Drittstaatenplattformen wie Temu, Shein, Aliexpress oder Tiktok Shop sind längst kein Nischenthema mehr. Für viele Handelsunternehmen stellen sie einen wachsenden Wettbewerbsfaktor dar, während sie für einige bereits als zusätzlicher Vertriebskanal dienen. Das zeigt eine Befragung von Ibi Research an der Universität Regensburg unter 56 Handelsunternehmen aus dem DACH-Raum.
Demnach vertreiben 25 % der befragten Unternehmen ihre Produkte über mindestens eine dieser Plattformen, während 75 % darauf verzichten. Die Nutzung ist damit noch nicht flächendeckend etabliert, zugleich zeigt sich eine klare Polarisierung im Markt.
Als Hauptmotiv für die Nutzung nennen 64 % der aktiven Unternehmen die Erschließung neuer Kundengruppen. Jeweils 57 % geben an, von den Plattformen direkt angesprochen worden zu sein oder dort bereits ihre Zielgruppe zu sehen. 43 % nutzen die Kanäle aus Neugierde.
Der Einstieg wird überwiegend als unkompliziert beschrieben: 57 Prozent bewerten den Prozess von der Registrierung bis zum ersten Listing als „sehr einfach“, weitere 21 % als „einfach“. Gleichzeitig berichten 21 % von Schwierigkeiten, etwa durch Sperrungen, Zertifikatsanforderungen oder Probleme bei der Verifikation.
Innerhalb der Nutzergruppe fällt das Fazit überwiegend positiv aus: 69 % würden die Plattformen weiterempfehlen. Dennoch bleibt die Skepsis groß – insbesondere bei Unternehmen, die bisher bewusst auf eine Nutzung verzichten.
Als wichtigste Gründe gegen eine Präsenz nennen diese ein schlechtes Image, Zweifel an Qualität und Reputation sowie rechtliche Unsicherheiten. Auch ein aus ihrer Sicht fehlendes stimmiges Vertriebsmodell spielt eine Rolle. 45 % der Nicht-Nutzer wurden bereits von Plattformen kontaktiert, lehnten jedoch ab.
„Zwar erscheint der Einstieg für viele Unternehmen einfach, zentral ist jedoch die Frage, welche Signale gegenüber Kundschaft und Markt mit einer Präsenz auf diesen Plattformen verbunden sind. Des Weiteren berichten bisher nur wenige Unternehmen, die die Plattformen als Vertriebskanal nutzen, dass hohe Stückzahlen abgesetzt werden“, so Ibi-Geschäftsführer Dr. Georg Wittmann.
Mit Blick auf die Zukunft bleibt die Zurückhaltung groß: 41 % können sich einen Verkauf über Drittstaatenplattformen „in keinem Fall“ vorstellen, weitere 37 % halten ihn für „eher unwahrscheinlich“.
Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck: 31 % der Unternehmen geben an, bereits Kundinnen und Kunden an diese Plattformen verloren zu haben, weitere 19 % erwarten dies künftig. Damit sieht rund jedes zweite Unternehmen ein entsprechendes Risiko.
„Trotz der kleinen Stichprobe legen die Ergebnisse nahe, dass Drittstaatenplattformen als Wettbewerbsfaktor an Bedeutung gewinnen, als Vertriebskanal jedoch weiterhin nur selektiv genutzt werden. Ob ein Verkauf über die Plattformen sinnvoll ist, hängt maßgeblich von Faktoren wie Positionierung, Markenlogik und Qualitätsversprechen ab“, fasst Wittmann zusammen.
Die Gesamtergebnisse der Befragung stehen kostenlos unter ibi.de/drittstaatenplattformen zum Download zur Verfügung.