Verblüffen, inspirieren, provozieren, suchen, herum-experimentieren, dabei immer ausgetretene Pfade verlassen und generell die Ansprüche sehr hoch setzen, um am Ende alles mit Gleichgesinnten zu teilen – so lautet das Credo der L’Eclaireur-Inhaber Martine und Armand Hadida. L’Eclaireur ist schon lange sehr erfolgreich im Geschäft und zweifelsohne eine feste Institution mit Kultstatus in der Stadt der Mode. Erfreulicherweise wächst das Universum kontinuierlich und weitere Shop-Eröffnungen gleichen einer Supernova – der Geburt eines Sterns. Für jeden neuen Laden wird eine eigene Welt kreiert. Seit der Firmengründung vor etwas mehr als 30 Jahren wurden insgesamt fünf extravagante Stores in Paris hervorgebracht. Am Anfang steht immer die Suche nach einem besonderen Ort, dessen Geschichte oft ins Konzept einbezogen wird.
Aus diesem Grunde wird mit hochkarätigen Kreativen kooperiert. Beispielsweise mit Arne Quinze. Der gefragte belgische Künstler, der schon vielerorts mit spektakulären Holz-Installationen für Aufsehen sorgte, entwickelte einen Korpus, der den Eingangsbereich des Ladens in der Rue de Sévigné beherrscht. Endlos viele gebogene Holzleisten erzeugen dort gleichermaßen Dynamik und Leichtigkeit. Auch mit Frankreichs Vorzeige-Designer Phillip Starck kam ein Projekt zustande. Im piekfeinen 8. Arrondissement, genauer im Hotel Royal Monceau, sollte etwas Einzigartiges entstehen. Das Ergebnis: Natürlich wieder ein großer Wurf: ’Le Royal Eclaireur‘, kann sich sehen lassen, denn er ist total anders, hat nichts mit einem Store gemein. Dieses Shopping-Highlight gleicht einer Luxus-Suite und entpuppt sich bei genauer Betrachtung als Anti-Boutique.
Männerwelt
Das komplette Stil-Universum für Männer ist im Marais zu finden. In der Rue Malher Nr. 12, wo sich vor Jahrzehnten eine kleine Bürsten-Fabrik befand, gibt es heute Mode vom Feinsten. Anhand von alten Fotos wurde der Industrie-Charme dieser Location rekonstruiert. Etwas düster und rough erscheint der Laden im ersten Moment, doch es wird viel mit indirektem, aber auch natürlichem Licht gespielt. Das alte Oberlicht, zentral im hinteren Bereich der Fabrikationshalle gelegen, ist ein toller Blickfang, gerade auch wegen des merkwürdigen Kronleuchters, der interessanterweise aus vielen alten Bürolampen besteht.
Gebrauchsspuren aller Art bestimmen die Gesamtoptik dieses Stores: Alte Holzdielen, wuchtige Metallschränke und Regale, ausrangierte Schreibtische und Stühle – fast alles stammt von Flohmärkten. Funktionalismus ist Trumpf: Verputzte schlichte Wände wechseln sich mit freigelegtem Mauerwerk ab, Belüftungsschächte verlaufen sichtbar unter der Decke. Sehr auffällig sind die vielen Vitrinen, die für die Präsentation diverser Accessoires und Schuhe reserviert wurden, um ihnen so besondere Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen. Auf schlichten Kleiderstangen tummelt sich die restliche Ware. Als Überraschung gibt es noch eine Duftecke. Körper- und Raumdüfte, Kerzen und dergleichen stehen in altem Labor-Mobiliar zum Testen und zum Kauf bereit.
Bühne für Neues
Dem ambitionierten Inhaber-Paar geht es selbstverständlich auch im Männerstore darum, ihren Kunden die einzelnen Visionen innovativer Designer näher zu bringen und viel versprechendem Nachwuchs eine Chance zu geben. Unnötig zu erwähnen, dass beide ständig der Ehrgeiz antreibt, neue Kult-Labels möglichst als erster im Store anzubieten. L’Eclaireur arbeitet deshalb ständig an der Front, spürt neue Trends und Talente auf. Die Liste ihrer Entdeckungen ist lang: Girbaud, Dries Van Noten, Martin Margiela, Balmain Homme, Damir Doma, Franck Boclet, Thom Browne, Roberto Collina, John Bull, If Six Was Nine, Golden Goose, Giorgio Brato, Nigel Cabourn, Side Slope, Piet Hein Eek, Moncler, Fabio Quaranta etc.
www.leclaireur.com