80 Jahre schuhkurier: Das war das Jubiläum
Der Live-Ticker zum Nachlesen
- 31.08.2026
- Christopher Mastalerz
- 1 Minute
Der Live-Ticker zum Nachlesen
+++ 17:50 Uhr: „Deutsche sind sehr gut, was Unternehmen und Produktkompetenz angeht. Sie sind auch sehr verlässlich. Aber sie sind auch risikoscheu und lehnen Veränderungen eher ab. Das trifft vor allem auf Händler zu“, so Singh. Würde er Lloyd und Gabor wieder übernehmen? Absolut, sagt er. Er habe die Übernahmen nie für Fehlentscheidungen gehalten. Sie seien jedoch anspruchsvoller als zunächst erwartet und bräuchten mehr Zeit.
Wo Lloyd und Gabor in 20 Jahren stehen werden, lasse sich schwer vorhersagen, sagt Singh. Wenn Arklyz bis dahin jedoch größer und besser aufgestellt sei, wäre er ein glücklicher Mann. Für Lloyd sei sein Ziel eine internationale Lifestyle-Marke; Gabor solle sich zu einer international etablierten Schuhmarke für Damen und Herren entwickeln. +++
+++ 17:42 Uhr: „Ich möchte, dass Arklyz größer und besser wird. Besser auch in Bezug auf die Menschen. Unsere Partner sollen sich zukünftig noch besser fühlen, mit Arklyz zu arbeiten. Und Kunden sollen sich besser fühlen, von Arklyz zu kaufen.“ Singh hofft, dass sich Lloyd noch mehr als Lifestyle-Marke etabliert. Für Gabor erhofft er sich eine Stärkung und Akzeptanz der One Gabor-Strategie.
Europa soll für beide Marken der wichtigste Markt bleiben. Aber auch Amerika und Asien könne man nicht ignorieren. In China hat Gabor bereits 70 Geschäfte. Diese Zahl wolle man in Zukunft erhöhen.
Auch High-Street-Retail bleibe wichtig: Unterschiedliche Stores und Kanäle erfüllen unterschiedliche Funktionen. Konsumenten erwarten heute vielfältige Einkaufsmöglichkeiten. Diese wolle Arklyz gewährleisten. +++
+++ 17:31 Uhr: Param Singh zur Gabor-Übernahme: „Lloyd und Gabor haben viele ähnliche Voraussetzungen. Die Übernahme von Gabor hat darum für mich nur Sinn ergeben. Ich bin die Kriterien durchgegangen, die ich mir vor dem Kauf eines Unternehmens immer stelle, und es hat alles gepasst.“
Es habe starke Reaktionen auf die Veränderungen bei Gabor gegeben, gibt Singh zu. Davon seien jedoch viele positiv gewesen. Und: „Es gibt keine Veränderung in der Positionierung der Marke. Der Fokus liegt immer noch auf Komfort, Qualität und Passform. Das wird auch immer so bleiben. Daneben spielt jetzt zusätzlich Design eine stärkere Rolle.“ Die Kernzielgruppe von Lloyd liegt weiterhin bei den 30- bis 35-Jährigen. Gleichzeitig sollen die Modelle ebenso einer 20-Jährigen wie einer 60-Jährigen stehen. Der Fokus bei Gabor bleibe Footwear – im Vergleich zur Lifestyle-Marke Lloyd. Es gebe keine Pläne, Lloyd und Gabor in irgendeiner Art und Weise zusammenzuführen. +++
+++ 17:18 Uhr: Warum war Lloyd ein attraktives Investment für Arklyz? Für Singh hatte die Marke von Beginn an auch eine persönliche Bedeutung: Als er nach Deutschland kam, waren Lloyd-Schuhe die ersten Schuhe, die er hier kaufte. Über lange Zeit trug er sie zudem bei der Arbeit. Entsprechend bestand früh eine enge Verbindung zur Marke.
Darüber hinaus sieht Singh in Lloyd großes strategisches Potenzial. „Ich finde, dass Lloyd eine fantastische Marke ist und mit der richtigen Strategie nur noch stärker wird. Auch international kann Lloyd eine große Lifestyle-Brand werden.“ Die Grundlage dafür sei bereits vor der Übernahme vorhanden gewesen: Lloyd habe schon damals neben Schuhen auch Kleidung und Accessoires angeboten und damit den Charakter einer Lifestyle-Marke entwickelt. Genau darin habe Arklyz die Chance gesehen. Nach dem Kauf sei dieses Potenzial lediglich noch deutlicher zutage getreten. Entscheidend bleibe jedoch, Lloyd weiterhin klar im Footwear-Bereich zu verankern.
Lloyd hat in den vergangenen Jahren mehrere Veränderungen durchlaufen, die nach Einschätzung von Petra Steinke bei vielen Handelspartnern zunächst für Verunsicherung sorgten. Singh entgegnet, dass der Wandel nicht Selbstzweck gewesen sei, sondern einer klaren Nachfrage aus dem Markt gefolgt sei: „Wir haben uns nicht der Veränderung wegen verändert, sondern weil es vom Markt nachgefragt wurde.“ Zugleich räumt er ein, dass es Zeit brauche, bis solche Schritte akzeptiert würden. Das Feedback sei anfangs nicht ausschließlich positiv ausgefallen. Lloyd habe die Rückmeldungen der Partner jedoch ernst genommen und daraus gelernt. Inzwischen nehme die positive Resonanz bei immer mehr Handelspartnern zu. +++
+++ 17:00 Uhr: Petra Steinke begrüßt Param Singh, Inhaber der Arklyz-Group. Zuerst sprechen sie über Singhs Werdegang und darüber, wie er zu dem Unternehmer geworden ist, der er heute ist. Er kommt aus ärmlichen Verhältnissen, seine Familie investierte jedoch in seine Bildung, was ihm ein Ingenieur-Studium ermöglichte. Sicherheit sei immer ein wichtiger Faktor der Familie gewesen. Trotzdem kam irgendwann die riskante Entscheidung, ein Start-up zu gründen und sich selbstständig zu machen. „Nur, wer Risiken eingeht, bekommt die entsprechende Belohnung.“ 2018 gründete er Arklyz.
Arklyz sei kein Investment-Unternehmen, betont er. „Ich baue Unternehmen. Ich schaue immer auf das Langfristige. Außerdem schaue ich auf Synergien und die Menschen hinter dem Business. Wenn ich ein Unternehmen kaufe, brauche ich eine Chemie mit diesen Menschen.“
Bei der Übernahme von Asphaltgold im Jahr 2022 bestand die zentrale Aufgabe darin, das Unternehmen zu skalieren – getragen von einer damals hohen Nachfrage nach Sneakern. In den vergangenen 18 Monaten hat diese Dynamik allerdings nachgelassen. Um Margen und Profitabilität zu sichern, setzt Asphaltgold dennoch nicht auf einen Sparkurs. Im Gegenteil: Das Unternehmen investiert weiter, unter anderem in neue Stores, Partnerschaften und den Ausbau seiner Communities. +++
+++ 16:30 Uhr: Holger Knapp und Günter Althaus reden über die Zukunft des Mittelstands und des Schuhhandels. „Ich hoffe, der Mittelstand bleibt vielschichtig und kleinteilig. Er wird in Deutschland erhalten bleiben, da bin ich mir sicher. Beim Schuhhandel tue ich mich schwer. Ich glaube aber, dass der stationäre Schuhhandel bestehen bleiben wird. Spezialisierung kann da weiterhelfen“, sagt Günter Althaus. +++
+++ 16:25 Uhr: Althaus geht über zum Thema Mittelstand. Dieser stehe derzeit für über 50 % der Nettowirtschaftsleistung. Eine Schwächung des Mittelstandes stelle ein enormes gesellschaftliches und wirtschaftliches Risiko dar. „Der Mittelstand stirbt weiterhin leise. Wir müssen aufpassen, damit er nicht ganz ausstirbt.“
Er spricht ein Plädoyer für Zusammenarbeit aus – sowohl horizontal als auch vertikal. Kooperation müsse gelebt werden. Gegenseitige Schuldzuweisungen hingegen würden keinem helfen. +++
+++ 16:18 Uhr: Letzten Endes seien es alles Menschen, „die natürlich Fehler, jedoch auch viel richtig machen“. „Es ist unsere Aufgabe, konstruktive Beiträge zu leisten, anstatt nur draufzuhauen.“ Er spricht sich für mehr Planungssicherheit aus und warnt vor einer Wiederholung der deutschen Geschichte. Die aktuelle politische Entwicklung (konkret: der Aufstieg rechtspopulistischer Parteien) mache ihm Angst. +++
+++ 16:00 Uhr: Holger Knapp begrüßt Günter Althaus, Manager, Unternehmer, Funktionär und momentan Vorstandsvorsitzender der Reformhaus eG. Er startet mit einem politischen Impuls: Jeder mache sich derzeit Sorgen um die wirtschaftliche Situation. Jedoch habe es schon immer Ups and Downs in der Wirtschaft gegeben. Und auch Lösungen habe man immer gefunden – und wird man immer finden. Aber: Komplexe Herausforderungen seien eben nicht leicht zu lösen. Er verweist unter anderem auf aktuelle Themen wie die amerikanische Politik und den Irankonflikt.
„Europa ist zu langsam und überreguliert“, geht er zur Lage in Europa über. Die Bedrohung der demokratischen Freiheit sei das aktuelle Kernproblem, nicht ausschließlich die wirtschaftliche Lage. „Das Fundament bröckelt.“ Es sei über die Maßen mühsam und kräftezehrend, Reformen in Deutschland durch- und umzusetzen. Er spricht allen Politikerinnen und Politikern entsprechend Respekt aus. „Ich könnte das nicht.“ +++
+++ 15:57 Uhr: „Ich glaube fest an den stationären Handel“, sagt auch Peter-Phillip Kienast. „Es werden natürlich nicht alle überleben.“ In 20 Jahren hofft er, dass seine Kinder (jetzt acht und zehn Jahre alt) als nächste Generation vielleicht bei schuhkurier auf der Bühne sitzen werden. +++
+++ 15:54 Uhr: Die letzte Frage in die Runde lautet, wie der Schuhhandel in 20 Jahren aussieht, wenn schuhkurier sein 100-jähriges Jubiläum feiert. Britta Goertz ist sich sicher: „Der Schuhhandel wird ein People’s Business bleiben.“ Es könne sich aber der Rahmen ändern, wenn sich der Handel nicht mehr so in der Innenstadt abspielen wird. Claudia Hüben erwartet, dass sich aufgrund des Klimawandels die Lieferzeiten ändern werden: „Wir werden uns zwangsläufig anpassen müssen.“ Ansonsten werde sich nicht so viel ändern: „Den Online-Handel gibt es ja schon. Und es gibt ganz viele Menschen, die Erlebnisse haben wollen. Ich glaube fest daran.“ +++
+++ 15:47 Uhr: Auf die Frage, welche Aufgaben KI übernehmen könnte, sagt Peter-Phillip Kienast: „Wir stoßen teilweise auch an unsere Grenzen und arbeiten an einem neuen ERP-System, um mit einer neuen Datenbasis besser mit KI arbeiten zu können. Das wird aber noch zwei Jahre dauern. Wir nutzen KI, aber nicht für den Kern des Geschäfts. Es fehle außerdem an motivierten jungen Mitarbeitern auf der Fläche: „Aber nicht nur da, auch in Führungspositionen. Es fehlen uns die jungen Menschen, die anpacken wollen. Es gibt sie bestimmt, aber sie sind schwer zu finden. Vielleicht sind sie auch in anderen Branchen. Es ist auch sehr anstrengend, wie sehr junge Menschen ihren Karriereplan vorgezeichnet haben und hohe Ansprüche stellen. Wir brauchen im Handel Leute, die lächeln und die Kunden gut ansprechen, unabhängig von der Tiefe der Beratung.“ +++
+++ 15:44 Uhr: Sie setzt auf die Notwendigkeit der Stadt: „Wir sind in einem kleinen Ort im Norden von Nordrhein-Westfalen. Ich setze auf die Local Heroes, und das sind unsere Kunden. Ich versuche, den Lokalpatriotismus anzufeuern und einen dritten Ort zu schaffen, der die Menschen zusammenbringt.“ +++
+++ 15:40 Uhr: Britta Goertz glaubt nicht, dass sich die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden so stark verändert haben. Aber das Angebot hat sich verändert: „Früher gab es nur zwei oder drei Schuhgeschäfte im Ort. Da hatte der Kunde eine Holschuld. Heute gibt es mit dem Internet als Konkurrenz eine Bringschuld. Wir müssen vermitteln, warum der Kunde bei uns richtig ist.“ Vor allem der aktive Social Media-Auftritt sei ein wichtiger Teil, um das stationäre Geschäft zu stärken. +++
+++ 15:35 Uhr: Claudia Hüben hatte zwar schon immer eine Affinität für Schuhe, ist aber nicht im Schuhkarton aufgewachsen. Mit ihrem Partner und Geschäftspartner eröffnete sie die Boutique Milla, nachdem sie ursprünglich beruflich in anderen Bereichen war. Heute weiß sie, dass ihre Entscheidung die richtige war: „Jeder Tag war bislang toll, selbst in der Pandemie, wo wir so viel über unsere Partner gelernt haben.“ Vor allem der Kontakt zu den Menschen erfüllt sie jeden Tag bei der Arbeit. +++
+++ 15:25 Uhr: Petra Steinke spricht mit drei erfolgreichen Händlern aus unterschiedlichen Formaten: „Eine kleine Boutique, ein Fachmarkt als Versorger und ein familiengeführtes Fachgeschäft. Auf die Bühne kommen Britta Goertz (Schuhhaus Meyer), Claudia Hüben (Milla) und Peter-Phillip Kienast (Kienast). +++
+++ 15:20 Uhr: Hendrik Wüst spricht über unabhängige und privat finanzierte Medien, die ein wichtiger Teil der Demokratie sind: „Sie werden manche Informationen im Internet umsonst kriegen, aber nicht so gut informiert, wie von einem Fachmedium“, wirbt es für die Unterstützung des unabhängigen Journalismus. +++
+++ 15:13 Uhr: Hendrik Wüst bedankt sich bei Param Singh, der für die Teilnahme an den Jubiläumsfeierlichkeiten von schuhkurier geworben hat. „Der Kern sind die Informationen einer Branche, die offensichtlich so gut aufbereitet werden, dass es das Format so noch gibt“, erklärt Wüst. Viele Medien gebe es heute nicht mehr.
Parallel feiert auch das Land Nordrhein-Westfalen sein Jubiläum. Deutschland habe die Legitimation nach dem Zweiten Weltkrieg verloren. Dank der Arbeit der Bundesländer, die dann die Bundesrepublik gegründet haben, gebe es eine Wohlstandsperspektive, die zum Aufstieg eines demokratischen deutschen Staates geführt habe. „Das ist untrennbar mit Wirtschaftswunder und Wohlstandsmehrung verbunden“, spricht Wüst über die Bedeutung der freien Wirtschaft. „Und man muss immer wieder daran erinnern, dass NRW mehr ist als nur Kohle und Stahl, sondern auch eine große Bekleidungs-, Lederwaren- und Schuhindustrie.“ +++
+++ 15:06 Uhr: Im Vorfeld des schuhkurier AWARD lädt schuhkurier zu den Feierlichkeiten des 80-jährigen Jubiläums ein. Unter der Kuppel des K21 sprechen Sternefeld Medien-Geschäftsführer Holger Knapp und schuhkurier Chefredakteurin heute unter anderem mit Arklyz-Inhaber Param Singh (Lloyd, Gabor) und mit dem NRW-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst.
Holger Knapp blickt vor allem in die Zukunft der Fachmedien „Unsere Aufgabe ist es, Geschichten zu erzählen, die noch nicht erzählt wurden und Fragen zu stellen, die noch nicht gestellt worden sind.“ Das unterscheide die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten von den Ergebnissen einer KI, die nur nach Wahrscheinlichkeiten arbeitet und keine neuen Erkenntnisse schafft. Außerdem kündigte er ein neues, englischsprachiges Medium an, das in den kommenden Wochen launchen wird. +++
Headerfoto: Param Singh spricht auf dem schuhkurier-Jubiläum (Foto: Kim Fotografie)
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