Zu klären wäre auch noch die Frage, „wann ein bequemer Schuh eigentlich ein Komfortschuh ist“, so Christopher Sjut vom Schuhhaus Sjut mit sechs Häusern in Schleswig-Holstein. „Viele Lieferanten bieten inzwischen lose Einlagen an – aber ist der betreffende Schuh deshalb gleich ein Komfortschuh?“ Wenn das so wäre, wäre der Komfortschuhanteil noch deutlich höher anzusetzen, denn „wenn ich mir anschaue, was die Deutschen am Fuß tragen, dann sehe ich, dass Einlagen definitiv mehr werden.“ Ein großes Spektrum des Bedarfs nach einem Plus an Komfort, nicht nur in Form auswechselbarer Fußbettungen, decken ‚normale‘ Lieferanten mittlerweile also gekonnt ab. Gleichzeitig bemerkt man nicht nur bei Sjut, dass bewährte Komfortschuhlieferanten wie Finn Comfort mitunter rückläufig sind: Auch andere Händler berichten, dass manche bewährte Marke optisch und modisch nicht mehr so gut funktioniert. Andere funktionieren diesbezüglich dafür umso besser. „Waldläufer macht das sehr gut“, sagt Niklas Krohn. „Die haben sich von einem etwas angestaubten in einen richtig modischen Schuh verwandelt.“ Man habe daher längst nicht mehr nur die typische Waldläufer-Kundin, „sondern sehr wohl auch eine Kundin, die Mode sucht und den Komfort gern mitnimmt.“ Auch Marc Majowski zieht „den Hut vor Waldläufer, denn die trauen sich modisch richtig was“, und zwar so konsequent, dass „ich immer wieder überrascht bin.“ Mark Schütte von Schütte Schuhe, vier Häuser in Oldenburg, hebt hervor, dass „bestimmte Modelle richtig Schwung in das Komfortschuhsegment gebracht haben, zum Beispiel das Modell Phil von Hartjes.“
Größere Verdrängungseffekte werden bisher nicht beobachtet: Weder machen sich modische Anbieter mit Komfortkompetenz in nennenswertem Maße auf Kosten der Komfort-Spezialisten mit Modekompetenz breit, noch umgekehrt. „Während etablierte Komfortmarken leicht rückläufig tendieren, bleiben komfortnahe Mainstream-Marken stabil, ohne den Rückgang vollständig zu kompensieren“, bestätigt Melina Gerstand.
Was genau muss ein Schuh denn nun bieten, um sowohl für die modische Komfortschuh- als auch für die komfortverliebte Mode-Kundin interessant zu sein? Dass er cool sein muss, versteht sich. Darüber hinaus gilt: „Ein Schuh mit viel Komfort liefert uns im Fachhandel starke Argumente in Verkaufsgesprächen“, sagt Niklas Krohn. Die wichtigste Anforderung ist das Wechselfußbett. „Das Thema Wechselfußbett wächst stark“, sagt auch Bernd Schneider. Zudem birgt es die Chance auf Zusatzverkäufe, denn „wir bieten natürlich auch gern Einlegesohlen an“, sagt Henrik Dismer. Ebenso relevant sind die Mehrweiten G und H. Des Weiteren sind, so Niklas Krohn, „Einstiegshilfen, Hallux-valgus-geeignete Materialien sowie komfortable Sohlenvarianten, etwa mit besonderen Abrolltechnologien“ attraktiv. Stefan Hodes führt besondere „Weichheit und Flexibilität des Obermaterials sowie eine gute Dämpfung der Laufsohle“ ins Feld. Und: „Ausstattung mit Reiß- oder Klettverschluss oder die Slip-In-Modelle von Skechers muss man genau genommen auch dazu zählen“, sagt Niklas Krohn, „denn all das zahlt auf das Thema Komfort ein.“