Frau Deby, Sie führen seit 2006 Ihren „Kleinen Knurrhahn“ in Maxvorstadt. 2015 kam das Geschäft in Neuhausen dazu. Wie unterscheiden sich die Geschäfte und die Kundschaft an den beiden Standorten?
Der größte Unterscheid wird in Zukunft sein, dass wir das Geschäft in Neuhausen schließen werden. Unser Mietvertrag dort ist ausgelaufen und wie es in München und anderen Großstädten so üblich ist, würde bei einem Anschlussvertrag eine Mieterhöhung folgen. Außerdem haben wir ja mit unserem „Ganz kleinen Knurrhahn“ nun einen weiteren Standort, der großen Zulauf erfährt.
Den „Ganz kleine Knurrhahn“ haben Sie vor etwa 1,5 Jahren am Standort in Maxvorstadt in einem Vorgebäude zum Ursprungsladen eröffnet. Dort haben Sie sich auf Lauflerner spezialisiert. Wie kam es zu diesem Schritt?
Die Nachfrage nach Lauflernern wurde immer größer und zwar auch nach verschiedenen Farben und Ausführungen. Meines Wissens nach präsentieren wir die größte Auswahl an Lauflernern in München. Das neue Konzept hat auch vieles entzerrt: Zum einen natürlich die Ware im Laden, sodass wir nun in beiden Geschäften mehr Auswahl bieten können. Zum anderen entzerrt es auch die Kundschaft, indem wir die kleinen Kunden von den ganz kleinen Kunden trennen. Wir stellen fest, dass das bei allen Beteiligten die Nerven schont. „Der ganz kleine Knurrhahn“ wird wirklich gut angenommen!
Auf Ihrer Internet-Seite versprechen Sie eine „gemütliche und kindgerechte Atmosphäre“. Was heißt das genau?
Zunächst einmal legen wir großen Wert auf Sicherheit: „Der kleine Knurrhahn” liegt in einem Hinterhof und nicht direkt an der Straße. „Der ganz kleine Knurrhahn” ist zwar vorgelagert, aber die ganz kleine Kundschaft kann ja noch nicht davon und über die Straße laufen. Unsere Einrichtung versuchen wir gemütlich zu halten, ohne 08/15 zu sein. Und natürlich kann unsere junge Kundschaft auf Spielecken zurückgreifen, um eine kurze Auszeit vom Schuhkauf zu nehmen.
Unter welchen Gesichtspunkten wählen Sie Ihre Ware aus?
Es muss etwas Besonderes sein, was es online und in anderen Geschäften so erstmal nicht gibt, wobei wir natürlich auch den „Mainstream” abbilden. Damit meine ich allerdings nicht die in Asien produzierte Massenware! Wir kaufen nur Produkte ein, hinter denen wir stehen. Das bedeutet für uns: Produktion in Europa nach vernünftigen Sozialstandards und mit ordentlichen Materialien. Die Marke Kavat gefällt mir da zur Zeit besonders gut. Vom Stil her würde ich unsere Schuhe als geschmackvoll, dezent und nicht zu bunt beschreiben.
Ist denn die Nachfrage nach nachhaltigen Kinderschuhen gestiegen?
Ich wünschte, es wäre so! Das Thema ist zwar in aller Munde und wir könnten die Kunden damit sehr gut bedienen, aber leider entscheidet das Gros immer noch nach Preis und Optik. Wir versuchen da teilweise auch ein wenig zu erziehen und erklären, was genau hinter dem Produkt steht und welchen Mehrwert es im Vergleich zur günstigen Massenware bietet. Und sollten Eltern nicht gerade bei der Kleidung ihrer Kinder auf Nachhaltigkeit setzen, wenn man bedenkt, wie schnell die Kleidung durch das Wachstum wieder abgelegt wird? Aber an dieser Stelle prallen dann oft auch die Argumente von Erwachsenen und Kindern aufeinander: Wenn die Klassenkameraden bunte Sneaker mit leuchtender Sohle haben, will der eigene Nachwuchs natürlich mithalten können.
Sehen Sie darin die große Herausforderung für die Zukunft ihres Geschäfts?
Ich denke, dass wir zwei Herausforderungen entgegensehen: Die eine ist der Sneaker. Die Kinder wollen immer jünger immer buntere Sneaker tragen. Mit 14 kann ich das verstehen, aber mit 4? Solche Schuhe sind einfach nicht gut für die Fußgesundheit der Kinder, deshalb führen wir sie nicht. Mit diesem Argument kommt man leider nicht so weit, wenn der brüllende Vierjährige vor Mama steht und auf seine bunten Treter besteht. Die zweite Herausforderung ist die Personalfrage: Es ist wirklich schwer, gute Kinderschuhverkäuferinnen und -verkäufer zu finden. Sie müssen zum einen körperlich sehr belastbar sein – viel tragen, aus- und einpacken und Arbeiten in der Hocke – zum anderen dürfen sie nicht zu jung sein, wie Studierende beispielsweise. Diese werden von unserer Kundschaft nämlich leider als unauthentisch empfunden nach dem Motto: „Sie haben ja selber keine Kinder, wie wollen Sie das beurteilen?“. Zudem muss man im Kinderschuhgeschäft auf zwei Kunden gleichzeitig eingehen können: Elternteil und Kind. Und diese beiden könnten oft nicht unterschiedlicher in ihren Wünschen sein.