Wissensaustausch dank Experten- und Nutzerperspektive
Da die Nutzer selbst davon erzählten, wie sie Produkte implementieren, waren die Vorträge sehr nahbar. Die Händler gaben Einblick in Probleme und Lösungen und stellten heraus, warum sich verschiedene Projekte trotzdem gelohnt haben. So wurde der Schlüsselkundentag zum Dialog zwischen Kollegen auf Augenhöhe. Zu verschiedenen Fragen gab es Anmerkungen und Erfahrungsberichte von den Teilnehmenden. Die Verantwortlichen von Etos und ECC waren auch selbst auf der Bühne, um den Austausch mit interessanten Zahlen und Entwicklungen anzureichern. Den Anfang machte Etos-CSO Daniel Prause, der mithilfe von Daten erklärte, dass der Rückgang an online verkauften Schuhen differenziert betrachtet werden müsse. Zum einen lässt sich der Rückgang der Online-Verkäufe mit guter Planung eindämmen – und mit Etos-Produkten, wie Prause stolz präsentiert: So sei der Online-Handelsumsatz mit Bekleidung und Schuhen im aufgelaufenen Jahr bis Oktober im Schnitt um 17,5% zurückgegangen. Bei Etos-Anwendern, die Erix benutzen, lag der Umsatzrückgang jedoch nur bei 5,7%. Zum anderen steht dem Umsatzrückgang ein Preisanstieg pro verkauftem Paar Schuhe im Internet gegenüber. Der durchschnittliche Verkaufspreis im Internet ist in den ersten zehn Monaten 2023 auf 75 Euro gestiegen, 2022 lag er noch bei 64 Euro. Im stationären Handel haben die Erix-Anwender ihre Schuhe laut Prause im Schnitt für 49 Euro verkauft. Zwar sind die Bearbeitungskosten im Internet höher, doch bei einer angenommenen Retourenquote von 50% bleibt am Ende ähnlich viel Geld übrig. Beim lokal verkauften Schuh für 49 Euro wird eine Marge von 16 Euro erzielt, beim online verkauften Schuh für 75 Euro sind es 13 Euro. Potenziell kann die Marge im Online-Handel die im stationären Handel erreichte sogar übersteigen. Mit dem von Daniel Prause vorgestellten Channel-Lotsen kann berechnet werden, welche Warengruppen welcher Marken sich auf welchem Marktplatz besonders gut verkaufen lassen. Damit lässt sich die Retourenrate senken, was die Marge pro Schuh in dem Fallbeispiel laut Prauses Berechnungen auf bis zu 19 Euro steigern kann. „Dieser Anstieg der Durchschnittspreise im Online-Handel ist eine Entwicklung, die den Händlerinnen und Händlern zugutekommen kann“, so Prause: „Die höheren Durchschnittspreise liegen natürlich auch am neuen Provisionsmodell bei Zalando, aber das Umdenken strahlt auch auf die anderen Marktplätze ab.“
Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) wurde darüber hinaus prognostiziert, dass im ersten Halbjahr 2024 2,3% Paar Schuhe mehr verkauft werden als im ersten Halbjahr 2023. „Die Prognosen der KI haben sich mittlerweile als auf 10.000 Paar genau herausgestellt“, ordnete Prause ein. „Trotzdem bleibt es immer ein Korridor und es ist kein Orakel von Delphi, was die Auswirkungen von Ereignissen in der Zukunft voraussehen kann.“ Den Händlern soll die KI nicht nur mit Prognose helfen, sondern ihnen auch Arbeitsschritte abnehmen und damit direkt Kosten optimieren. Aufbauend auf dem Channel-Lotsen soll die KI automatisch Produkte in den Märktplätzen platzieren, die einen hohen Deckungsbeitrag versprechen. Außerdem können aus den Pricat-Inhalten Artikelbeschreibungen generiert werden. Während die Standardtexte der Hersteller von Google als Dubletten identifiziert werden und zur Abwertung führen können, seien die hier generierten Texte immer etwas anders formuliert. Zurzeit werde daran gearbeitet, auch aus den Bildern Informationen zu entnehmen, um sie von der KI interpretieren zu lassen.
Gute Produkte müssen gut kommuniziert werden
Mit einem Überblick über die jüngsten Entwicklungen beim ECE schloss Geschäftsführer Stefan Nicolai die Veranstaltung ab. Diverse Produkte sollen demnach zukünftig im ECC-Kundenportal ECC Port zusammengefasst werden. Dazu gehört unter anderen der aktuell auf den Markt kommende Service für elektronische Datenaustauschvereinbarungen Dave. Mit Dave können Datenaustauschvereinbarungen künftig übersichtlich eingesehen und mit einem Klick eingereicht, angenommen oder wieder aufgehoben werden. Das Hinund Herschicken und Unterschreiben von PDFs soll damit der Vergangenheit angehören. Auf der Content-Datenbank Spocc wurde die Anzahl an Inhalten laut Stefan Nicolai seit Januar verdoppelt. Allerdings sei das noch nicht bei allen Usern angekommen, so der ECC-Geschäftsführer. Er sei von einem Händler gefragt worden, wann Spocc fertig sei, obwohl es das Tool schon lange gibt. Künftig soll gezielter an der Kommunikation gearbeitet werden, um aufzuzeigen, welche Möglichkeiten Händler haben. Dafür wird Spocc nun per Schnellzugriff in Apollon integriert.