Nun richten die Eberts den Blick nach vorn. „Wir sind dabei, das Potenzial unseres Hauses kreativ anderweitig weiterzuentwickeln. Die Gespräche sind spannend. Die Perspektiven reizvoll“, so Heinz-Jörg Ebert. Ab dem 1. Januar will er sich in neuer Konstellation um diese Perspektiven kümmern.
Die Basis ist bereits gelegt. Das Unternehmen wird als Darré GmbH & Co. KG mit einer Zweckänderung fortgeführt: nicht mehr als Schuhhändler, aber mit anderen Schwerpunkten. Vier Säulen sollen das Geschäftsmodell künftig tragen: Working, Living, Learning und Celebrate. Das umfasst verschiedene Möglichkeiten, wie der Standort am Selterstor in Gießen künftig genutzt werden kann. Heinz-Jörg Ebert glaubt an die Kraft der Multifunktionalität. Vorstellbar sei etwa die Nutzung der Geschäftsräume als frequentierte Wirtschafts-, Handels- und Entwicklungs-Plattform sowie für Seminare oder Events mit dem Ziel, Chancen für Menschen zu schaffen. Die über 30.000 Adressen umfassende Kundenkartei, die über die Jahre aufgebaut wurde, wollen die Eberts ebenfalls im besten Sinne weiternutzen, indem sie etwa das beliebte Konzept der „Mädels-Abende“ weiterentwickeln.
So multifunktionell, wie die Räumlichkeiten des Schuhhauses künftig genutzt werden können, so multifunktionell soll nach Auffassung Eberts auch eine Innenstadt verstanden werden. „Sie muss wieder zu einem Marktplatz werden. Und dieser muss mehr bieten als Einzelhandel und Gastronomie alleine.“ Gerade jüngere Menschen sähen oft keinen Sinn mehr darin, zum Einkaufen in die Stadt zu fahren. „Sie tun es aber aus anderen Gründen. Und das müssen wir nutzen“, so der Unternehmer. Als Erfolg habe sich der Bau der Uni-Bibliothek gleich neben dem Schuhhaus erwiesen. „Dieser hat uns zwar zwei Jahre lang in Schach gehalten, die Bibliothek ist aber nun sehr beliebt und gut frequentiert.“ Gießen habe sich insgesamt sehr zum Vorteil entwickelt. Bis Ende des Jahres ist die Einkaufsstraße Seltersweg wieder nahezu voll vermietet. Renommierte Konzepte wie Søstrene Grene und Starbucks haben Flächen bezogen oder Filialisten, wie die Parfümerie Douglas erheblich in einen umfangreichen Umbau investiert. Das alles stimme ihn hoffnungsvoll, in Gießen eine lebendige, moderne und eben multifunktionelle Innenstadt zu entwickeln. „Dafür will ich auch weiterhin alles geben“, so der Unternehmer. Gespräche mit potenziellen neuen Mietern der Darré-Fläche würden derzeit geführt.
Und falls sich dabei doch noch eine interessante Nutzung des Hauses als Schuhhandelsfläche ergibt, die Schuhgeschichte am Selterstor also weiter geschrieben wird, sei man dafür durchaus offen, so Ebert.