Richard Baker und Bernd Beetz sind die neuen Investoren für Galeria. Warum, glauben Sie, wollen beide das angeschlagene Unternehmen übernehmen?
Ich kann nur spekulieren: Entweder haben beide nicht alle Tassen im Schrank. Oder es geht im Falle von Richard Baker um den Ehrgeiz, nach seinem spektakulären Scheitern mit dem Kaufhof nun einen neuen Versuch zu starten, frei dem Motto ’Zurück in die Zukunft‘. Am wahrscheinlichsten ist aber eine dritte Variante: Aus einem alten Deal mit Kaufhof könnte NRCD noch Immobilien besitzen. Für diese gilt es, einen Abschreibungsbedarf zu verhindern, der sich ergeben würde, wenn Galeria komplett schließen würde. Es geht also nicht um Wirtschaftlichkeit, sondern um Immobiliensicherung. Das wäre die einzige logische Erklärung. Darüber hinaus fällt mir kein stichhaltiger Grund ein, zumal Richard Baker auch bei seinen Aktionären durchaus in der Kritik steht. Und das Umfeld hat sich für Galeria seit seinem Ausstieg nicht verbessert.
Was erwarten Sie unter den neuen Eignern im Hinblick auf Sortiment und Ausrichtung für Galeria?
Wenn man sich erfolgreiche Konzepte im Markt anschaut, läuft es in der Regel auf Monolabel hinaus. Beim KaDeWe
werden die Hälfte der Umsätze aus den Shop-in-Shops von Designermarken generiert. Man müsste also die Galeria-Häuser in Shopping-Center umwidmen. Allerdings sollten Lieferanten darauf hingewiesen werden, wie sich die Situation des Unternehmens darstellt, denn ihr Risiko ist enorm. Zwar wird der Insolvenzverwalter jetzt betonen, Galeria als Ganzes zu verkaufen. Tatsächlich wird in der Folge aber eine Verkleinerung des Filialportfolios unvermeidlich sein. Gehen wir davon aus, dass nach der Übernahme 50% der Häuser geschlossen werden, liegt der echte operative Warenumsatz dann vielleicht noch bei 1,5 Mrd. Euro. Damit hat Galeria eine unterkritische Größe erreicht. Die Komplexität und Sortimentsbreite, wie wir sie kennen, wird so nicht mehr wirtschaftlich darstellbar sein. Ich wüsste nichts, was man noch aus der Schublade ziehen könnte.
Wie hoch schätzen Sie den Investi-
tionsbedarf, um Galeria in den nächsten Saisons auf Kurs zu bringen?
Es ist ein Fass ohne Boden. Ich möchte noch einmal darauf verweisen, wie viel Geld während der drei Insolvenzen binnen weniger Jahre in dieses Unternehmen geflossen ist. Das waren nicht allein die 680 Mio. Euro Staatshilfe. Hinzu kommen 320 Mio. Euro Insolvenzgeld – und die Gläubiger haben auf insgesamt rund 3 Mrd. Euro verzichtet. Um das Unternehmen einigermaßen auf Kurs zu bringen, sollte der Zielumsatz 1:1 investiert werden. Aber das Problem wird die unterkritische Betriebsgröße sein – auch wenn NRCD sicherlich Ressourcen hat, um das kranke Unternehmen noch eine Weile zu stützen.
Wenn Sie allein entscheiden könnten: Was würden Sie tun, um Galeria eine erfolgreiche Zukunft zu ermöglichen?
Es bestätigt sich die These: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Viele der Galeria-Häuser verschandeln eher die Innenstadt als dass sie sie aufwerten. Für sie müssen bedarfsspezifische Konzepte entwickelt werden – und das kann auch eine Chance sein. Dafür gibt es bereits gute Beispiele, wie etwa der ehemalige Galeria-Standort an der Berliner Allee in Düsseldorf oder der ehemalige Kaufhof in Recklinghausen.