Sein 20. Jubiläum wird das Fachmarktkonzept Myshoes noch erleben, an große Feierlichkeiten wird jedoch kaum zu denken sein. Deichmann bestätigte gegenüber schuhkurier, dass die Filialen der seit 2004 betriebenen Tochter Myshoes bis Ende 2024 geschlossen werden. Betroffen sind 61 Filialen in Deutschland und 29 Filialen in Österreich. Dazu gehören auch Dielmann-, Rohrmeier-, Braunund Geier-Standorte.
Das Konzept habe sich trotz vieler Bemühungen als nicht rentabel erwiesen, so ein Deichmann-Sprecher: „Trotz jahre- langer umfangreicher Investitionen, Sortimentsanpassungen, Profilschärfungen und Optimierungsprogramme mussten wir feststellen, dass das Geschäftsmodell als Allround-Anbieter im Mittel- preissegment leider langfristig nicht wirtschaftlich zu betreiben ist.“ Bereits beim Richtfest am neuen Verwaltungsgebäude in Essen beschrieb Heinrich Deichmann im Gespräch mit schuhkurier, „dass die Menschen noch genauer aufs Geld gucken. Dies hat vor allem den mittleren Preisbereich im Textil- und Modehandel sehr stark getroffen.“
Stimmen aus der Industrie
Nun ist also das eigene Konzept betroffen, das Markenschuhe in eben jenem Preisrahmen anbietet. Für die betroffenen Lieferanten wird mit 90 Filialen auf je 400 bis 600 qm Verkaufsfläche ein großer Abnehmer wegfallen. In einem schuhkurier vorliegenden Schreiben erklärt Myshoes, die Übernahme bereits platzierter Aufträge bzw. Lieferungen für F/S und H/W 2024 erfolge wie gewohnt und vereinbart.
„Die Meldung über die Schließung der Myshoes-Geschäfte ist eine bedauerliche Entwicklung in der Handelslandschaft, vor allem für die Mitarbeitenden“, erklärt dazu Ricosta-Vertriebsleiter Kai Moewes, der jedoch optimistisch bleiben will: „Ich bin mir sicher, dass es Händler geben wird, die mit kreativen Lösungsansätzen in der Lage sein werden, diese Entwicklung für das eigene Geschäftsmodell positiv zu nutzen.“ Auch Anna Carbonari, Vertriebsleiterin für Legero und Superfit, hofft, dass das Myshoes-Aus aufgefangen wird: „Myshoes ist ein langjähriger und geschätzter Partner unseres Unternehmens. Da sich Myshoes zuletzt vermehrt auf die Platzierung seiner konzerneigenen Marken konzentriert hat, wurde in unserer aktuellen Umsatzplanung bereits ein entsprechend geringeres Myshoes-Volumen eingeplant. Dennoch ist der Wegfall ein erneuter herber Schlag in der deutschen und österreichischen Handelslandschaft und Absatzkanal-Vielfalt. Im Myshoes-Filialnetz befinden sich viele attraktive Standorte. Wir hoffen, dass einige dieser guten Flächen unter neuen, engagierten Betreiberinnen und Betreibern erfolgreich weitergeführt werden.“
Ralf Grossmann, Geschäftsführender Gesellschafter von Gerli, versteht die Entscheidung: „Natürlich ist es schade um jedes Schuhgeschäft oder jeden Filialisten, der schließt. Aber ich habe allerhöchsten Respekt vor der Entscheidung, eine Filialkette zu schließen, wenn sie aus kaufmännischer Sicht nicht mehr rentabel betrieben werden kann. Es gab ja unlängst genügend Beispiele, wo die Unternehmen in die Planinsolvenz geführt werden. Und der Lieferant zahlt am Ende die Rechnung. Der Markt steht vor großen Herausforderungen, die nicht durch Misswirtschaft hervorgerufen wurden, sondern es sind immer die nicht planbaren äußeren Umstände, die am Ende das Betriebsergebnis nach unten führen. Der Markt wird sich auf beiden Seiten konsolidieren und vielleicht macht es denen, die das überleben, am Ende mehr Spaß, wenn die Bereinigung abgeschlossen ist.“
Erst Ende 2020 expandiert
Myshoes startete 2004 als mittelpreisiges Fachmarktkonzept von Deichmann, 2014 folgte die Ausgründung als eigenständige Gesellschaft. 2015 expandierte Myshoes mit dem Einstieg in den österreichischen Markt und erst 2020 wuchs das Portfolio weiter an. Zum einen wurden sechs Filialen der anderen Deichmann-Mittelpreistochter Roland übernommen, die damals aufgegeben wurde. Zum anderen wurden im Dezember 2020 acht Standorte der ehemaligen Dielmann-Gruppe übernommen, die sich zu der Zeit in einem Schutzschirmverfahren befand. Dass sich Deichmann nicht davor scheut, nicht-rentable Konzepte zu schließen, auch wenn kurz zuvor noch investiert wurde, zeigte sich zuletzt bei Onygo. Bei Onygo wurde noch im Juni 2023 eine Filiale eröffnet, im Oktober wurde das baldige Ende des Konzepts angekündigt. Ebenso wie beim Onygo-Aus versichert Deichmann, dass sozialverträgliche Lösungen für die 600 Mitarbeitenden in Deutschland und die 150 Mitarbeitenden in Österreich gefunden werden sollen.