Mit dem Projekt “Zukunft des Handels” will Ebay Einblicke in die langfristigen Trends beim Ein- und Verkaufen geben. Dabei beleuchten Umfragen, Expertenhearings und Workshops verschiedene Aspekte des Handels. In einer repräsentativen Online-Konsumentenbefragung wurden im Juni 2012 1.005 Personen ab 18 Jahren von dem Marktforschungsinstitut Innofact AG zu ihrem aktuellen Einkaufsverhalten und ihren Einschätzungen zu künftigen Veränderungen befragt. Parallel erarbeiten Experten zahlreiche Thesen für die Zukunft des Handels. Darunter sind Prof. Dr. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein, Thomas Bendig vom Fraunhofer Verbund für Informations- und Kommunikationstechnologie und Robert A. Wieland, Geschäftsführer von TNS Infratest GmbH.
Verschwindet der stationäre Handel? Jein! – so lautet das Ergebnis der Studie “Die Zukunft des Handels”. Die Ergebnisse der begleitenden Konsumentenbefragung legen nahe, dass vor allem Ticketshops und Musikläden zukünftig der Vergangenheit angehören könnten.
72% der Verbraucher sagen voraus, dass sie Tickets in Zukunft nur noch per Handy oder Computer kaufen werden. Mehrheitlich sind Konsumenten auch bei elektronischen Medien (65%), Reisen (57%) und Büchern (55%) dieser Ansicht. Insgesamt wird der Anteil des Online-Kaufs bei allen Produkten weiter zunehmen: Während Verbraucher eigenen Schätzungen zufolge heute 41% der Produkte online erwerben, gehen sie davon aus, dass dieser Anteil zukünftig bei 46% liegen wird.
Der mobile Handel wird voraussichtlich noch beträchtlicher wachsen: Er wird Verbraucherschätzungen zufolge von 3 auf 11% steigen. Fast die Hälfte der Konsumenten (45%) kann sich vorstellen, in Zukunft nur noch online und mobil einzukaufen. Diese Bereitschaft wird mit schnelleren Lieferzeiten steigen: 60% der Verbraucher gaben an, dass sie öfter online oder mobil bestellen würden, wenn die Ware noch am gleichen Tag geliefert würde.
Stationärer Handel bleibt
Die Handelsexperten stimmen darin überein, dass Konsumenten bestimmte Güter zukünftig gar nicht mehr im Ladengeschäft erwerben werden: Bücher, Filme und Musik beispielsweise werden dann nur noch digital gehandelt und konsumiert.
Einigkeit zwischen Experten und Verbrauchern besteht jedoch auch darin, dass Ladengeschäfte nicht verschwinden werden. Bestimmte Produkte wird der Konsument nach Ansicht der Handelsexperten weiterhin vor dem Kauf sehen, fühlen und testen wollen. Verbraucher selbst gehen davon aus, dass vor allem Lebensmittel (89%), Fahrzeuge und Zubehör (85%), Möbel (85%) sowie Kleidung, Schuhe und Schmuck (78%) auch in Zukunft noch stationär erworben werden.
Die Verschmelzung der sich ergänzenden Verkaufskanäle hat nach Meinung der Verbraucher auch Auswirkungen auf das Servicepersonal im Einzelhandel: Die Verbraucher sind mehrheitlich der Auffassung, dass das Personal in stationären Läden in Zukunft noch serviceorientierter sein muss (63%), noch besser beraten können muss (59%) und noch mehr über die angebotenen Produkte wissen muss (58%).
Geschäfte werden Showrooms
Reale Geschäfte werden sich mehr und mehr zu Showrooms entwickeln, in denen neuartige Präsentations- und Interaktionstechniken zum Einsatz kommen werden. Diese Entwicklung hält fast die Hälfte der Verbraucher (48%) für realistisch, ein weiteres Viertel (28%) hält sie für möglich.
Prof. Dr. Alexander Brem von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen erklärt: “Je aufwändiger und emotionaler das Produkt, desto eher wird der Kunde vor dem Kauf einen Laden aufsuchen. Geschäfte werden sich immer kreativere Mittel einfallen lassen müssen, um Kunden anzulocken und ihnen damit einen richtigen Erlebniseinkauf zu bieten. Der Kunde kann vor Ort alle Produkte testen, und sich für eines entscheiden, ohne alles nach Hause tragen zu müssen. Denn direkt nach dem Kauf wird ihm der Einkauf unmittelbar aus dem Zentrallager zugeschickt, und das noch am selben Tag. Das wird für die Unternehmen auf Dauer billiger sein, als zu jeder Zeit alle Produkte vorrätig zu haben – und für die Konsumenten komfortabler.”
In Zukunft wird dieses Modell vor allem durch schnellere Lieferzeiten praktikabel sein. In Großstädten halten die Experten und auch die Mehrheit der Verbraucher (70%) eine Lieferung innerhalb weniger Stunden für möglich. So ist es nach Meinung der Experten sehr gut vorstellbar, dass die ersten Tüten schon zu Hause stehen, wenn man vom Einkaufsbummel zurückkehrt.
Kunden mobil informieren
Bereits heute können Verbraucher im Ladengeschäft über ihr Mobiltelefon zusätzliche Produktinformationen abrufen. Bei den Konsumenten kommen diese Technologien gut an:
60% der Verbraucher haben bereits mindestens einmal mit dem Mobilfunkgerät Barcodes gescannt, ein gutes Viertel der Befragten (27%) bereits mehrfach. Fast jeder dritte Mann (32%) und etwa jede fünfte Frau (21%) nutzt häufiger Barcode-Scanner, Menschen unter 46 Jahren (21%) eher als ältere (18%). Etwas weniger vertraut sind die Konsumenten mit QR-Code-Scannern. Fast die Hälfte der Verbraucher (48%) hat bereits mindestens einmal QR-Codes gescannt, jeder Fünfte griff schon mehrfach auf diese Anwendung zurück. Jeder vierte Mann (26%) und jede achte Frau (12%) gab an, oft QR-Code-Scanner zu nutzen.
Die Experten sagen voraus, dass “Augmented Reality” zukünftig ein wichtiger Bestandteil des Einkaufs sein wird: Denkbar wäre es z. B., dass Verbraucher zukünftig direkt vor dem Ladenregal mit einem Schwenk ihres Mobiltelefons den individuellen Preis erfahren, der ihnen dank Treuekarte zusteht, oder personalisierte Produkthinweise abrufen können.
Verbraucher sind Neuerungen im Bereich der Augmented Reality gegenüber sehr aufgeschlossen: Mehr als drei Viertel der Befragten halten es für möglich, dass sie in Zukunft Produkte oder Bilder in ihrer Umgebung mit dem Mobiltelefon scannen können, um zusätzliche Informationen zu erhalten (78%). Auch eine Applikation, die auf Basis einzelner Elemente eines Outfits Vorschläge zu Kombinationsmöglichkeiten gibt, ist für die Mehrheit der Verbraucher realistisch (68%). In Zukunft virtuell Kleidung anprobieren zu können, hält die Hälfte der Verbraucher für möglich. Die Grenzen der Augmented Reality liegen für Konsumenten in der Einbindung des Tastsinns: Nur 15% der Konsumenten können sich vorstellen, dass Produkte mit dem Mobiltelefon auch haptisch fühlbar sein werden.
Produkte werden individuell
Aus Sicht der Experten wird sich der Handel in den kommenden Jahren weiter rasant verändern. Robert A. Wieland von der TNS Infratest GmbH zufolge werden diese Veränderungen vor allem durch die Verbraucher getrieben: “Ich finde es sehr spannend, wie sich der Handel zunehmend den Bedürfnissen der Verbraucher nach zeitlicher und räumlicher Flexibilität anpasst. Meiner Meinung nach werden auch Produkte in Zukunft immer individueller werden. Zunächst durch die vom Konsumenten gestaltete ,on-demand-production’. Beispielsweise wird es individuelle Medizinprodukte geben, die jeweils für ein bestimmtes Individuum auf Basis seiner Gene entwickelt werden”, so Wieland.
Martin Tschopp, Geschäftsführer von Ebay in Deutschland, sagt: “Der Handel wird sich in den nächsten drei Jahren stärker verändern als in den vergangenen 15 Jahren. Wir stehen an einem Wendepunkt. Es entsteht ein neues Handelsumfeld, das verbraucher- und technologiegetrieben ist. Als eine der führenden Handelsplattformen weltweit unterstützen wir Händler mit unseren Angeboten dabei, im heutigen Handelsumfeld mit schnellen Innovationszyklen und globalem Wettbewerb erfolgreich zu sein. Käufern bieten wir vor allem durch unsere mobilen Angebote völlig neue Einkaufsmöglichkeiten. Wir möchten den Handel in Deutschland und weltweit weiter vorantreiben. Dazu soll unsere Studie zur Zukunft des Handels beitragen.”