Einigkeit unter den Präsidiumsmitgliedern bestand darin, dass viele Einkäufer des Handels meist deutlich schlechter vorbereitet seien als die Verkäufer der Lieferanten. Fehlende betriebswirtschaftliche Kennzahlen und/oder eine unzulängliche Limitplanung führen dann dazu, dass die – auch psychologisch – gut geschulten Vertriebler dem Einkäufer zu viel Ware verkaufen. Ferner heißt es vom BTE, dass die Einkäufer speziell in größeren Handelshäusern zum Teil auch unzulängliche Vorgaben von ihrer Geschäftsleitung bezüglich der gewünschten (Sortiments)Ausrichtung erhalten. Als Folge werden zu viele vermeintlich „sichere Bänke“ bevorzugt, interessante neue Marken werden aus Angst vor dem Risiko zu schwach gewichtet. Dabei haben die letzten Saisons gezeigt, dass einige Newcomer zum Teil „aus dem Stand“ gute Verkaufserfolge erzielen konnten.
Kritisiert wurde überdies der zunehmende Druck der Lieferanten, die Order immer früher abzugeben, zum Teil bereits früh in der Orderphase. Der Angebotsvergleich wird laut BTE dadurch massiv erschwert und führt ebenfalls dazu, dass aus Angst vor Sortimentslücken zu viel und abschriftenträchtige Ware geordert wird. Hier müsse der Handel zum Teil mehr Mut zeigen und Fristen verstreichen lassen. Zitat: „Mit einem ‚Nein‘ kann man hier viel Geld sparen.“
Zum professionellen Einkauf gehört dann auch die Überprüfung der Orderbestätigung und später des korrekten Wareneingangs. Schließlich zeigen die Erfahrungen, dass gerade bei Nutzung des elektronischen Geschäftsverkehrs (EDI) mehr oder abweichende Ware vom Lieferanten in der Orderresponse bestätigt wird als vom Handel geordert wurde. Und später bei der Anlieferung stellt sich dann immer wieder heraus, dass je nach Lieferant bis zu 30% der Ware falsch sind. Hier appelliert das BTE-Präsidium noch einmal eindringlich an die Lieferanten des Modehandels, die georderten Mengen nicht einseitig zu verändern!
Im Anschluss an die Sitzung des BTE-Präsidiums wurden u.a. Standortfragen, Chancen des mittelständischen Modefachhandels sowie die künftige Entwicklung von stationärem und Online-Geschäft diskutiert.