Bei den Maßnahmen zu deren Vermeidung haben Personalschulungen, vor allem in den Bereichen Kasse, Verkauf und Wareneingang, die höchste Priorität. Das geht aus der EHI-Studie ’Inventurdifferenzen 2015‘ hervor. Frank Horst, Leiter des Forschungsbereichs Inventurdifferenzen und Sicherheit beim EHI und Verfasser der Studie kommentiert: „Der ständigen Aufmerksamkeit und der Sensibilisierung des Personals kommt eine besondere Schlüsselrolle bei der Reduzierung des Ladendiebstahls zu.“
Hohe Verluste
Im gesamten Einzelhandel summierten sich 2014 die Inventurdifferenzen – bewertet zu Verkaufspreisen – auf 3,9 Mrd. Euro. Handelsexperten schätzen, dass davon auf Ladendiebstähle durch Kunden rund 2,1 Mrd. Euro zurückzuführen sind. Den eigenen Mitarbeitern werden knapp 900 Mio. angelastet und Lieferanten sowie Servicekräften werden etwas mehr als 300 Mio. Euro an Warenverlusten im Jahr zugerechnet. Die restlichen 600 Mio. Euro entfallen auf organisatorische Mängel. Die durchschnittliche Inventurdifferenz beträgt 1% vom Umsatz, weitere Kosten entstehen durch Investitionen von rund 1,3 Mrd. Euro in Technik und Personal zum Diebstahlschutz. Insgesamt gehen dem Einzelhandel durch Inventurdifferenzen und Investitionen zu deren Vermeidung 1,3% des Umsatzes bzw. absolut rund 5,2 Mrd. Euro verloren. Letztlich wird diese Summe in die Verkaufspreise einkalkuliert und jeder ehrliche Kunde zahlt mit. Der Mehrwertsteuerverlust, den der Staat durch Kundendiebstähle erfährt, beträgt rund 450 Mio. Euro jährlich.
Hohe Dunkelziffer
Die angezeigten Ladendiebstähle sind 2014 laut polizeilicher Kriminalstatistik im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent auf 365.373 Fälle gestiegen. Anlass zur Sorge bereitet dem EHI, dass der einfache Ladendiebstahl zwar eher stagniert, schwere Ladendiebstähle (z.B. von gesicherter Ware) aber dramatisch zugenommen haben. In den letzten sieben Jahren haben sie sich mehr als verdoppelt. Die angezeigten Ladendiebstähle spiegeln die tatsächlichen Verhältnisse nur sehr eingeschränkt wider, denn die polizeilichen Kriminalstatistiken erfassen nur einen Bruchteil der Taten, schreiben die Experten. Die Dunkelziffer liege nach wie vor bei über 98%. Setzt man den durchschnittlichen Schaden der angezeigten Taten in Relation zu dem Anteil, den Kunden an den Inventurverlusten haben, ergibt sich, dass jährlich mehr als 26 Mio. Ladendiebstähle unentdeckt bleiben.