schuhkurier bat angesichts der Unzufriedenheit von angeschlossenen Schuhhändlerinnen und -händlern um ein Statement von Schuhe24 und hat The Platform Group-CEO Dr. Dominik Benner vier Fragen gestellt. Diese wurden von Jürgen Hanke, Leiter Händler von Schuhe24, beantwortet.
Warum hat Schuhe24 das Gebührenmodell und die Zahlungsmodalitäten im Frühjahr 2023 geändert?
Jürgen Hanke: Wir wollten die Gebührenstaffel einfacher machen, aber nicht teurer für Händler. Dies haben wir umgesetzt, alles wurde auf eine Zahl vereinheitlicht. Zudem haben wir unser Pricing komplett angepasst, so dass wir künftig noch teurer, also mit weniger Rabatt verkaufen, was dem Händler zu Gute kommt. Denn viele Online-Plattformen machen derzeit die Gebühren deutlich teurer und komplizierter (z.B. nach Warengruppen), wir wollten genau das Gegenteil umsetzen.
Aus welchem Grund kam es, wie Anfang Juni von Schuhe24 angekündigt, zu einer Rücknahme von Teilen dieser neuen Gebührenstruktur?
Als Platform Group haben wir in 17 Branchen derzeit 5.200 Händler sowie 18.300 Apotheken, also in Summe 23.500 Partner und Geschäfte, mit denen wir arbeiten. Die größte Händlerzahl ist im Fahrradbereich, im Möbelsegment, bei KfZ-Teilen sowie Apotheken und Sporthändler. Schuhe24 hat circa 430 Schuhhändler, dies entspricht 2% unserer Händlerschaft. Von Teilen dieser Schuhhändler haben wir die Rückmeldung bekommen, dass sie die Änderung der Gebühren nicht gut finden, vor allem wegen der höheren Kosten für günstige Artikel. Wir haben diese Bedenken ernst genommen und daher für die Schuh- und Modehändler dann die bisherige, alte Gebührenstaffel belassen. Bei den übrigen 98% unser Partner haben wir keine Beschwerden und keine Probleme, sondern laufen konstant und bieten eine gute Performance.
Laut unseren Informationen warten zahlreiche Händlerinnen und Händler auch jetzt – am 22. August – auf die Auszahlungen von Juni. Diese hätten Anfang August, spätestens Mitte August eintreffen müssen. Warum kommt es weiterhin zu diesen Verzögerungen?
Einige Schuh- und Modehändler haben im Zeitraum April bis Juni 2023 ihre Bestände deaktiviert. Gemäß unseren AGB führt dies automatisch zum Status gekündigt. Folglich behalten wir gemäß Vertrag drei Monate das Guthaben ein, bezahlen alle Retouren an die Kunden und überweisen dann den Saldo an den Händler. Da einige Händler dies nicht wussten, haben wir dies erneut per Newsletter kommuniziert. Inzwischen haben viele zu uns Kontakt aufgenommen und wir klären dies bilateral. Einige Händler sind deshalb auch nicht zufrieden, in Einzelfällen klärt dies unsere Rechtsabteilung bzw. unser Anwalt. Hier handeln wir derzeit und klären, ob der Status gekündigt bleibt oder die Wiederaktivierung der Bestände und damit der Online-Verkäufe erfolgt. In Einzelfällen haben wir bereits selbst Kündigungen ausgesprochen, da Forderungen gestellt wurden, aber bestellte Artikel nicht versendet wurden. Aber dies sind wenige Einzelfälle. Aber generell gilt: Wir möchten das Vertrauen nicht zerstören, sondern aufbauen. Und es betrifft wie gesagt nur eine kleine Gruppe unserer Händlerschaft.
Fehlende und nicht ausreichende Kommunikation seitens Schuhe24 hat bei den teilnehmenden Händlern zu viel Unruhe und einem Vertrauensverlust geführt. Was werden Sie tun, um verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen?
Wir haben vor allem mit Newslettern kommuniziert, einige Händler lesen diese jedoch nicht. Dies möchten wir künftig wieder besser machen durch eine aktive, direkte Kommunikation. Und wir haben ja Schuhhänder, die den Status „gekündigt“ haben. Hier werden wir auch nochmal direkt nachfassen, ob wir sie dauerhaft als Kunde deaktivieren oder ob eine Wiederaufnahme der Online-Verkäufe gewünscht ist. Ich denke, dass wir auf diesem Wege wieder Vertrauen bei den Schuhhändlern aufbauen.