Das Weihnachtsgeschäft 2025 war geprägt vom Spagat zwischen Preisbewusstsein und Qualitätsanspruch. Wie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) in einer aktuellen Umfrage ermittelt hat, entfiel zum Jahresende bereits jede zwanzigste Online-Bestellung in Deutschland (4,9 %) auf Plattformen wie Temu oder Shein. Besonders die junge Generation zeigt sich offen: 60,7 % der Unter-30-Jährigen kaufen dort gezielt wegen niedriger Preise und Rabatten.
Die repräsentative Civey-Umfrage unter 1.000 Temu- und Shein-Kunden offenbart jedoch eine ernste Entwicklung. Rund ein Viertel (24,4 %) der Befragten gab an, finanziell nicht in der Lage zu sein, auf die Billigplattformen zu verzichten. „Der Spaß an der Schnäppchenjagd tritt in den Hintergrund. Immer mehr Menschen sehen aktuell keine andere Wahl, als den Gürtel enger zu schnallen und im Zweifel über Qualität und Image der Plattformen sowie der angebotenen Waren hinwegzusehen“, sagt Daniela Bleimaier, Leiterin Public Affairs Deutschland und Regionales beim BEVH.
Trotz zahlreicher Berichte über mangelnde Qualität, Sicherheitsrisiken und Schadstoffe bei Billigimporten zeigt sich ein Großteil der Käufer unbeeindruckt. 40,2 % glauben den kritischen Medienberichten nicht, 53,5 % vertrauen auf ihre eigene Einschätzung zur Produktsicherheit. Ein Drittel (33 %) nutzt gezielt das Rückgaberecht, um Produkte zu testen und bei Mängeln zurückzusenden.
Alien Mulyk, Geschäftsführerin Public Affairs Europa & International beim BEVH, fordert klare Maßnahmen: „Wir müssen feststellen, dass viele Verbraucher für die Appelle von Handel, Politik und Verbraucherschutz nicht zugänglich sind. Wenn wir wirklich wollen, dass sicher und nachhaltig eingekauft wird, muss sich die wirtschaftliche Lage verbessern.“ Der Schlüssel liege darin, nachhaltigen Konsum wieder zur realen Option zu machen – nicht nur ein Ideal.