Herr Dr. Rassau, ist Ihrer Einschätzung nach der Anteil an Furnituren (Pflegemittel, Imprägnierer, Einlegesohlen) im Schuhhandel konstant oder steigt er?
Dr. Stefan Rassau: Hier muss man generell (noch) zwischen online und stationär unterscheiden. Im stationären Fachhandel steigt der Anteil. Insbesondere bei den Unternehmen, die Service und kompetente Beratung entweder in ihrer DNA verankert oder zumindest ihre Bedeutung im Wettbewerb gerade mit den digitalen Kanälen verstanden haben. Im Online-Handel sind noch Hausaufgaben dahingehend notwendig, die Empfehlung der richtigen Furnituren in den Verkaufsprozess einzubinden. Die Anteiligkeiten sind daher noch sehr ausbaufähig. Wichtig für eine weitere Steigerung ist in dem Zusammenhang auch, dass Sortimente und Markenkonzepte für die jeweiligen Zielgruppen entwickelt und präsentiert werden, um selbstverständlicher in die Bedarfs-, Gefühls- und Lebenswelt der Endverbraucher zu gelangen. Am Ende entscheidet der Kunde über Kauf und Nicht-Kauf. Den gilt es noch besser und emotionaler abzuholen.
Kommt es im Bereich Produktentwicklung zu mehr Spezialisierungen?
In Bezug auf funktionale Spezialisierung würde ich sagen, nicht vermehrt. Hier haben wir seit jeher Spezialisten für Einlagen, für Pflege und für Accessoires. Wir haben unsere Produktentwicklung allerdings dahingehend verändert, dass wir zum einen zu Beginn des Prozesses den Radar erweitern, um möglichst viele neue, innovative Ideen für Produkte zu generieren. Zum anderen, dass wir dann vermehrt Spezialisten haben, die einzelne Kundenwelten im Detail verstehen, nach denen wir unsere Sortimente ausrichten. Wir haben Produktmanager, die verstehen meinen Sohn, und andere, die verstehen mich…
Ein weiterer Aspekt der Spezialisierung greift in Bezug auf Nachhaltigkeit. Im Einklang mit den sich dahingehend verändernden Kundenbedürfnissen bzw. der gesellschaftlichen Verpflichtung generell, ist auch unser Anspruch gestiegen, soviel Achtsamkeit wie möglich in Produkte und Prozesse zu bringen.