Karl Müller: Wir arbeiten zunehmend auch erfolgreich mit Sanitätshäusern zusammen. Diese Art von Geschäften machen derzeit einen aktiven Wandel durch. Viele von ihnen führen inzwischen innovative und attraktive Produkte. Unser Vorzeigepartner in Berlin, das „Haus der guten Taten“, beweist uns, dass Fachgeschäfte, welche auf empathische Beratung setzen, im Zeitgeist sind. Der Schuhfachhandel hat diesbezüglich Nachholbedarf.
Was erwarten Sie vom weiteren Jahresverlauf?
Karl Müller: Es wird ein herausforderndes Jahr für unseren Partner und uns werden. Wir können die Welt da draußen nicht ausblenden, aber wir können unsere Segel danach stellen. Wir erwarten, dass es in der Gewinnung von neuen Partnern schwieriger wird und wir eine Durststrecke vor uns haben. Es bleibt uns als Unternehmer aber nichts anderes übrig, als weiterhin All-In in die Entwicklung der Marke zu investieren; wir sind überzeugt, dass dieser Mut den weiteren Jahresverlauf positiv prägen wird.
Claudio Minder: Ganz konkret investieren wir im Frühjahr viel Geld ins Marketing und in die Werbung, vor allem in Deutschland. Wir investieren so viel wie noch nie. Wir sind schon gefragt worden, ob wir sicher sind, so viel Geld in die Werbung zu stecken – weil ja nicht klar ist, was dabei herauskommt. Aber wir möchten antizyklisch denken. Wir sind mutig und gehen diesen Weg mit dem Ziel, jetzt einen Fußabdruck zu hinterlassen. Wenn sich die Lage entspannt und alle investieren, ist die Wirkung von Werbung geringer. Darum probieren wir jetzt etwas, das spannend sein könnte. Ob diese Wette aufgeht, werden wir im Sommer sehen.
Wo sehen Sie in diesem Jahr die größten Herausforderungen für Kybun Joya?
Karl Müller: Als inhabergeführtes Unternehmen ist die größte Herausforderung unser persönlicher Mindset. Ich weiß, dass schon morgen alles anders sein kann, und trotzdem will ich zu 100% an eine erfolgreiche Zukunft glauben und alles dafür investieren. Die Fähigkeit, diese Ängste ausblenden zu können, ist aktuell meine größte persönliche Herausforderung.
Claudio Minder: Eine andere Herausforderung besteht darin, dass sich heute alles schneller dreht. Früher waren die Zyklen sehr lang. Wir können heute nicht mehr zwei Jahre in die falsche Richtung gehen. Schon ein halbes Jahr kann für ein Unternehmen bedrohlich sein. Das ständige Hinterfragen und neu Ausrichten, davor habe ich Respekt. Es ist wichtig, dass wir immer flexibel und schnell genug sind, um die Veränderungen richtig zu interpretieren.
Karl Müller: Ich glaube auch an die Kontrolle der Gier nach mehr, dass wir die passende Umsatz- und Absatzgröße für unser Unternehmen finden und halten. Ein Baum kann auch nicht kontinuierlich in die Höhe wachsen, bis er 200 m groß ist – denn er würde umkippen. Er muss zur richtigen Größe finden, um lange bestehen zu können.
Claudio Minder: Die Zeit arbeitet für uns. Die Menschheit wird älter, immer mehr Menschen erleben durch unsere Produkte nachhaltige Linderung. Solange wir ein echtes Bedürfnis der Menschen lösen, haben wir auch eine Existenzberechtigung.