Hinter dem Sportareal führt ein Durchgang zur orthopädischen Station des Geschäfts. Im neuesten Anbau können Interessierte und Bedürftige Termine vereinbaren und finden sich daraufhin meist in einem der vielen Messräume wieder. In diesen findet dann die entsprechende Diabetesversorgung oder die Ausstattung mit den richtigen Einlagen statt. Für die Maßschuhversorgung kommen die Kunden oder Patienten meist mit einer Überweisung vom Arzt. Die entsprechenden Einlagen und Maßschuhe werden daraufhin in der Werkstatt im Obergeschoss angefertigt. Ein vor allem für die Sportler interessanter Raum ist das Bewegungsanalyse-Studio. In diesem High-End-Labor können die beiden hier verantwortlichen Sportwissenschaftler die biomechanischen Abläufe untersuchen. Dabei werden meist mehrere Kameras auf die verschiedenen Gelenke des Beinapparats gerichtet, so dass beispielsweise die Sprunggelenkte oder die Knie genauestens beobachtet werden können. Die dabei erkennbaren Verhaltensmuster und Gangarten können daraufhin durch die Orthopädie unterstützt oder gar behoben werden. So wird unter vielen anderen auch ein Handball-Team der ersten Bundesliga versorgt. Sollten also die Knie schmerzen oder einem schnell die Puste ausgehen, kann sich ein Besuch in diesem Analysestudio lohnen. „Man muss die Ursache erst mal erkennen, damit man sie beheben kann“, erzählt Rollmann und erklärt daraufhin an einem Beispiel, warum dieses Erkennen nicht immer ganz so einfach ist: Eine schiefe Plombe nach dem Zahnarztbesuch beiße sich zwar über die Tage – über Nacht kämen allerdings bis zu 5 Tonnen Druck auf den Kiefer. Und dieser Prozess kann sich mitunter gravierend auf die anderen Muskeln auswirken. „Wir hatten schon einmal Kinder, die durch eine Zahnspange eine Skoliose bekamen“, erinnert er sich zurück. Deshalb steht Rollmann seitdem auch in Kontakt mit verschiedenen Ärzten und Physiotherapeuten. Außerhalb der Mess- und Analyseräume gibt es noch die Zimmer für die podologische Abteilung. Im Vorbeigehen zeigt sich, dass beide Räume zurze t genutzt werden. Keine Seltenheit, so Rollmann, da das Thema definitiv auf Nachfrage trifft. Die Rundum-Versorgung gehört bei Rollmann dementsprechend zum Erfolgsrezept, um den Kundinnen und Kunden auch nachhaltig zu helfen.
Eine Frage der Nachfrage
Apropos nachhaltig: Wie hält es Rollmann damit? „Das ist ein Thema, mit dem wir uns sehr aufmerksam beschäftigen“, erklärt der Händler. Anfang der 2000er war das Angebot allerdings noch größer. „Nur hat es der Endverbraucher nicht angenommen“, so Rollmann. Bis heute habe sich diese zögerliche Haltung der Konsumenten kaum verbessert. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass sich Rollmann des Themas nicht mehr annimmt. Die Beleuchtung im neuen Anbau wurde 2015 auf LED umgestellt, und auch auf der Fläche gibt man das Thema nicht auf: In der Zukunft ist Rollmann als Testpilot des ANWR-Nachhaltigkeitskonzepts Purewear am Start. Neben verschiedenen Marken wie Moea und Genesis kommt es hierbei vor allem auf die klare Ausstrahlung mit einem geregeltem Marketingkonzept an.
Etwas verhalten sieht die Stimmung ebenfalls in Sachen Personal aus. Aktuell sei Rollmann mit der Aufstellung zwar zufrieden. Viele der rund 50 Mitarbeitenden sind seit Jahren dabei, zum Großteil sogar aus der eigenen Ausbildung heraus entstanden. Doch auch wenn er mit der Personalaufstellung aktuell noch zufrieden ist, zeigt sich Klaus Rollmann für den sonstigen Nachwuchs und die Ausbildungskräfte in den kommenden Jahren deutlich pessimistischer. „Wenn ich Fachkräfte suchen müsste, würde ich keine bekommen. Definitiv.“ Sohn Nils nutzte derweil die Coronazeit, um den Weg des Orthopädieschuhmachermeisters einzuschlagen. Ob er die Unternehmensnachfolge antreten möchte? Abgeneigt sei er nicht, aber bis es so weit ist, wolle er sich noch umsehen und weiterbilden.
Rentabilität und Sichtbarkeit
So wie die gesamte Branche sieht sich Rollmann auch mit der Kundenzurückhaltung konfrontiert. Veränderungen stünden bevor. „Wenn ich mein Unternehmen in der Branche sehe, werden wir uns ein bisschen wandeln müssen“, sagt der Geschäftsführer. „Das Produktportfolio und das Sortiment werden wir anpassen oder ändern.“ An dem Gesamtkonzept halte man jedoch entschlossen fest: „Wir können auf dem Markt nur existieren, wenn wir uns spezialisieren. Mit einem breiteren Sortiment hätten wir hier keine Überlebenschance.“ Gleichzeitig gilt auch für Klaus Rollmann: „Man muss die Rentabilität für den Schuhhandel wieder herstellen.“ Dabei sorge vor allem die mangelnde Sichtbarkeit der Branche für Vernachlässigung durch die Politik. „Wir müssen eine stärkere Sichtbarkeit nach außen wieder herstellen. Und dafür würde ich mich im Aufsichtsrat auch stark machen – dass man den Einzelhandel mehr erhört.“