Jetzt gilt’s. Reno soll wieder in die Spur kommen. Keine leichte Aufgabe. Bei der ehemaligen Nummer Zwei des deutschen Schuhhandels gibt es viele Baustellen. Große und kleine. Vor rund ein Jahr ging der Verkauf der Hamm Reno Group über die Bühne. Seit dem gibt in Osnabrück der neue Mehrheitsgesellschafter Capiton den Ton an. Zunächst blieb auch Dr. Matthias Händle an Bord. Mittlerweile hat der langjährige HR-Chef das Unternehmen jedoch ebenso verlassen wie der Jens Rauschen, der als Retail-Geschäftsführer für die Entwicklung von Reno verantwortlich war. Ihre Posten übernahmen der Ex-Deichmann-Manager Wolfram Hail und Retail Experte Michael Stoll. Sie sollen es nun richten.
Leicht haben es die beiden nicht. So musste Hail im Juni schmerzhafte Einschnitte beim Personal bekannt geben. Vor allem die Zentrale in Osnabrück traf es mit der Schließung der Logistik und dem Chemielabor hart. Mit den Stellenstreichungen ist der Umbau der HR Group jedoch noch längst nicht abgeschlossen. Beim Filialisten Reno fehlte in den vergangenen Jahren ein klares Konzept. Das Rekordjahr 2010, in dem alles passte und die Umsätze in der gesamten Branche nach oben schossen, war rückblickend nicht hilfreich. Die Pluszahlen haben viele Probleme übertüncht, die schon damals bestanden. Und die sich heute, in der Phase der Konsolidierung und Neuausrichtung, als Ballast erweisen. Nachholbedarf besteht in vielen Bereichen. Dazu gehören die Definition von Zielgruppen, die Filialund Sortimentsstruktur, der Ladenbau und der Reno-Onlineshop. Reno kommt spät aus den Startblöcken. Die allgemeine Entwicklung des Marktes sorgt für zusätzlichen Druck. Andere Unternehmen wie Leder & Schuh und Görtz, die vor ähnlichen Herausforderungen standen, scheinen in ihrer Bemühungen weiter zu sein. Es spricht jedoch für Michael Stoll, dass er nicht öffentlich auf seine Vorgänger zeigt. Stoll nimmt die Verantwortung an. Unter seiner Leitung wurde in den vergangenen Monaten zunächst an den Grundlagen gearbeitet. So wurde ein Maßnahmenkatalog erstellt, der nun Schritt für Schritt umgesetzt werden soll. Die Zeit läuft. Mehr Unterstützung beim Umbau des Unternehmens dürften sich die Verantwortlichen in Osnabrück im Übrigen vom Minderheitsgesellschafter Flo, ehemals Ziylan, erwartet haben. Bislang haben sich kaum Synergien aus der Zusammenarbeit mit dem Schuhkonzern aus der Türkei ergeben. Das hatte sich im Frühjahr 2016 noch ganz anders angehört. Damals hatte Flo-Boss Mehmet Ziylan das Ziel ausgegeben, dass innerhalb von drei Jahren zehn Mio. Paar Schuhe für Reno in den türkischen Fabriken der Gruppe produziert werden sollen. Davon ist heute keine Rede mehr.