Chrom VI ist nach wie vor ein Thema“, sagte DSI-Geschäftsführer Manfred Junkert zu Beginn des Pressegesprächs. „In der öffentlichen Diskussion werden zu diesem Thema immer wieder verschiedene Schlagworte durcheinander geworfen. Dabei muss mehr Differenzierung stattfinden.“ Dies sei allerdings nur eines der Ziele, die sich CADS, die freiwillige Kooperation von Unternehmen aus Handel und Industrie, in punkto Giftstoffe auf die Fahnen geschrieben haben.
Seit rund vier Jahren setzt sich CADS für die Herstellung schadstofffreier Schuhe und für die Formulierung einheitlicher Grenzwerte ein. Alle Mitgliedsunternehmen – derzeit umfasst CADS rund sechzig Mitglieder – haben sich dazu verpflichtet, bestimmte Mindestanforderungen einzuhalten und bedenkliche Stoffe aktiv zu vermeiden. Die CADS-Richtlinien sind dabei in vielen Fällen (beispielsweise in Bezug auf Azofarbstoffe oder Biozide) strenger als die gesetzlich vorgegebenen Werte. Bis Ende 2014 müssen die Normierungen von allen Mitgliedern umgesetzt werden, ab nächstem Jahr erfolgt dann die Kontrolle durch unabhängige Prüfinstitute. „CADS ist dabei allerdings keine Umweltorganisation“, stellte Vorsitzender Michael Tackenberg klar. „Wir positionieren uns als Partner-Kooperation für Unternehmen, die etwas mehr tun möchten als andere.“
Seit der Gründung von CADS seien bereits verschiedene Etappenziele erreicht worden. Neben der Erstellung des Verzeichnisses für eingeschränkt nutzbare Substanzen in Schuhen zählt dazu auch die Einberufung von Arbeitsgruppen, die sich gezielt mit verschiedenen Problematiken auseinandersetzen. Dazu gehört beispielsweise eine Arbeitsgruppe, die sich speziell mit neuen Prüfmethoden zur Messung von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC)im Produkt bzw. beim Transport im Container auseinandersetzt. Des Weiteren wurde eine Arbeitsgruppe initiiert, die sich mit der weiterführenden Festlegung von Mindestanforderungen und Grenzwerten – u.a. für Chrom VI oder Formaldehyd – beschäftigt und den Dialog mit NGOs über kritische Stoffe fördern soll. Verschiedene Schulungen und Seminare – etwa für Einkäufer in CADS-Unternehmen – sollen zusätzliche Aufklärungsarbeit leisten: „Schadstoffe sind ein extrem breites und komplexes Feld“, so Michael Tackenberg. „Es ist daher entscheidend, dass wir unser Wissen übersichtlich bündeln und den allgemeinen Kenntnisstand unserer Mitglieder auf eine gemeinsame Basis stellen.“
Innerhalb der speziellen CADS-Arbeitsgruppe zu Chrom VI wurden bereits Empfehlungen zur Vermeidung der Substanz beim Gerbprozess herausgegeben. In einem zweiten Schritt soll darüber hinaus ein spezielles Handbuch für Schuhhersteller erstellt werden. Die Chrom VI-Problematik ist dabei auch aufgrund der an nächstem Jahr geänderten Gesetzeslage ein Thema mit Zukunft: Bisher war der Richtwert für den Chrom VI-Gehalt in Lederprodukten nur in Deutschland gesetzlich geregelt (3mg/kg). Zum 1. Mai 2015 tritt allerdings eine neue EU-Verordnung in Kraft, die den Mindestwert bei denjenigen Lederteilen, die direkt mit der Haut in Berührung kommen, ebenfalls auf 3mg/kg festlegt. Spätestens dann dürfte das Thema für international agierende Unternehmen eine noch größere Rolle spielen. „Wir befinden uns auf dem Weg in die richtige Richtung“, so Andreas Tepest, stellvertretender Vorsitzender CADS. „Es geht – trotz aller Unterschiede, die zwischen unseren Mitgliedern bestehen – eben nur zusammen.“
Langfristig soll die Zugehörigkeit eines Unternehmens zu CADS sichtbar gemacht werden. Denkbar sei etwa ein kleiner Vermerk eines CADS-Unternehmens in der Rechnung an den Händler (beispielsweise ’Member of CADS‘).„Es ist wichtig, dass wir die Kommunikation mit dem Handel verstärken“, so Michael Tackenberg. „CADS gibt dem Händler viele klar definierte Informationen an die Hand, auf die er sich auch im Dialog mit dem Endverbraucher beziehen kann. Dieses Potenzial sollte zukünftig mehr genutzt werden.“
Zudem läuft innerhalb von CADS derzeit eine Machbarkeitsstudie, die sich mit weiteren Problemfeldern – über Schadstoffe hinausgehend – auseinandersetzt. „Nachhaltigkeit ist ein großes Wort. Man kann nicht alle Probleme auf einmal lösen, aber es ist durchaus denkbar, dass wir unsere Initiativen erweitern – beispielsweise auch um arbeitsrechtliche oder soziale Belange“ erläutert Manfred Junkert.