Die Lage ist angespannt, die Stimmung nicht unbedingt besser. Carl-August Seibel (Josef Seibel) umriss die die vielfältigen Herausforderungen, mit denen es die Schuhbranche insgesamt und die Schuhindustrie im Besonderen zu tun hat.
Mit Blick auf die Initiative „Schuhhandel hat Zukunft“ war dem HDSL-Vorsitzenden eine Botschaft wichtig: „Nicht nur der Schuhhandel steht unter Strom, die Industrie auch.“ Die Kunden erwarteten neue Kollektionen, der Handel rufe nach Neuigkeiten und verkaufsfördernden Marketingmaßnahmen. Showrooms müssten gemietet und Reisen zu den Kunden finanziert werden, um Schuhe zu verkaufen. Diese produziere die Industrie nach hohen Standards und müsse aufgrund der Krise im Roten Meer mit stark steigenden Containerpreisen zurechtkommen – „das sind die Herausforderungen, die wir Tag für Tag haben“, so Seibel.
In der aktuellen Debatte darüber, wie der Handel mit Schuhen profitabler werden könnte, komme ihm die Situation der Industrie „ein bisschen zu kurz“, so Seibel. „Es sind dicke Brocken, die wir stemmen müssen. Wir ächzen auch unter der Last, seit wir aus der Pandemie raus sind.“ Ihm sei bewusst, dass der Handel unter Druck stehe; viel Geld verdiene man mit der Produktion von Schuhen allerdings nicht mehr.
Erste Zahlen des HDSL für das Jahr 2023 bis November dokumentieren die Lage der Industrie. So sind die Importe deutlich um 11,25% zurückgegangen. Bei den Importen aus Italien gab es einen Rückgang um 8,2%. Die Lieferungen aus China sanken um 23%, während die Rückgänge aus Vietnam (-6%) und aus Indien (-1%) moderat ausfielen. „Indien gewinnt eher als Beschaffungsmarkt, während China verliert“, so Junkert.
Die Exporte legten um 5,5% zu – für HDSL-Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert ein Indiz dafür, dass die Industrie „versucht, ausländische Märkte aktiv zu bearbeiten“. Wertbezogen nahmen die Exporte nach Frankreich um 5% ab, die Exporte nach Polen stiegen deutlich um 25%.
Für die Lederwarenindustrie ergibt sich ein ähnliches Bild. Achim Bruder (Abro) skizzierte die angespannte Lage, die wesentlich auf den immer schnelleren Strukturwandel im deutschen Einzelhandel zurückgehe. In einigen Exportmärkten stelle sich die Lage durchaus anders dar. Speziell bei modischen Taschen sei die Situation vergleichbar mit den Schuhen. Darüber hinaus hat der Lederwarenhandel mit Schulranzen ein relativ stabiles Geschäft, das eher von Schwankungen bei der Geburtenrate abhänge. Hinzu komme Reisegepäck, das von deutlichen Nachholeffekten nach der Corona-Pandemie profitierte; jedoch stelle sich die Frage, „ob sich der Trend verstetigt“, so Bruder.
Die Importe von Lederwaren gingen in den ersten elf Monaten des Jahres 2023 um 7,7% zurück; die Importe aus China sanken um 15,2%, Lieferungen aus Vietnam um 2,5% und Importe aus Indien um 20%. Die Exporte sanken minimal um 0,5%.