaza"-Katastrophe einzutreiben. Veranschlagt wurden damals ein Fonds mit 40 Mio. Dollar. Doch nach fast genau einem Jahr umfasst der Hilfsfonds gerade einmal 15 Mio. Dollar, schreibt die Zeit, „also weniger als die Hälfte der benötigten Summe“, um den Opfern gerecht helfen zu können (Geld für Operationen, Arztbesuche sowie ein Teil des Lohnes). "Wir sind fassungslos über das Ausmaß der Tatenlosigkeit", sagt Ineke Zeldenrust, eine Aktivistin für faire Arbeitsbedingungen in der Textilbranche gegenüber der Zeit. "Es wäre für die Unternehmen ein Leichtes zu helfen".