„Der Handel ist Leistungsträger der deutschen Wirtschaft“, erklärt Stefan Wenzel. „Wir sprechen dabei von etwa 16% des Bruttoinlandsprodukts sowie 630 Mrd. Euro Marktvolumen. Mehr als 3 Mio. Menschen sind im Handel beschäftigt, was etwa 7% aller Erwerbstätigen entspricht.“ Diese Daten sprächen alle für den Wert des Handels. Doch Wenzel mahnt den Blick auf die zurückliegenden und die kommenden Jahre an. Im vergangenen Jahr hat der deutsche Handel nämlich 3,1% real weniger umgesetzt als davor. Krisen sind und bleiben relevant und auch die Börsenbewertungen werden angepasst. Was gilt es also zu tun?Das Thema sei klar: Konsumstimmung. Studien von HDE und Gfk zeigen die gravierende Entwicklung der Verbraucherlaune und die Gründe sind meist klar den unterschiedlichen Krisen zuzurechnen. „Wenn wir da versuchen, die Konsumenten mit Angeboten zu locken, kann man nicht versuchen, die aktuelle Situation beiseitezuschieben“, so Wenzel. Ein weiteres Thema, das sich dem entgegenstellt, ist die Handelspräsenz in Deutschland. „Die Frage ist, ob es denn gesund ist, eine so hohe Flächenpräsenz pro Bewohner zu haben, oder ob es nicht logisch ist, dass die Flächenproduktivität durch eine höhere Präsenz leidet. Das würde ich als Hypothese wagen.“ Die Konsequenz, so Wenzel, sei ansonsten ein großes „Waldsterben in der Handelslandschaft.“
Wie kann der Handel reagieren?
Viele Händler priorisierten die falschen Themen, so Wenzel. Von Click & Collect hält er zum Beispiel nichts: „Es kombiniert die Nachteile beider Kanäle: Ich kann es nicht anfassen und anprobieren und muss es dann auch noch selber abholen.“ Die Idee, etwas am digitalen Angebot zu ändern und gleichzeitig den Point of Sale zu modernisieren, sei jedoch der richtige Ansatz. Wenn man mit Amazon, Temu und Shein mithalten möchte, brauche es jedoch mehr. Generell gilt es, sich hier die Frage zu stellen: Warum du? Während Temu und Shein mit günstigen Preisen locken, ist laut Wenzel das Gegenteil dazu die Erfahrung, für die man Geld ausgibt. „Deswegen sind gutes Essen und schöne Reisen beliebter als Shopping.“ Früher hieß es: billig oder teuer. „Jetzt würde ich sagen: billig oder Belohnung.“ Auf dieser Skala müssen sich Unternehmen einordnen und entweder den Preis oder eben die Belohnung liefern. Währenddessen müssen sie außerdem auch mit großen Playern in Sachen Sichtbarkeit konkurrieren. Letztendlich sei die Wahl der Kanäle zwar egal, wichtig seien diese aber trotzdem, um Kunden und damit Umsätze zu generieren.