Der Schuh- und Modehandel steht vor einer Phase, in der Nachhaltigkeit nicht mehr nur ein Profilierungsfeld ist, sondern zur operativen Pflicht wird. Für viele Unternehmen dürfte dabei weniger die grundsätzliche Zielrichtung belastend sein als die praktische Umsetzung. Und das ist für Sönke Padberg, Geschäftsführer des BTE Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren (BTE), schon gleich eines der größten Probleme. Für Handel wie Industrie drohe „ein unfassbarer Bürokratieaufwand“ – verbunden mit „massiven weiteren Kosten“. Zwar sieht der Experte auch Chancen. Aktuell überwiege aber „das Problem der Kosten, der Umsetzung und auch der Finanzierung“.
Besonders kritisch bewertet der Verband die nach wie vor fehlende Praxisnähe vieler Vorgaben. Padberg spricht von einer „sehr heterogenen Informationsdichte bei den Ministerien und Verantwortlichen auf der Entscheiderseite“. Handlungsempfehlungen seien schwer in die Realität von Geschäften, Lieferketten und Produktionsabläufen zu übersetzen. „Das macht uns am allermeisten Sorge, weil damit auch realitätsferne Entscheidungen getroffen werden können“, so Padberg.
Ein weiteres Problem ist für die Schuhbranche nach wie vor ungelöst: Sie wird politisch häufig gemeinsam mit Textilien behandelt. „Für das Ministerium geht es um das Thema Mode“, sagt Padberg. Die darin liegende Herausforderung ist bekannt: Schuhe haben andere Produktionszyklen, bestehen aus vielfältigen Materialien und Komponenten, erfordern Recyclingoptionen und haben – auch das ist relevant – in der Regel ein anderes Gewicht. „Ein Paar Schuhe wird meist mit Mustergröße berechnet. Das sind in etwa 700 Gramm“, erklärt Padberg. Wenn künftig in Recycling- oder Entsorgungsmodellen Gewichtsangaben relevant werden, könne dies zu einer Schieflage führen: „Dann ist das natürlich bei Schuhen ein ganz anderes Gewicht als bei leichten Textilien.“ Ein zentrales Thema, mit dem sich der BTE befasst und das für Handel und Industrie hochrelevant ist, ist die Erweiterte Herstellerverantwortung, kurz EPR. Sie verpflichtet Hersteller bzw. Inverkehrbringer, Verantwortung für die Finanzierung und Organisation der Sammlung, Sortierung und Verwertung ihrer Produkte am Lebensende zu übernehmen. Für Händler ist wichtig: Eine Rücknahme im Geschäft soll nach aktuellem Stand freiwillig bleiben. „Man kann diesen Service anbieten, muss es aber nicht“, erklärt Marika Hanschke, beim BTE Expertin für EPR und Kreislaufwirtschaft. Dennoch könne es sinnvoll sein, das Thema aktiv anzugehen. Der Verband setzt sich dafür ein, dass Sammelleistungen des Handels im zukünftigen EPR-System berücksichtigt werden und dadurch sowohl Herstellern als auch Händlern einen Kostenvorteil ermöglichen. „Dann wäre es natürlich smart für den Händler beziehungsweise Hersteller, selbst in seinen Läden auch zu sammeln“, so Hanschke.