Nach langem Bangen und Zittern war es Ende November schließlich so weit: Die Signa Holding GmbH, der Immobilien-und Handelsgigant des österreichischen Investors René Benko, meldete Insolvenz an. Erst eine Woche zuvor hatten die Tochtergesellschaften Signa Sports United sowie Signa Real Estate Management Germany einen Insolvenzantrag gestellt, nachdem im Mai 2023 die andere Tochter Galeria Karstadt Kaufhof ihr Verfahren beendet hatte. Auch ist es mit der Insolvenz der Signa Holding noch nicht getan: Nur einen Tag nach der Bekanntmachung beantragte auch das Tochterunternehmen Sportscheck ein Insolvenzverfahren. Sportscheck wurde erst vor drei Jahren von Benko übernommen und steht aktuell wieder zum Verkauf.
Das Verfahren Signa Holding GmbH
„Es ist bekannt, dass der Retailbereich – vor allem der stationäre Einzelhandel – in den letzten Jahren aufgrund externer Faktoren in Europa wirtschaftlich stark unter Druck geraten ist“, erklärt das Unternehmen auf schuhkurier-Anfrage. „Die Investitionen in diesem Bereich haben nicht den erwarteten Erfolg gebracht.“ Folglich stellte das Investoren-Mutterschiff Signa Holding GmbH am 29. November 2023 wegen Überschuldung einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung beim Handelsgericht in Wien. „Trotz erheblicher Bemühungen in den letzten Wochen konnte die erforderliche Liquidität für eine außergerichtliche Restrukturierung nicht in ausreichendem Maße sichergestellt werden“, heißt es weiter vom Unternehmen.
Und die Eröffnung des Insolvenzverfahrens ließ nicht lange auf sich warten: Noch am selben Tag eröffnete das Handelsgericht Wien das Sanierungsverfahren und ernannte zudem den ortsansässigen Rechtsanwalt Christof Stapf zum Sachwalter. In der Vergangenheit war Stapf an der Abwicklung von Großinsolvenzen bei Unternehmen wie P.M.A. Modehandels GmbH (Modekette „Pimkie“ Österreich), Colloseum Retail GmbH und Montesino Entertainment Group GmbH beteiligt. Stapf werde nun die Gesamtsituation des Konzerns erfassen und die Optionen des Finanzplans überprüfen. Dabei gilt es laut Medienberichten vor allem zwei Termine zu beachten: Am 19. Dezember findet die erste Versammlung der 273 Gläubiger statt. Sollte sich der Sanierungsplan als realisierbar zeigen, wird am 12. Februar 2024 eine Abstimmung der Gläubiger über das weitere Vorgehen des Konzerns entschieden.
Die Zukunft der Gruppe
Ob die Signa Gruppe danach noch bestehen bleibt, wird das Votum der Kreditgeber zeigen. Nachdem sich René Benko auf Druck von Investoren aus der Führung zurückgezogen hat, soll das bisherige Management der verschiedenen Unternehmen seine Positionen – unter Aufsicht des Sachverwalters – behalten. Der prominente Sanierer Arndt Geiwitz übernahm indes die Rolle des Generalbevollmächtigten. Unter dem Signa-Hut versammeln sich unüberschaubar rund 1.000 Unterfirmen. Vor allem zwei Oberkategorien mit unterschiedlichen Beteiligungen kristallisieren sich dabei heraus: Signa Real Estate ist in die vier Geschäftsbereiche Signa Prime Selection AG, Signa Development Selection AG, Signa RFR US Selection AG sowie Signa Luxury Hotels unterteilt. Die zweite Sparte, Signa Retail, besteht dabei aus Signa Premium, zu dem auch die Luxuswarenhausgruppe KaDeWe gehört, Signa Department Store Group mitsamt Galeria Karstadt Kaufhof sowie Signa Food & Restaurants. Bis Oktober 2023 war auch Signa Sports United (SSU) als Teil des Signa Retail-Bereichs; damals kündigte Signa Holding die Eigenkapital-Bestandsgarantie für SSU, woraufhin das Unternehmen wenige Wochen später Insolvenz anmeldete. Wie es nun mit den einzelnen Teilen des Konzerns weitergeht, bleibt weiterhin offen. Sowohl Bauprojekte wie der Hamburger Elbtower, die „Alte Akademie“ in München oder das Carsch-Haus in Düsseldorf stehen still. „Das hat enorme Auswirkungen“, fasste Gerrit Heinemann, Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Niederrhein die Lage jüngst im ZDF Heute journal zusammen. „Galeria Karstadt Kaufhof, Baufirmen, die noch offene Rechnungen haben, sowie die Baubranche insgesamt, die weniger kreditwürdig ist, und vor allem die Banken, die auf erhebliche Teile ihrer Kredite verzichten müssen.“ Vor allem in Hinblick auf das für die Insolvenzen aufgebrachte Steuervermögen sei dies ein Skandal: „680 Mio. Euro sind weg. Hinzu kommt zweimal das Insolvenzgeld in Höhe von 320 Mio. Euro. Rund 1 Mrd. Euro sind in dieses Unternehmen gesteckt worden und es bleibt aktuell wohl kaum 1 Mrd. Umsatz übrig.“
Sargnagel für Galeria
Besonders für den Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof dürfte die Insolvenz der Muttergesellschaft ein großes Problem darstellen. Zur Umsetzung des Insolvenzplans fehlen laut Heinemann nach wir vor 150 bis 180 Mio. Euro, die nun auch nicht von der Holding zu erhalten sind.
„Die werden aber benötigt“, so der Experte weiter. Das Schweizer Unternehmen Signa Retail Selection möchte nun seine Beteiligungen verkaufen, der Warenhauskonzern braucht einen neuen Eigentümer. Signa hinterlässt leerstehende Warenhäuser in den Städten – und es dürfte noch mehr werden. Erst im Februar wird sich zeigen, wie viele mehr.