Die Brexit-Treiber in Großbritannien belegen eindrucksvoll, dass Populismus bei der Lösung gesellschaftlicher, politischer oder wirtschaftlicher Probleme kein probates Mittel ist.
29.06.2016
Petra Salewski
2 Minuten
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Was man noch am Abend des 23. Juni für unmöglich gehalten hatte, entpuppte sich schon in den frühen Morgenstunden des 24. als bittere Realität: Eine – wenn auch knappe – Mehrheit der Briten hatte sich für den Ausstieg aus der Europäischen Union ausgesprochen. Die wenigsten hatten wirklich damit gerechnet. Dass es dann doch so kam, kann man wohl als böses Erwachen bezeichnen.
Nun scheint nichts mehr, wie es war. Es herrscht allgemeine Rat- und Planlosigkeit. Sowohl auf Seiten der ’EU der 27‘, die nun versuchen muss, den Schaden für die Gemeinschaft möglichst gering zu halten. Als auch auf Seiten der Brexit-Treiber in Großbritannien, die inzwischen eindrucksvoll belegen, dass Populismus bei der Lösung gesellschaftlicher, politischer oder wirtschaftlicher Probleme kein probates Mittel ist. Ganz im Gegenteil. Inzwischen dämmert den Briten, was ihr ’No‘ nun nach sich ziehen dürfte. Und so staunen wir über das, was da vor unseren Augen passiert und unsere Enkelkinder künftig in Geschichtsbüchern nachlesen werden: Ein britischer Premierminister – von der ’Welt am Sonntag‘ in einer Kolumne kürzlich treffend als ’Taktik-Fuchs‘ bezeichnet – pokert aus parteipolitischem Kalkül mit einem Referendum. Er verliert und stürzt die EU in ihre größte Krise. Als Konsequenz folgt nicht der sofortige Rücktritt des Premiers, sondern erst einmal die Suche nach einem Nachfolger. Und auch die eigentlich fällige Austrittserklärung lässt auf sich warten. Derweil bröckelt Großbritannien; es mehren sich Stimmen für einen ’schottischen Weg‘. Inzwischen ist sogar nicht mehr auszuschließen, dass der Brexit gar nicht kommt. Das Referendum sei nicht bindend, heißt es. Oder: man brauche erst einmal ein neues Referendum.
Und über allem steht die entscheidende Frage, wie die EU zu mehr Einheit und einem neuen Selbstverständnis finden kann, damit sie auch ihre Bürger wieder erreicht. In ohnehin nicht einfachen Zeiten also auch noch dieses Erdbeben. Und ein Schwebezustand, der unerträglich und extrem gefährlich ist. Für den Finanzsektor, für die Handlungsfähigkeit der EU, für jedes einzelne Unternehmen, das auf dem Binnenmarkt agiert. Das betrifft auch die Schuhbranche.
Zwar halten sich viele Unternehmen zunächst bedeckt, eben weil die Lage noch unübersichtlich ist. Gleichwohl ist die Maschinerie für den Plan B bereits in vielen Headquarters angelaufen. Kommt es nach der Rubel- nun zur Pfund-Krise? Neben einem Preisanstieg aufgrund der Währungsproblematik drohen zunehmende bürokratische Hürden, mehr Unsicherheit, ein Konsumrückgang. Geplante Investitionen in Großbritannien stehen erst einmal ’ on hold‘. Nach alternativen Standorten wird gesucht; auf den Brexit könnte der Brexodus folgen. Wahrscheinlich werden unsere Enkel auch die Frage beantworten können, ob das alles wirklich nötig war.