Trotz wachsender Attraktivität des Interaktiven Handels geht gut jeder zweite professionelle Recruiter davon aus, dass die Unternehmen künftig auch international suchen müssen, um Fach- und Führungskräfte zu finden. Der Boom im Onlinehandel treibt so die Personalkosten – und hat Auswirkungen auf die Arbeitskultur bei den Onlinehändlern. Das ergibt eine aktuelle Befragung unter spezialisierten Personalberatern durch den Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (BEVH) zusammen mit dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater e.V. (BDU).
Stellen im unteren und mittleren Management ab 40.000 Euro müssen heute mithilfe professioneller Personalberater besetzt werden. Der überwiegende Anteil der Recruiter wird inzwischen schon für Positionen ab einem Jahresgehalt von 60.000 Euro eingeschaltet. Zwar erwarten fast zwei Drittel der Personalberater, dass sich künftig mehr Bewerber dafür interessieren, im Online- und Multichannel-Handel zu arbeiten. Dennoch meinen nur 46% der Befragten, dass der Mittelstand künftig seinen Fachkräftebedarf im Inland decken kann, und nur 24% sehen die generellen Aussichten, in den kommenden fünf Jahren die offenen Fach- und Führungspositionen im E-Commerce zu besetzen, als „gut“ oder „befriedigend“ an.
Die BEVH-Umfrage zeigt auch, dass fast zwei Drittel der Unternehmensberater davon ausgehen, dass allein das Wachstum des Sektors E-Commerce zu einem Zuwachs an Bewerbern für Fach- und Führungskräfte führen wird. Da dies jedoch nicht zur Befriedigung der Nachfrage genügen wird, sind parallel Qualifizierungsmaßnahmen und Investitionen in die Ausbildung notwendig. Voraussichtlich ab dem Jahr 2018 wird der vom BEVH initiierte neue Ausbildungsberuf der ’E-Commerce-Kaufleute‘ eine neue Generation von Händlern zur Reife führen.
Typen gebraucht, aber Arbeitnehmer gesucht
Vergleicht man das definierte Profil eines Bewerbers mit den tatsächlichen Besetzungen, dann sind laut BEVH die Fachkompetenz sowie die Persönlichkeit ausschlaggebend. Dies zeigt auch das Anforderungsprofil der Unternehmen an die zu besetzenden Positionen. Die Top Five Anforderungen sind für 88% der Berater die Berufserfahrung, für 80% der Berater die Führungs- und Projekterfahrung, für 56% der Berater die Leistungsbereitschaft, für 40% der Berater die Sozialkompetenz und gleichauf der geforderte Gehaltsrahmen.
Befragt man Personalberatungen ob es den Kandidaten eher an Fach- oder Führungskompetenz fehlt, lautet die Antwort der Marktexperten: sowohl als auch. Wobei 62% der Beratungen angeben, dass bei der Besetzung von Führungspositionen die größeren Fehler gemacht werden. Eine nicht vorhandene Führungskompetenz ist bei Einstellungen häufig schwerer zu beurteilen als die Fachkompetenz.
„Die Ergebnisse der gemeinsamen Umfrage mit dem BDU brachten bereits erste fundierte Erkenntnisse, wie sich Arbeit 4.0 auf unsere Branche auswirken wird. Diese werden wir nutzen, um mit Branchenpartnern und unserem BEVH-Round Table Forschung und Lehre dem Thema Fachkräfte sowie Aus- und Weiterbildung im E-Commerce noch mehr Gehör zu verschaffen“, resümiert Christoph Wenk-Fischer, BEVH-Hauptgeschäftsführer.