schuhkurier: Herr Haslbeck, wie hat sich Birkenstock im ersten Halbjahr 2013 behauptet?
Rudy J. Haslbeck: Das erste Halbjahr ist ganz ordentlich gelaufen, obwohl das Wetter uns nicht gerade in die Hände gespielt hat. Die Verkaufszahlen liegen trotzdem leicht über Vorjahresniveau. Hier sehen wir auch die ersten Ergebnisse unserer Marktoffensive.
sk: Auf welchen Märkten ist Birkenstock derzeit besonders erfolgreich?
R.J.H.: Unsere Schuhe werden in 80 Ländern der Welt verkauft. DACH und EMEA laufen derzeit besonders gut. Wir werden aber unsere vertriebliche Schlagzahl in den nächsten ein, zwei Jahren auch in den anderen Märkten deutlich erhöhen.
sk: In Modekreisen herrscht aktuell geradezu ein Hype rund um Birkenstock. Wie begleiten Sie diese Entwicklung?
R.J.H.: Die gute Nachricht ist – dieser Hype ist nicht künstlich gemacht, wir verdanken ihn vielmehr Millionen von begeisterten Birkenstock-Trägern in aller Welt. Aber natürlich versuchen wir diesen Trend auch in unserer Kommunikation zu begleiten. Deshalb haben wir den Bereich Kommunikation auch aufgewertet und personell verstärkt. Und natürlich werden wir die Themen Wellness und Fashion intensiver spielen, um neue Zielgruppen zu erobern. Es geht uns dabei aber um eine Neuakzentuierung und nicht etwa um einen radikalen Kurswechsel. Unsere Devise bleibt ‘Fashion follows Function’.
sk: Was sind die wichtigsten Themen für F/S 2014?
R.J.H.: Ganz oben auf unserer Prioritätenliste steht die Straffung der Gesamtkollektion – wir haben Überschneidungen zwischen den Kollektionen beseitigt, sie klarer ausgerichtet und die Modellvielfalt entsprechend den Marktanforderungen verringert. Daneben haben wir uns vorgenommen, den Markt positiv zu überraschen und die Birkenstock-Kollektion um einige Elemente zu bereichern. Drei Themen werden die F/S-Kollektion 2014 besonders prägen: Erstens wird unsere Classic-Kollektion mit zeitgemäßen Pop-up Colours modischer und attraktiver. Zweitens werden wir getreu dem Motto ‘Attention to Detail’ verstärkt auch mit optisch und haptisch hochwertigen Materialien arbeiten. Und drittens planen wir Kooperationen mit ausgewählten Designern und Marken.
sk: Das Segment der Komfortschuhe wird als potenzielles Wachstumsfeld für den stationären Schuhhandel bezeichnet. Was muss der Handel tun, um die Chancen zu nutzen?
R.J.H.: Viele angestammte Fachhändler tun sich hierzulande gerade bei unseren Standardartikeln wie Madrid, Arizona, etc. schwer die Chancen zu nutzen, die neue Farben und Materialien bieten. Da sind andere Ländern wie etwa Italien schon weiter. Hinzu kommt, dass Komfortschuhe am POS oftmals versteckt im Hintergrund präsentiert werden. Dabei erleben wir doch, dass das Thema Komfort immer mehr an Gewicht gewinnt. Ein Fokus am POS auf zentralen Flächen wird das Thema deutlich pushen. Gute Beratung, mit qualifiziertem, informiertem und motiviertem Verkaufspersonal ist bei Komfortschuhen besonders wichtig und erhöht die Verkaufschancen.
sk: Was ist im Schuhbusiness wichtiger: Beständigkeit oder Innovation?
R.J.H.: Es kommt auf die richtige Mischung an. In unserer schnelllebigen Zeit ist eine beständige Marke der Fels in der Brandung. Der Konsument muss sich auf das Markenversprechen verlassen können. Heute, morgen, immer. Als Traditionsmarke mit fast 240-jähriger Geschichte tun wir uns da sicher leichter. Gleichzeitig müssen Kollektion und Produkte die notwendige Innovation aufweisen, um den steigenden Konsumenten-Ansprüchen zu genügen. Deshalb arbeiten wir im Moment auch mit Hochdruck an einer Weiterentwicklung unserer Kollektion.
sk: Welche Rolle spielt EDI für Birkenstock?
R.J.H.: Birkenstock ist seit längerem in der Lage, den elektronischen Austausch von Daten über das EDI anzubieten. Für uns ist das ein wichtiges Tool, um Prozesse zwischen uns und unseren Kunden effizienter und effektiver zu gestalten. Aktuell bauen wir das Thema EDI deshalb weiter aus.
sk: Wie bewerten Sie die Entscheidung der GDS, die Messe ab Sommer 2014 als Auftaktveranstaltung zu positionieren?
R.J.H.: Wir begrüßen diese Entscheidung sehr. Damit wird die GDS ihrem Anspruch, die europäische Leitmesse der Schuhindustrie zu sein, gerecht.
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