„Ich entführe euch in eine der kältesten Regionen der Welt – nach Grönland“, erzählte der 29-Jährige Philipp Hans. Er wurde eingeladen, im Anschluss an die Generalversammlung einen Vortrag über seine Expedition zu halten, die er ohne große Erfahrung angetreten ist. Sein Weg in die Eiswüste begann beschaulich mit zwölf Jahren in einem Outdoor-Laden in Stuttgart. Er hörte dort einen Vortrag des Bergsteigers Stefan Glowacz. Hans kletterte schon seit frühester Kindheit, doch ihm kam der Gedanke, dass es ihm mehr geben müsse als nur Kletterwände und festgelegte Schwierigkeitsgrade. Der Wunsch war geboren, Teil einer Expedition zu sein. „Ich bin zu seinem Stand gegangen und wollte sein Buch kaufen. Er hat mich gefragt, ob ich es wirklich lesen würde“, erinnert sich Hans. Als er die Frage bejahte, bekam er das Buch geschenkt.
Gelesen hat er das Buch nie. Doch der Wunsch blieb im Kopf. Über einen Sponsoringvertrag kam er später wieder in Kontakt mit Glowacz. Und wurde zu einer Expedition nach Grönland eingeladen – ohne wirkliche Erfahrung und ohne hilfreiche Fähigkeiten, wie er da noch dachte. Die Reise führte zuerst nach Schottland, von wo aus die Segel des Bootes Santa Maria Richtung Grönland gesetzt wurden. Der Weg dahin sollte Teil der Reise sein: „Es ist ein besonderes Gefühl, von der Haustür Schritt für Schritt weniger Menschen um sich herum zu haben und zu spüren, wie man sich in die Natur begibt.“ Auf hoher See sollte es bereits einen ersten Vorgeschmack auf das Abenteuer geben. Nur von Wasser umgeben, ohne Horizont mit dem Kompass als einzigen Orientierungspunkt und nur vier Stundenkilometer vorankommend war die Fahrt beschwerlich und begleitet von Seekrankheit und einem Sturm, dessen Gefährlichkeit niemand einschätzen konnte, bis ein erfahrenerer Fahrer nur einen bedeutungsschwangeren Satz sagte: „Da lacht die Santa Maria nur darüber.“
Tatsächlich kam die Crew gesund in Grönland an und das ewige Blau wich dem ewigen Weiß. Immer das gesamte Gepäck hinter sich ziehend ebenso beschwerlich, wie Hans erzählte: „Am Ende des ersten Tages haben wir motiviert nachgeschaut, wie weit wir gekommen sind: Sieben von 1.000 Kilometer“ Einen Monat lang bewegten sich die Kletterer durch das Eis, sahen kein Leben um sich, hörten höchstens den Wind und fanden eine Heimat in ihrem Zelt, einer dünnen Schicht, die vor dem Erfrieren schützte. Die Fähigkeit für das Team, die Hans dabei mitbrachte, ist ihm erst beim Durchblättern des Bildbandes zu der Expedition klargeworden. Dort steht unter einem Portraitfoto von ihm die Bildunterschrift: „Philipp, unser Sonnenschein. Schön, dass du die Situation durch deine naive Herangehensweise nicht mehr so beklemmend erscheinen lässt.“