sk: Wie weit ist unsere Branche tatsächlich in der Anwendung von EDI?
Günter Althaus: EDI ist nach wie vor ein Kommunikationsthema und insbesondere eine Frage der Prioritäten und des Managements. Sowohl bei der Industrie, als auch im Handel. Ich glaube, dass immer noch nicht allen Beteiligten klar ist, worum es hier geht. Die Frage, ob man solche Prozesse realisiert, ist nicht so sehr eine technische, sondern es geht eher darum, das das Thema eine Bedeutung für das Geschäftsmodell stationärer Handel hat. Dabei ist EDI in der aktuellen Situation – insbesondere mit den völlig neuen Formen des Wettbewerbs – nahezu existenziell für den Retail in unserer Branche. Wer das nicht begreift, der wird es dann irgendwann später merken. Die Themen, die wir rund um die Einführung dieser Prozesse diskutieren, sind aus meiner Sicht meist Marginalien. Es gibt immer noch welche, die diskutieren beim Thema Clearingcenter über den “Gläsernen Händler”, liefern derweil aber ihre kompletten Daten bei Ebay oder Amazon ab. Das kann ich nicht wirklich ernst nehmen. Genauso die andere Herstellerseite. Fragen wie “Wann stellen wir welches Bildmaterial dem Handel zur Verfügung?” – alles von vorgestern. Es werden Themen diskutiert, die scheinbar Hürden für das Umsetzen der Prozesse darstellen, es in Wirklichkeit aber nicht sind.
sk: Welche Argumente hat denn speziell der Handel gegen EDI?
Marc Leinweber: In erster Linie geht es darum, dass viele gar nicht wissen, wie es funktioniert. “Was bringt mir das, was muss ich machen”, das sind Fragen, die aus dem Handel kommen. Da ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig. Wenn man aber in die Diskussion einsteigt und die Vorteile erklärt, sieht es schnell ganz anders aus. Aus meiner Sicht wird meist nach Argumenten gesucht, um das bestehende System nicht verändern zu müssen. Das ist im Übrigen ein Problem der gesamten Branche. Es heißt viel zu häufig: “Das haben wir schon immer so gemacht.” Das kann ja nicht die Argumentation sein, wenn man sich mit einem Thema wie EDI konstruktiv auseinander setzt.
sk: Ist vielleicht die Notwendigkeit, der ‘Leidensdruck’, nicht groß genug?
Ralph Hanus: Das ganze Thema ist eine Frage des Wollens. Das Bewusstsein der Notwendigkeit ist bei vielen in unserer Branche schon da, bei anderen nicht. Unkenntnis im Handel mag noch vorhanden sein. Ich bin dennoch sicher, dass die Problematik auf beiden Seiten liegt – auch bei der Industrie.
sk: Welche Priorität genießt das Thema bei der Industrie?
Marc Schneider: Ich bin ebenfalls überzeugt: Es ist kein technisches Problem mehr. Es geht um das Wollen. Und dazu braucht es die Erkenntnis der Vorteile. Ganz klar ist auch: Die Industrie muss ihre Hausaufgaben auch machen. Wir müssen unsere Logistik anpassen, unsere Produktion. Das ist bei ara im Moment in vollem Gange. Wir haben die ersten Händler aufgeschaltet, stellen ihnen Standards zur Verfügung und kommunizieren mit ihnen. Die Technik ist eindeutig vorhanden. Wir bieten diese Möglichkeiten momentan nicht offensiv an, aber wer auf uns zukommt, der sieht: Wir können das. Viele Händler – das muss ich sagen – scheinen aber nur überschaubare Kenntnis des Themas zu haben. Gerade wenn es technisch wird, schalten viele ab. Diejenigen, die wir nun intensiv beteiligen, merken sofort, welche Vorteile diese Prozesse bieten. Mit ihnen lernen wir gemeinsam jeden Tag dazu. Wir haben natürlich den Vorteil, dass wir nachlieferfähig sind. Es gibt Mitbewerber, die sind das nicht. Für sie hat das Thema einen völlig anderen Stellenwert. Klar, es gibt administrative Vorteile in den Prozessen bis hin zur Rechnungskontrolle. Aber es gibt auch Vorteile, die sich in der Wareneinsteuerung darstellen. Wir arbeiten gerade daran, den internen Vorgang um die “Technik-EDI” verständlicher zu machen.
Den vollständigen Bericht lesen Sie in schuhkurier-Ausgabe 29/2013.