Was gab den Ausschlag, Sooley zu gründen?
Sanya Zillich: Ein Mitgründer und ich leben selbst seit Jahren mit orthopädischen Einlagen. Mit dem Eintritt ins Berufsleben ist uns klar geworden, wie zeitaufwändig und kompliziert es für Arbeitnehmer sein kann, ihre Versorgung zu bekommen. Oftmals überlappen die Arbeitszeiten mit den Öffnungszeiten von Ärzten und Sanitätshäusern, und dann muss man für die Abholung noch einmal vom Arbeitsplatz weg. Insgesamt sind das drei bis vier Termine. Das hat uns gestört, und wir haben überlegt, wie wir es am liebsten hätten. Dadurch ist die Idee zu Sooley entstanden, in der die Kundinnen und Kunden den Fuß einfach selbst vermessen und die Einlage am Ende per Post an eine Wunschadresse geschickt bekommen. Eine große Rolle hat aber auch gespielt, dass Apple den FaceID 3D-Sensor seines iPhones für Entwickler geöffnet hat. Das ist der Sensor, der auf der Vorderseite des iPhones dafür zuständig ist, das Gesicht zu vermessen und die Sperre des Geräts aufzuheben. Er ist extrem präzise und genau das, was wir für unser Projekt brauchten. Gegründet haben wir dann im Jahr 2021, seit Anfang 2023 besteht Sooley in seiner jetzigen Form.
Für wen eignet sich Sooley?
Um die Frage zu beantworten, möchte ich etwas tiefer in unsere Produktwelt einsteigen. Wir sprechen nämlich von zwei verschiedenen Produkten. Das erste Produkt ist die Datenaufnahmetechnologie für Füße durch den Face ID-Sensor des iPhones. Dafür haben wir eine KI entwickelt, die den Nutzer beim Scan anleitet. Das Telefon leitet den User in die richtige Position, bis der Scanner startet. Aus fünf verschiedenen Positionen heraus werden Bilder aufgenommen, die dann in unsere Cloud gesendet werden. Dort wird aus den Aufnahmen ein 360 Grad-3D-Bild vom Fuß zusammengesetzt. Wir haben den Vorgang so optimiert, dass er problemlos von einer einzelnen Person durchgeführt werden kann, ohne dass das Ergebnis einen Qualitätsverlust erleidet. Mein persönliches Ziel war, dass mein sechsjähriger Sohn selbstständig seine Füße scannen kann, was er inzwischen auch leidenschaftlich gerne macht.
Wir scannen den Fuß in belastetem und unbelastetem Zustand, so bekommen wir das beste Ergebnis. Man könnte es durchaus mit dem Ergebnis beim Trittschaum vergleichen, nur dass wir bis zum Knöchel scannen und zudem den Scan der unbelasteten Fußsohle haben. Das ist für unsere Orthopädieschuhtechnikermeister und Orthopädieärzte von Vorteil, denn so bekommen sie ein vollständiges Bild geliefert.
Unser Fußscanner eignet sich also sowohl für Privatpersonen, wenn sie Sooley-Einlagen möchten, als auch für Unternehmen, die etwas scannen möchten. Aktuell ist unser größter Kunde ein Unternehmen aus Brasilien, das mit dem Scanner Daten für seine orthopädischen Schuhe generiert. Insgesamt haben wir viele Kunden aus dem Ausland, da dort die Versorgungslage etwas anders ist als in Deutschland. Das zweite Produkt sind unsere maßgeschneiderten Einlagen für Endkunden. Hier nutzen wir neben dem Scan ein 3D-Druckverfahren mit TPU um für jeden Kunden 100% individuelle Einlagen fertigen zu können. Das Thema Onlineversorgung mit Einlagen wird in Deutschland insbesondere unter dem Punkt „Versorgungsqualität“ heiß diskutiert. Wir glauben, dass wir unter gewissen Voraussetzungen die Versorgungsqualität deutlich verbessern können, aber die deutsche Gesundheitspolitik sollte offen für neue Technologien sein.