Die Messe Innatex für nachhaltige Mode fand vom 18. bis 20. Juli 2026 in Hofheim statt. Die Branche stellt sich der angespannten wirtschaftlichen Lage mit Realismus und Pragmatismus, fasst Projektleiter Alexander Hitzel die Stimmung auf der Messe zusammen: „Die im Handel wahrgenommene Kaufzurückhaltung der Konsumentinnen und Konsumenten ist natürlich Thema. Niemand erwartet derzeit einen großen Wurf, aber die Branche zeigt sich konstruktiv und bereit, die nötigen Maßnahmen umzusetzen. Sie weiß zu schätzen, dass die Messe ein verlässlicher Partner ist. Auch wir erkennen neue Anforderungen und gehen sie an.“ Der Kidsbereich habe sich rückläufig gezeigt, zeitgleich steige das Interesse internationaler Brands. Die Messe wird den Blick deshalb verstärkt auf bekannte und internationale Neuzugänge setzen und ihr Angebot im Messecenter Hofheim Rhein-Main künftig neu clustern. Der Veranstalter Muveo will das Retail Summer Camp weiter ausbauen und enger mit strategischen Kooperationen und Kampagnen verknüpfen.
Der Verband Deutscher Mode- und Textildesigner (VDMD) verlieh im Rahmen der Messe seinen Design Award für nachhaltige Kollektionen an Vaude, Jan’n June, Wote und Sweersocean. Die Laudatio hielt Dr. Jürgen Janssen, Generalsekretär des Rats für Nachhaltige Entwicklung. Seiner Ansicht nach müssten Unternehmen in der herausfordernden Zeit auf ihrem nachhaltigen Kurs bleiben: „Wir brauchen jetzt Unternehmen, die Kurs halten. Der Gegenwind, den wir derzeit bei vielen Nachhaltigkeitsthemen wahrnehmen, wird sich wieder drehen. Wir reden schließlich nicht nur von Kosten, sondern auch von einem Nutzen, der sich etwa in der höheren Qualität und Langlebigkeit zeigt. Und dass der Einsatz nachhaltiger Rohstoffe sowie Transparenz und Fairness in der Lieferkette weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhalten als noch vor wenigen Jahren, heißt in keiner Weise, dass diese Themen irrelevant wären, auch betriebswirtschaftlich. Diese Werte werden wieder an Bedeutung gewinnen. Man hat es eben buchstäblich mit Moden zu tun, die sich ständig verändern. Ich bin davon überzeugt, dass Unternehmen wie die, die auf der Innatex ausstellen, zukunftsfähig sind.“
Im Expertengespräch ging es um die kommenden Vorgaben im Rahmen der EmpCo. Ronja Hüttinger, Nachhaltigkeitsberaterin von Bam Bock auf Morgen, sieht in der EmpCo eine Chance für aufrichtig nachhaltige Brands: „Bei der EmpCo geht es darum, dreisten Umweltlügen ein Ende zu setzen. Statt Pauschalaussagen zählen jetzt konkrete, belegte Angaben. Unternehmen, die über Jahre viel Herzblut in ihre Produkte gesteckt haben, die mit Naturfasern arbeiten, fair produzieren und recyceln, sind klar im Vorteil, denn sie kennen ihre Lieferkette. Genau diesen Vorteil haben die großen Player nicht: Ihnen fehlen die Nachweise. Die EmpCo darf auf keinen Fall zu Greenhushing führen. Im Gegenteil, sie soll den Unterschied zwischen echter gewissenhafter Arbeit und Greenwashing endlich sichtbar machen.“