Seit Jahrzehnten dient das WMS-System als Marketinginstrument und Garant für optimale Passform von Kinderschuhen. Viele Händler in Deutschland arbeiten damit. Neun Hersteller produzieren Kinderschuhe nach WMS-Vorgaben. Wo steht das System heute? Wohin könnte es sich entwickeln? Eine Bestandsaufnahme.
15.02.2017
Petra Salewski
3 Minuten
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Gut 700.000 Babies werden laut Statistischem Bundesamt hierzulande in jedem Jahr geboren. Bezieht man die Märkte Schweiz und Österreich mit ein, sind es 1 Mio. Babies. Sie alle brauchen mit etwa einem Jahr – wenn sie die ersten Schritte ohne Hilfe wagen – ihr erstes Paar Schuhe. Bis sie etwa zehn bis zwölf Jahre alt sind, werden ihre Eltern für sie in jedem Jahr laut BDSE im Schnitt 2,4 Paar Schuhe kaufen. Andere Schätzungen beruhen auf einem jährlichen Konsum von 3,5 Paar. Spätestens mit zwölf – und oftmals auch schon deutlich früher – sind klassische Kinderschuhe in den meisten Fällen kein Thema mehr. Sabu-Geschäftsführer Stephan Krug: „Die Mädchen orientieren sich dann an älteren Mädchen oder der Mutter. Jungs orientieren sich an älteren Jungen und deren Marken.“ Letztere sind meist die angesagten Sportbrands.Ein wichtiges Qualitätsmerkmal für den Kinderschuhbereich ist das WMS-System. Es wurde schon vor über 50 Jahren als Instrument entwickelt, mit dem Kindern zu möglichst optimal passenden Schuhen verholfen werden sollte. Dabei kommt es nicht allein auf die Länge des Schuhs an, die idealerweise bei einem neuen Kinderschuh 15 mm Raum lässt, damit der schnell wachsende Kinderfuß beim Laufen, Springen und Toben nicht eingeengt wird und der Schuh auch über einen längeren Zeitraum passt. Ergänzend spielt auch die Weite, also das Volumen des Schuhs eine wichtige Rolle, um maximalen Komfort für die kleinen Füße zu gewährleisten. Basis ist das WMS-Messgerät, mit dem zu Beginn des Verkaufsgesprächs die Länge und Weite beider Kinderfüße ermittelt wird. Im Idealfall verfügt das Geschäft dann über ein ausreichendes Angebot an Größen und Weiten. Aktuell nehmen am WMS-System die Marken Däumling, Elefanten, Filii-Barefoot, Kangaroos, Kappa, Lurchi, Richter, Ricosta und Superfit teil. Sie zahlen eine Lizenzgebühr, die sich am Umsatz orientiert, an das DSI (Deutsches Schuhinstitut), das zum Bundesverband der Schuhindustrie (HDS/L) gehört, sowie eine Marketinggebühr für entsprechende werbliche Aktionen. Außerdem verpflichten sie sich, WMS-zertifizierte Leisten für die Schuhfertigung einzusetzen. Derzeit dürfen fünf Leistenanbieter nach WMS-Richtlinien Leisten bauen. Die entsprechende Prüfung obliegt dem PFI in Pirmasens. So will das Deutsche Schuhinstitut sicherstellen, dass sich möglichst keine Abweichungen ergeben und Schuhe, egal, welcher Hersteller sie gefertigt hat – möglichst die gleichen Innenmaße aufweisen. Mütter sollen sich auf das System verlassen können und sicher sein, dass ihre Kinder mit WMS optimal passende Schuhe bekommen. Der Markt für Kinderschuhe umfasst nach Schätzungen aus der Schuhindustrie 35 Mio. Paar quer durch alle Preislagen. Der Anteil, den WMS-Schuhe dabei einnehmen, kann ebenfalls nur geschätzt werden. Er dürfte bei etwa 10% liegen, wobei die Mengen der einzelnen Anbieter sich stark unterscheiden. Kinderschuh-Flaggschiffe wie Ricosta und Superfit spielen eine deutlich wichtigere Rolle im Markt als etwa die kleine Manufaktur für Barfuß-Schuhe Filii-Barefoot. Nach Aussage der Verbundgruppe ANWR liegt der Marktanteil der Marken Lurchi, Richter, Superfit, Ricosta und Däumling zusammen bei etwa 80%. Und während bei Ricosta und Superfit 100% der verkauften Schuhe nach WMS gefertigt sind, liegt der Anteil bei Richter beispielsweise zwischen 20 und 50%. Eine Sonderrolle nimmt der Schuhfilialist Deichmann ein, der die Traditions-Kinderschuhmarke Elefanten im Jahr 2005 erwarb. * Was wünschen sich die Schuhhersteller vom WMS-System? * Wo sieht man beim DSI Potenzial für das WMS-System? * Was sagt der WMS-Beauftragte Jochen F. Obrecht zu den Entwicklungen im Kinderschuhsegment? * Welche Erwartungen hat der Schuhhandel im Bereich Kinderschuhe? Alle Antworten lesen Sie in der kommenden Ausgabeschuhkurier – in der umfangreichen Analyse zum WMS-System.