Toms wurde von Anfang an auf einer sozialen Mission aufgebaut: Für jedes verkaufte Produkt wird ein entsprechendes Produkt an bedürftige Menschen gespendet. Wie interpretieren Sie diese Gründungsidee für eine neue Konsumentengeneration?
Das ursprüngliche One-for-One-Modell war für seine Zeit revolutionär. Es machte deutlich, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftlicher Mehrwert vereinbar sind und inspirierte viele Unternehmen, Purpose und Profit zu verbinden. Wir haben die Entwicklung der Debatte aufmerksam verfolgt und erkannt, dass langfristige Wirkung lokale Führung und Flexibilität erfordert. Heute konzentrieren wir uns primär auf finanzielle Förderungen zugunsten von Bildung, Gesundheit und Wohlbefinden von Kindern. Wir arbeiten mit globalen Partnern wie Save the Children zusammen, um messbare und gemeinschaftsorientierte Wirkung sicherzustellen. Produktspenden erfolgen nur noch punktuell und symbolisch. Das Herz unseres Engagements ist gleich geblieben – die Umsetzung ist durchdachter, evidenzbasiert und nachhaltiger.
Welche Erfahrungen aus Ihrer vorherigen Führungsrolle bei Crocs bringen Sie in die nächste Wachstumsphase von Toms ein?
Erstens: Community-First-Wachstum. Innovation entsteht heute nicht nur im Unternehmen, sondern in der Community. Creator, Fans und loyale Kundinnen und Kunden interpretieren Produkte neu. Diese Stimmen ernst zu nehmen und zu verstärken, ist zentral. Zweitens: der Wechsel von demografischen zu psychografischen Zielgruppen. Menschen definieren sich stärker über Werte, Einstellungen und Verhalten als über Alter oder Herkunft. Drittens: ein integriertes digitales und physisches Ökosystem. Starke Wholesale-Partnerschaften und starke digitale Touchpoints müssen zusammenspielen.
Sie sind die erste weibliche CEO in der Geschichte von Toms. Wie prägt das Ihre Führungsperspektive?
Es ist bedeutsam, aber ich führe nicht aus der Perspektive, „die Erste“ zu sein. Ich führe mit Authentizität, Klarheit und Zusammenarbeit. Ich sehe meine Rolle wie die einer Dirigentin: Ich spiele nicht jedes Instrument, aber ich weiß, wie das Gesamtwerk klingen soll. Vielfalt in der Führung ist wichtig, weil Führung aus verschiedenen Perspektiven unterschiedlich aussehen und wirken kann.