Laut Bundesverband des Deutschen Schuheinzelhandels haben in Deutschland und im grenznahen Ausland etliche Factory Outlet Center (FOC) ihre Tore geöffnet. Weitere FOCs seien in Planung bzw. bereits im Bau. Die dort getätigten Umsätze fehlen dann u.a. dem Schuheinzelhandel.
FOC-Vormarsch
Sollten alle noch geplanten FOC-Standorte realisiert werden, so läge nach Ansicht des BDSE jeder deutsche Schuheinzelhändler im Einzugsgebiet eines solchen Fabrikverkaufszentrums, von dessen Umsatzsog mehr oder weniger stark die Händler betroffen seien. Sehr kritisch sei zudem zu bewerten, dass die Verbreitung von FOCs die Bereitschaft der Kunden, reguläre zu Preise zu zahlen, weiter verringern wird.
Der Einzelhandel habe sich notgedrungen mit der Existenz von FOCs in jenen Branchen abgefunden, in denen er mit seinen Lieferanten die Rücknahme nicht abverkaufter Ware ausgehandelt hat, beispielsweise in der Bekleidungsbranche. Schließlich müsse man dem Industriepartner dann auch Möglichkeiten einräumen, die Restanten zu vermarkten.
Für die Schuhbranche trifft dies laut BDSE aber nicht zu, da sich Schuhhersteller bisher – auch gegenüber sehr großen Kunden – weitgehend gegen solche Geschäftsmodelle sperren. Unproblematisch für den Schuhhandel seien jegliche Fabrikverkäufe, die sich auf fehlerhafte und entsprechend gekennzeichnete Ware beschränken. Die Toleranz des Einzelhandels endet aber, wo sein laufendes Geschäft über Gebühr beeinträchtigt wird.
Faire Spielregeln von den Lieferanten gefordert
Der BDSE empfiehlt daher jedem Einzelhändler, von seinen Lieferanten die Einhaltung von Mindestbedingungen für Fabrikverkaufs-Shops einzuhalten: Es dürfe dort keine aktuelle Ware angeboten werden. Zwischen Auslieferung an die Handelspartner und dem Angebot in einem FOC sollten mindestens sechs Monate liegen. Die angebotenen Modelle dürfen grundsätzlich nur aus Warenrücknahmen stammen. Keinesfalls sollten die Lieferanten gezielt Ware für FOCs produzieren.
Der Markt leide ohnehin an einem äußerst ungesunden Überangebot an Ware, das u.a. aus einer allzu unreflektierten Distributionspolitik mit dem Bedienen möglichst aller (auch eigener direkter) Abverkaufskanäle vieler Schuhlieferanten sowie immer höheren Mindestorderforderungen resultiert.
Hinzu käme, dass im unmittelbaren Einzugsgebiet eines FOCs das Vermarkten von Altware für den Fachhandel sehr schwierig sei. Zumindest dort biete es sich an, dass die Lieferanten nicht verkaufte Ware am Saisonende zurücknehmen. Wie die Erfahrung zeige, haben in der Vergangenheit einige mittelständische Fachhändler in einer solchen Situation entsprechende Vereinbarungen treffen können.