Wer ist Ihre sonstige Klientel?
Die Jüngsten sind 18 Jahre alt, der Älteste ist 91 und hat schon bei meinem Großvater gekauft. Das Gros ist aber zwischen Mitte 30 und Anfang 60.
Welchen Stellenwert hat der Schuh beim Einkauf Ihrer Kunden?
Manche Kunden kommen eigens wegen der Schuhe. Die meisten kommen aber, um einen Anzug, Smoking oder Cut zu kaufen und brauchen den passenden Schuh dazu. Allerdings wird nicht automatisch zu jedem Anzug ein Paar Schuhe verkauft, das hängt schon sehr von der Beratung ab.
Ihr Sortiment wird klar von Crockett & Jones dominiert. Was haben sie, was andere nicht haben?
Schuhe von Crockett & Jones haben einfach diese typisch englische Aura. Jedes einzelne ihrer Modelle passt zu der Garderobe, die wir verkaufen. Als Lieferanten sind sie äußerst zuverlässig, der Service ist extrem gut. Wir sind regelmäßig bei ihnen in Northampton und kennen die Manufaktur sehr gut.
Was verstehen Sie unter einem „extrem guten Service“?
Es gibt viele Standardmodelle, die permanent on stock und meist innerhalb einer Woche geliefert sind. Sie haben – vom Lackschuh bis zum Schnürstiefel – ein extrem breites Portfolio in verschiedenen Weiten. Zudem bieten sie einen Full Repair Service. Alles in allem ist das ein absolut überzeugendes Gesamtpaket.
Welches Modell ist das wichtigste?
Das ist vor allem der Oxford Cap Toe. Er ist perfekt für Business oder Cut und der ideale Schuh für alle, denen der Full Brogue zu casual ist. Zu 80% verkaufen wir ihn in Schwarz, zu 20% in Cognac und Dunkelbraun.
Wir hören immer wieder, dass Pferdeleder kaum noch gefragt ist. Sie aber verkaufen nach wie vor Alden. Wer ist dieser Kunde?
Es ist ein spezieller, oft etwas gesetzterer Kunde, der Chinos und dazu seinen Alden Pennyloafer in Burgundy trägt. Übrigens passt der Pennyloafer nicht jedem, oft ist die Ferse problematisch. Grundsätzlich aber ist der Leisten sehr komfortabel. Das schätzt dieser Kunde sehr. Man darf nicht vergessen, dass Alden seine Wurzeln in der Orthopädie und einst Arbeitsstiefel gefertigt hat. Der Alden Indy Boot ist noch heute ein Klassiker.
Was kostet der Pennyloafer inzwischen?
Der Cordovan Pennyloafer kostet 1299 Euro.
Da liegt ein Schuh von Saint Crispin’s, Ihrem dritten Schuhlieferanten, noch darüber. Wer ist der Saint Crispin’s Kunde?
Saint Crispin’s ist High End für Leute, die bei uns Made-to-measure-Anzüge von Scabal kaufen. Dieser Kunde ist sehr fachkundig, ein wirklicher Schuh-Aficionado. Er will etwas Exklusives in erstklassiger Qualität, jedoch keines der gehypten Luxuslabels. Nicht selten hat er Sonderwünsche, etwa ein Monogramm in Messing oder einen Stiefelschaft aus blauem Tweed. Stilistisch ist der Saint Crispin’s glatter, polierter, mitunter auch geometrischer. Der Leisten wirkt sehr schlank. Die Kunden lieben diesen Leisten.
Macht ein solcher Schuh etwas mit einem Mann? Kann man eine Veränderung beobachten, wenn er ihn trägt?
Ja. Das kann man. Er verändert den Gang und die gesamte Haltung. Wenn ein Hoody-Träger in einen Anzug schlüpft, ist es ähnlich: Es erwacht ein Bewusstsein für das Besondere im Handwerk, das nicht Alltägliche. Das hat eine Wirkung, definitiv.
Erwacht denn auch ein Bewusstsein für die Pflege?
Tja, daran mangelt es oft, das stelle ich immer wieder fest. Viele denken, sie kaufen sich teure Schuhe, und die halten nun ewig. Dass sie dafür auch etwas tun müssen, ist ihnen nicht bewusst. Daher ist es unsere Aufgabe, ihnen zu vermitteln, dass der Schuh Pflege, Schuhspanner und nach dem Tragen eine Pause braucht.
Was geben Sie ihren Kunden außerdem bei der Beratung mit?
Natürlich erklären wir einen Schuh sehr detailliert: dass er sich dort, wo er abrollt, noch weitet, welches Leder, welchen Aufbau der Schuh hat; dafür benutzen wir eigens ein Querschnitt-Modell. Wir lassen den Kunden sehr lange probieren und berücksichtigen dabei Wetter und Tageszeit. Wir ertasten den Fuß im Schuh, fühlen, wo es Probleme geben kann, wo die Kappnaht über dem Ballen liegt. Es ist uns sehr wichtig, dabei vollkommen ehrlich zu sein. Daher erklären wir dem Kunden auch, dass er sich den Schuh erarbeiten muss und dass dieser Prozess drei bis vier Wochen dauern kann. Für all das nehmen wir uns sicher mehr Zeit als üblich. Aber schnell sollte ein Verkauf auch nicht gehen: Was schnell verkauft ist, kommt zurück.